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Aber bitte mit Bratwurst

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Die Dramaturgie dieses Spieltages will es, dass wir uns auf zahlreiche Ungewissheiten einstellen müssen. Das Mainzer Gastspiel an der Hennes-Weisweiler-Allee beendet den 30. Spieltag der Bundesligasaison 2025/2026, und bis dahin wird sich noch vieles ereignen, was auf das Spiel am Sonntag einen großen Einfluss haben wird. Alle Mannschaften unmittelbar vor der Borussia spielen gegen Mannschaften unmittelbar hinter der Borussia. Unter Umständen wird sich Borussia am Sonntag bei Spielbeginn in einem Limbo zwischen gesicherten und höchst abstiegsgefährdeten Mannschaften befinden, unter anderen Umständen aber auch inmitten eines panisch strampelnden Abstiegsmobs. Das führt zu dem seltsamen Gefühl, dass man eine Niederlage der Kölner bei ihren Freunden aus St. Pauli ausnahmsweise betrauern würde. Unabhängig davon wäre ein eigener Punktgewinn am Sonntag, mehr noch ein dreifacher solcher, elementar wichtig, will man nicht bis zum letzten Spieltag bibbernd auf die Ergebnisse der anderen schauen müssen.  

Genauso unsicher: Auf was für einen Gegner wird die Borussia am Sonntag treffen? Am gestrigen Abend wurden dem FSV Mainz 05 sehr klar die Grenzen aufgezeigt, obwohl die Mannschaft weiter in der Conference League kam als je eine deutsche Mannschaft zuvor. Gut, das relativiert sich etwas, wenn man weiß, dass abgesehen von der Eintracht aus Frankfurt die bisherigen deutschen Teilnehmer Union Berlin, 1. FC Köln und Heidenheim lauteten. Die drei letzteren sind ja ebenfalls noch im Abstiegskampf vertreten, obwohl die Gefahr bei Mainz 05 selbst eher theoretischer Natur ist.  
 
In welcher Verfassung wird Mainz denn nun im Borussia-Park einlaufen? Vor Wochenfrist hatten sie noch einen mehr als überzeugenden Sieg gegen den gestrigen Gegner eingefahren. Dominik Kohr hatte vor dem Rückspiel den Vorteil Mainzer Erfahrung hervorgehoben und “Männerfußball” gefordert. Man weiß nicht so ganz, welche Alternative in Dominik Kohrs im Kopf hatte, als er diesen Begriff wählte. Er versteht unter “Männerfußball” bekanntlich, gegen alles zu treten, was nach einem Bein aussieht und bei drei nicht auf dem Baum ist. Dass er einen solchen Begriff in der Woche wählt, in der erstmals eine Frau einen Bundesligaclub trainiert, na gut, es muss jeder selbst wissen. 

Gegen Racing Club Strasbourg zeigte Mainz bis auf ansehnliche zehn Minuten zu Beginn jedenfalls keinen Fußball, der einem Angst machen müsste. Und die Tatsache, dass Borussia auf Mainz am Ende zweier aufeinanderfolgender englischer Wochen trifft, ist auch sicher kein Nachteil. Wenn man sich die körperliche Verfasstheit der heimischen Elf in den letzten Spielen jedoch so anschaut, wird das aber wohl leider auch kein so ganz großer Vorteil sein. Blicken wir doch einmal auf das Mainzer Personal.  

Nadiem Amiri ist jemand, der bekanntlich äußerst gerne gegen Gladbach trifft, und der sich in dieser Saisonphase nach einer langen Verletzungszeit wegen einer Blessur mit dem schönen Namen Plantarfasziitis zurückmeldet. Gegen Straßburg kam er zu Beginn der zweiten Halbzeit und sah nach dem Abpfiff noch die rote Karte, als er einem äußerst unangenehm provozierenden Straßburger eine Kohrsche Verteidigungshandlung zuteil werden ließ. Diese Episode nach Spielschluss zeigte aber vor allem, wie sehr die Niederlage die Mainzer angegriffen hat. Besonders Trainer Urs Fischer ging hart mit seiner Mannschaft ins Gericht. Überfordert sei das Team gewesen, keine Antwort habe es gehabt, es habe sich auffressen lassen. Der Sonntag wird den Mainzern Gelegenheit geben, sich von einer besseren Seite zu zeigen. Amiri könnte, da die rote Karte in der Bundesliga ja keine Auswirkung hat, dabei als Startelfkandidat mitwirken, wenn Fischer glaubt, dass er dafür schon körperlich weit genug ist. Er kam am Donnerstag für den glücklosen Nelson “Nelly” Weiper in die Partie, der seinen Platz in der Startelf aber wohl an Sheraldo Becker abtreten wird. Amiri würde dann wohl Kawasaki ersetzen und neben Paul Nebel auflaufen. Nebel scheint sich wieder der Verfassung zu nähern, die ihn schon ins Trikot der Nationalmannschaft gebracht hat. Ergänzt durch Tietz ist das eine Offensive, die die Qualität hat, eine Gladbacher Hintermannschaft vor Probleme zu stellen. Hervorzuheben in der Mannschaft ist sicherlich Torhüter Batz, der es spät doch noch in die Bundesliga geschafft hat und der Defensive der 05  spürbar Sicherheit verliehen hat, seitdem er den verletzten Zentner im Mainzer Tor vertritt.  

