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MAZ: "Mist, es gibt keine Warmlaufphase"

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Es zählt zu den Highlights in Handballkalender des Landes Brandenburg: Das Drittliga-Derby zwischen dem Oranienburger HC und dem VfL Potsdam. Vor dem Lokalduell am Sonnabend sprechen VfL-Trainer Daniel Deutsch und OHC-Coach Christian Pahl über die Risiken eines frühen Derbys und den Kampf um die Nummer eins in der Region.

Potsdam. Der Ansetzer der dritten Handball-Liga Nord hat sich nicht lange mit der Vorrede aufgehalten: Bereits beim Saisonstart am heutigen Sonnabend wird das Brandenburg-Derby zwischen Gastgeber Oranienburger HC und dem 1. VfL Potsdam ausgetragen (Beginn 18.30 Uhr, MBS-Arena in Oranienburg). Im Interview sprechen die Trainer Christian Pahl (OHC) und Daniel Deutsch (VfL) über Aufstiegs-Ambitionen, die Unterschiede zu ihrer Zeit als aktive Spieler und ein Ammenmärchen.

Herr Pahl, Herr Deutsch: Was haben Sie gedacht, als Sie gehört haben, dass die Saison mit einem Derby beginnt?

Christian Pahl: Ganz ehrlich?

Nur zu.

Mist, es gibt keine Warmlaufphase. Gleich beim Saisonstart eine Partie, bei der so viele Emotionen im Spiel sind. Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen. Es wäre mir lieber gewesen, das Derby hätte zu einem etwas späteren Zeitpunkt auf dem Programm gestanden.

Daniel Deutsch: Ich sehe das ähnlich, in dieser Partie ist gleich richtig Dampf im Kessel, aber die Mannschaften sind noch nicht so gefestigt, wie in einigen Wochen – da kann ein Spiel auch schnell fahrig werden. Die Chance, dass es ein handballerisch gesehen attraktiveres Spiel wird, ist zu einem späteren Saisonzeitpunkt größer.

Für Sie Herr Deutsch, ist es außerdem Ihr erstes Punktspiel als Cheftrainer. Was war die größte Umstellung für Sie in ihrer neuen Rolle, nachdem Sie noch in der vergangenen Saison Spieler beim VfL waren?

Der größte Unterschied ist, dass man als Spieler mehr abschalten konnte. Natürlich habe ich mich auch vorher mit der sportlichen Situation auseinandergesetzt, aber wenn das Training vorbei war – wo man sich im Unterschied zu jetzt außerdem auch richtig auspowern konnte – dann konnte man abschalten. Jetzt, wo man verantwortlich ist, muss man sich sehr viel mehr Gedanken machen und sehr viel mehr Details überdenken. Dazu kommt, dass man als Spieler beispielsweise keine Trainingspläne schreiben musste – die Aufgaben haben also auch in diesem Bereich zugenommen.

Wie war das bei Ihnen Herr Pahl, als Sie nach Ihrer Spielerlaufbahn Trainer wurden?

Es war ähnlich, aber mit dem Unterschied, dass ich drei Jahre beim HV Grün-Weiß Werder in der Brandenburgliga Erfahrung sammeln konnte, bevor ich nach Oranienburg gewechselt bin. Das war in meiner Anfangszeit beschaulich gegen das, was in der dritten Liga passiert. Hut ab davor, dass Daniel sich dieser schweren Aufgabe gestellt hat. Ich habe zunächst schwer abschalten können, aber man wird ruhiger. Wenn es jetzt eine Trainingseinheit gibt, die nicht so optimal läuft, dann bleibt man gelassener als früher. Man muss allerdings aufpassen, dass man nicht abstumpft.

Ein Dauerthema ist der oft kolportierte Kampf um den Status der Nummer eins im Land. Wie wichtig ist dieser Status für Sie als Trainer?

Pahl: Für mich ist das ein Ammenmärchen. Wir sind nicht die Nummer eins im Land, auch wenn wir in der Tabelle mal vor dem 1. VfL stehen. Das ist nur eine Momentaufnahme, die strukturellen Unterschiede sind trotzdem da. Ich war vor Kurzem bei einer Schulung in Potsdam, da haben wir ein A-Jugend-Training gesehen: Ich hätte am liebsten drei Spieler sofort bei mir in die Mannschaft eingebaut. Angesichts der Rahmenumstände sind die Positionen klar verteilt.

Deutsch: Ich kann gut nachvollziehen, dass diese Frage für die Fans einen besonderen Reiz hat, aber für mich ist das zweitrangig: Entscheidend ist, dass wir uns als Mannschaft weiterentwickeln und eine für uns zufriedenstellende Saison spielen. Was würde uns das nützen, wenn wir in der Abschlusstabelle einen Platz besser als Oranienburg wären, aber eine Spielzeit absolvieren würden, die uns nicht befriedigt? Wenn der OHC die Saison als Zweiter abschließt, wäre es natürlich von besonderer Bedeutung, dass wäre dann ja gleichbedeutend mit dem Aufstieg (lacht).

Welche Ambitionen gibt es in Sachen Zweitliga-Aufstieg?

Deutsch: Mittelfristig haben wir dieses Ziel, das ist bekannt, kurzfristig – also in dieser Spielzeit – ist der Aufstieg für uns angesichts des personellen Umbruchs aus meiner Sicht aber nicht realisierbar.

Pahl: Für uns ist die zweite Bundesliga weder wirtschaftlich noch sportlich zu stemmen, mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Da müssten wir die Mannschaften mischen, dann hätten wir sicherlich eine konkurrenzfähige Mannschaft.

Gutes Stichwort: Welche Spieler beim Gegner beeindrucken Sie besonders?

Pahl: Die Mittelmänner, Matti Spengler und Yannick Münchberger, würden jeder Mannschaft der Liga gut zu Gesicht stehen.

Deutsch: Bei den Derbys haben mich die beiden Torhüter Ivan Szabo und Simon Herold beeindruckt.

Auf welche Spiele freuen Sie sich in dieser Saison besonders?

Pahl: Auf die Derbys natürlich, später wäre nur eben besser gewesen.

Deutsch: Das sehe ich genauso, die Duelle mit dem OHC gehören zu den ganz besonderen Spielen, egal zu welchem Zeitpunkt.

Von Lars Sittig

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