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Interview: "Alles will überlegt sein"

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Co-Trainer Caspar Jacques sieht sich als Bindeglied zur Mannschaft

Gerade 23 Jahre auf dem Buckel und dennoch nur an der Seitenlinie, das ist Caspar Jacques, der Co-Trainer unserer VfL-Männer. Was bringt einen 1,91-Meter-Hünen im besten Sportleralter dazu, mehr oder weniger nur zuzuschauen? Vater Torsten sagt, dass sein Sohnemann sich immer alles genau überlegt, ehe er sich zu irgendetwas entschließt. Fragen wir den gebürtigen Berliner mit dem französisch anmutenden Namen einfach selbst.

Bist Du nicht zu jung, um als Co-Trainer zu fungieren und damit nur noch auf der Bank zu schmoren?

Caspar Jacques: Oh ja, ich würde auch lieber auf der Platte mitspielen, aber es ging nicht mehr. Mir machte mein Rücken zu sehr zu schaffen, als dass ich den Belastungen noch standhalten könnte. Aber so ganz weg vom Handball wollte ich nicht, nun helfe ich eben Daniel, unserem Trainer. Und ich darf auf diese Art ab und an sogar noch mit ins Spiel eingreifen, muss aber nicht mehr fünfmal die Woche hart trainieren.

Na ganz so einfach wird das ja nicht gewesen sein. Nicht jeder Spieler kann einfach so auf die Trainerbank wechseln, noch dazu in dem Alter.

Nein, natürlich nicht. Aber Alexander Haase, unser sportlicher Leiter, wollte mich im Verein halten und hat mir die Aufgabe angeboten. Er war einer meiner Jugend-Trainer, damals noch bei den Füchsen Berlin, kennt mich also schon ewig und muss wohl von mir überzeugt gewesen sein.

Was könnte er an Dir so schätzen, wie würdest Du Dich selbst charakterisieren?

Ich bin in Sachen Sport sehr ehrgeizig, das weiß er. Auch, dass ich mich in Aufgaben hineinknie, sie sehr ernst nehme und eigene Gedanken einbringe. Und er weiß, dass mir das Aufhören sehr schwer gefallen ist. 

Wie kannst Du Daniel Deutsch denn helfen? Bist Du wie Dein Förderer Alexander Haase, der Co-Trainer der Nationalmannschaft, auch für die taktischen Dinge mit zuständig?

Nein, eher nicht. Ich stecke ja noch fast in der Mannschaft drin, fungiere als Bindeglied zwischen Trainer und dem Team. Schließlich habe ich mit den Jungs noch zusammengespielt, habe Kumpels in der Truppe. 

Daniel Deutsch ist auch noch nicht so lange raus. 

Ja sicher, aber als verantwortlicher Trainer wächst automatisch ein gesunder Abstand zu den Spielern. Außerdem habe ich natürlich noch andere Aufgaben, trainiere zum Beispiel speziell die Flügelspieler. Da kann ich Daniel schon einiges abnehmen, zumal er selbst mehr Erfahrung auf den Mittelpositionen besitzt. 

Du studierst Sportwissenschaft und -Management an der Uni Potsdam, hättest also auch den hohen Zeitaufwand als Grund für einen kompletten Abschied vom Handball nennen können. Das hast Du nicht getan, sondern bist dabei geblieben. Die Liebe zum Handball muss also groß ein, warum?

Handball ist ein sehr ehrlicher und fairer Sport, das begeistert mich immer wieder aufs Neue. Ja, es geht robust zu, aber immer im Rahmen. Und es schweißt eine Mannschaft zusammen. Handball weckt außerdem Emotionen, bei uns Spielern genauso wie bei den Zuschauern, als Spieler bekommt man also einiges von den Rängen zurück. 

Gibt es noch andere Sportarten, die Dich begeistern?

Basketball finde ich super, spiele es auch gerne selbst. Und Bouldern, also Klettern, allerdings an künstlichen Felsen.

Bitte erzähl noch ein wenig von Dir und Deinem Weg nach Potsdam.

Ich stamme aus Berlin-Köpenick, habe als kleiner Junge alle möglichen Sportarten probiert, zum Beispiel Judo und natürlich Fußball. Sport spielt in unserer Familie schon immer eine große Rolle. Meine Mutter tanzte im Ballett, meine Schwester war Ruderin und mein Vater Handballer. Er hat mich schließlich dazu gedrängt, denn er lebte diesen Sport selbst mit Leib und Seele. Angefangen habe ich bei Ajax Köpenick, von dort ging es zur Sportschule bei den Füchsen und schließlich nach Potsdam, wo ich seit der 10. Klasse bin.

Die Weltmeisterschaft ist gerade vorbei, die deutsche Mannschaft wurde nach begeisternden Spielen Vierte. Wird sich der Boom aus dem Januar beim VfL auf den Zuschauerrängen bemerkbar machen?

Das hoffe ich. Allerdings haben wir schon einen recht treuen und fachkundigen Zuschauer-Stamm. Wenn wir weiter gute Leistungen bringen und unsere Fans ihre Begeisterung noch mehr nach draußen tragen, kann die WM sich tatsächlich auch für uns und für die Nachwuchsentwicklung auszahlen. Es wäre schon schön, wenn die Ränge der recht großen Halle bei unseren Spielen noch besser gefüllt wären.

Was traust Du Deiner Mannschaft noch zu und ist sie nicht zu sehr von Yannik Münchberger abhängig, der im letzten Spiel 14 der 26 Tore geworfen hat?  

Ja, Yannik ist schon ein Phänomen. Ich spielte schon in der Jugend mit ihm zusammen. Wir sind froh, dass wir ihn haben. Er kann das Spiel an sich reißen, wenn es mal nicht so läuft, und er macht überraschende Dinge. Aber wir mussten in der Vorsaison lange ohne ihn auskommen, als er verletzt war. Die Mannschaft ist also durchaus variabel besetzt und kann weiter oben in der Tabelle mitspielen. 

(Es fragte Horst Sperfeld)

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