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Gianni Infantino: Der Druck auf den Fifa-Boss wird immer größer

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Immer mehr Nationalverbände entziehen Fifa-Boss Gianni Infantino öffentlich ihre Unterstützung für eine Wiederwahl. Zudem baut die Uefa eine Drohkulisse auf. Wird Infantino gestürzt? Lothar Matthäus , seines Zeichens immer noch Rekordnationalspieler Deutschlands, hat es mit seinen Worten so zusammengefasst: "Er hat für seine Pläne einen der falschesten Zeitpunkte ever gewählt", schrieb Matthäus in seiner Kolumne für den TV-Sender Sky. Gemeint war Fifa-Präsident Gianni Infantino. Der steht nach seiner Investoren-Idee unter Dauerfeuer – und in dem für ihn ungünstigsten Fall vor der Abwahl bei der nächsten Fifa-Wahl im Frühjahr 2027. Zum Hintergrund der ganzen Debatte: Infantino, der seit 2016 Fifa-Boss ist, wollte Anteile an den Premium-Produkten des Weltverbandes an private Investoren verkaufen. Geldgeber hätten rund 20 Prozent der Anteile an dem neu zu gründenden Tochterunternehmen Fifa Forward Enterprise (FFE) erwerben können, dessen Wert zunächst mit 20 Milliarden Dollar beziffert war. "Für mich gibt es kaum etwas Unsinnigeres als diese Idee. Jetzt hat er es übertrieben. Er ist schlecht beraten worden oder hat sich gar nicht beraten lassen", ergänzte Lothar Matthäus. Gegenwind wird stärker: Nächstes Land kündigt Nicht-Wahl von Gianni Infantino an Wirbel um angebliches Telefonat: Infantino sucht wohl Hilfe bei US-Regierung Die vergangenen Tage dürfte sich Gianni Infantino ob der aktuellen Turbulenzen ziemlich durchgeschüttelt gefühlt haben. Kuriose Geschichten gab es zuletzt jedenfalls genug. Am Montag berichtete die US-Zeitung "New York Post", der ein guter Draht ins Weiße Haus nachgesagt wird, dass Infantino wohl Hilfe und Unterstützung bei der US-Regierung suchen soll, um seine Wiederwahl im kommenden Jahr nicht zu gefährden. Das ging so weit, dass sich Dylan Johnson, ein Sprecher des Außenministeriums, genötigt sah, etwaige Kontaktaufnahmen ins Reich der Fabeln zu verweisen. Der Washington-Außenkorrespondent der britischen Zeitung "The Telegraph" aber meldete, dass Donald Trump die schwierige Lage seines Freundes Gianni Infantino bewusst sei. Der "Telegraph" zitiert eine dem US-Präsidenten nahe Quelle mit den Worten: "Gianni hat uns sehr dabei geholfen, die beste Weltmeisterschaft aller Zeiten auf die Beine zu stellen. Der Präsident schätzt ihn sehr. Ich bin mir sicher, dass der Präsident alles Mögliche tun wird, um ihm zu helfen." Inzwischen hat sich auch die Fifa in der Causa zu Wort gemeldet. "Der Fifa-Präsident hat in den vergangenen Tagen weder den Präsidenten der Vereinigten Staaten noch ein Mitglied seiner Regierung angerufen. Das ist frei erfunden", schrieb die Medienabteilung des Weltfußball-Dachverbands bei X. Wer da nun wirklich mit wem über was gesprochen hat, oder auch nicht, bleibt offen. Frei erfunden ist dagegen nicht, dass der Widerstand gegen Infantino immer größer wird. Sowohl aus den eigenen Reihen als auch und vor allem aus Europa. Fifa-Betriebsdirektor Kevin Lamour hatte dem 56-Jährigen vorgeworfen, den ganzen Verband mit seinem Investoren-Alleingang hintergangen zu haben. Ein hochrangiger Berater Infantinos, Carlos Cordeiro, trat aus Protest gegen die Pläne zurück. Was Infantinos Wiederwahl-Pläne angeht: Mit Wales, England, Serbien und Schweden haben inzwischen schon vier Verbände lautstark mitgeteilt, dass sie ihn nicht mehr unterstützen wollen. Die Schweiz will erst mit weiteren Verbänden eine Diskussion führen und dann entscheiden. Sie alle hatten – anders als der Deutsche Fußball-Bund (DFB) – ein Unterstützungsschreiben für die Wiederwahl von Gianni Infantino unterzeichnet und dieses nun widerrufen. Bei der letzten Wahl Infantinos 2023 hatte der DFB den Schweizer bereits nicht unterstützt. Wie es sich im März 2027 verhält, da hält man sich in Frankfurt am Main nach außen noch etwas bedeckt. Allerdings könnte das nicht unterschriebene Unterstützungsschreiben als ein klares Signal gewertet werden. DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig, der den Verband Ende des Jahres verlässt und von Per Mertesacker ersetzt wird, fand in einem Interview mit dem "Stern" dagegen zuletzt klare Worte, was das Verhältnis des DFB zu Infantino angeht: "Das ist aus meiner Sicht ein irreparabler Vertrauensverlust – und nicht nur zum DFB." Rettig nannte dafür nach der Affäre um den gescheiterten WM-Investorendeal zwei Gründe. Einerseits die "Art und Weise, wie diese Entscheidung herbeigeführt wurde – Stichwort stilles Kämmerlein – und die unlauteren Köder, die ausgeworfen wurden". Und andererseits "den Inhalt. Daran sieht man auch, dass Herr Infantino sich mittlerweile mit Menschen umgeben hat, die von außerhalb des Fußballs kommen." Uefa droht mit WM-Boykott: Das muss Infantinos Ende sein – ein Kommentar Abseits von Europa hatten sich rund um Infantinos Investorenpläne übrigens auch die Kontinentalverbände von Asien (AFC) und Nord-, Mittelamerika und der Karibik (Concacaf) kritisch geäußert. Ein einzigartiger Vorgang. Dennoch scharen sich hinter Infantino noch genügend Unterstützer. Mit Südamerika und Afrika sind das laut New York Times zwei große Verbände. Dazu sind fünf asiatische Länder – Kuwait, Katar, Sri Lanka , Bhutan und der Libanon inzwischen ausgeschert und sind wohl auch bereit, ihn wiederzuwählen. Mehr als 200 der 211 Fifa-Mitgliedsverbände sollen Infantino ihre Unterstützung zugesagt haben, hieß es noch vor Kurzem. Das war allerdings vor der krachend gescheiterten Investoren-Idee des Fifa-Präsidenten. Und nun? Vielleicht hat Infantino am Ende gar keine Chance mehr, erneut anzutreten. Denn dem SID (Sport Informations-Dienst) bestätigte die Uefa am Montag, dass "ein Schreiben zur Sicherstellung von Unterlagen" an Infantino verschickt worden sei, über das zunächst die britischen Medien "Telegraph" und "BBC" berichtet hatten. Quintessenz: Man erwäge unter anderem "aktive rechtliche Schritte" im Zusammenhang mit den von der Fifa ausgearbeiteten Plänen. Zudem warnte die Europäische Fußball-Union die Verantwortlichen im Weltverband explizit vor dem Vernichten von Dokumenten. Die Uefa bleibt ihrer robusten Linie gegenüber Infantino damit treu: Infantino soll weg – und das so schnell wie möglich. Das wäre wiederum durch ein Einberufen eines Fifa-Sonderkongresses möglich, wofür es die Stimmen von mindestens 43 Verbänden bräuchte. Die Uefa (55 Mitgliedsverbände) könnte diese Maßnahme im Alleingang herbeiführen. Allerdings: Um Infantino dann durch eine Art "Misstrauensvotum" abwählen zu können, bedürfte es zunächst einer Satzungsänderung. Und diese wiederum setzt eine Dreiviertelmehrheit voraus. Das wären 158 der insgesamt 211 Mitgliedsverbände. Heißt konkret: Das Votum der 96 Verbände der Concacaf (41) und der Uefa (55) allein würde nicht ausreichen. Soll Infantino gestürzt werden, müssten diese Verbände geschlossen auftreten und zugleich Nationen aus Regionen für sich gewinnen, in denen Infantino stärkeren Rückhalt genießt. Im Moment ein vielleicht gar nicht so unwahrscheinliches Szenario. Die Fußballwelt ist im Wandel – nicht ausgeschlossen, dass Gianni Infantino sein letztes Machtspiel verlieren wird.

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