Apropos Sicherheit, wir blicken zurück auf das letzte Spiel der Borussia: Ein klarer Fall für die Innenministerkonferenz ist die Stadionsicherheit am Standort Leipzig: Da ist scheinends am Einlass so ziemlich alles erlaubt. So musste man in der Leipziger Volkszeitung nachlesen, dass es dort offensichtlich durchaus Usus ist, mit schwerem technischen Hilfsgerät im Stadion zugegen zu sein. Mit Hinblick auf den vom Fanprojekt angekündigten Verzehrverzicht hieß es dort: "Wer am Samstag mit Teleobjektiv oder Fernglas ausgestattet seinen Blick Richtung Gästeblock schweifen ließ, sah zahlreiche Männer und Frauen mit Getränkebechern und Bratwurst in der Hand." Teleobjektive und Ferngläser? Das Ausspionieren unbescholtener Bürger bei der Ausübung von an sich harmlosen Freizeitaktivitäten scheint also immer noch eine ostdeutsche Spezialität zu sein. Der Trainer setzte ja auch bei der Gegnerbeobachtung auf Spionage und Landfriedensbruch, wie derselbe Artikel nicht ohne Stolz vermeldete.  

Ob übrigens wirklich eine signifikante Anzahl an Fällen eines Abstinenzboykotts beobachtet werden konnte oder die Spitzel und Gästeblockwarte nur eilfertig weil eben erhofft Dissidenz vermeldeten, lässt sich wohl nicht abschließend klären. Die Leipziger ließen es sich nicht nehmen, einen Umsatz in üblicher Höhe bei Heimspielen gegen Borussia Mönchengladbach zu vermelden. Kann aber natürlich sein, dass schon beim letzten Gastspiel von "zahlreiche(n) Männern und Frauen" auf fetischhaftes Wurstgefresse verzichtet wurde. Apropos, zahlreiche Frauen im Gästeblock, Dominik Kohr bekäme sicher Schnappatmung.  

Aber spielt ja auf der anderen Seite. Borussia, auch das noch eine Nachlese zum Spiel in Leipzig, wird weiterhin von Rocco Reitz als Kapitän aufs Feld geführt werden, das hat Eugen Polanski wenig überraschend noch einmal klargestellt. In Leipzig war auf Bannern festgehalten worden, dass jemand, der in einem als Werbevehikel gegründeten Konzernprodukt unter Verstoß gegen sämtliche Regularien des deutschen Vereinswesens seine Zukunft sieht, kein geeigneter Kapitän für einen Verein wie Borussia Mönchengladbach sei. Der Boulevard konstruierte daraus eine “Hassbotschaft”, was Polanski aber schon im Nachgang zum Spiel wohltuend unaufgeregt zu korrigieren wusste. In der Sache haben sich fast alle Beteiligten korrekt verhalten. Rocco Reitz darf seine Zukunft in einem anderen Fußball sehen und hat dem Verein eine ordentliche Ablöse ermöglicht. Die Ultras dürfen enttäuscht sein, dass sie sich in jemand getäuscht haben, von dem sie dachten, er wäre keiner der üblichen Profis, denen Fankultur und die Zukunft der Bundesliga in dem Moment, wo es um ihren eigenen Geldbeutel und Aussichten geht, völlig egal sind. Und sie dürfen das in dieser Form auch zum Ausdruck bringen. Und Polanski darf das letztlich ignorieren und in ihm weiterhin den Kapitän dieser Mannschaft sehen. Nur das Hetzblatt aus Berlin sollte natürlich nicht solche Unwahrheiten verbreiten, aber in dieser Hinsicht sind wir ja Kummer gewohnt. 

Alle Blessuren aus dem Leipzig-Spiel stellten sich zum Glück als nicht so schwerwiegend heraus, so dass Polanski mit der Rückkehr von Ngoumou und Hack in den Spieltagskader die Zahl der Optionen tatsächlich erhöht hat. Natürlich sind letztere noch keine Kandidaten für mehr als Kurzeinsätze. Im Tor darf Nicolas der Welt zeigen, dass er besser ist als Manuel Neuer, indem er im Spiel nach einer Weltklasseleistung mindestens eine Minute verstreichen lässt, bevor er einen tödlichen weil gegentorbringenden Pass zum Gegner spielt. Gehen wir davon aus, dass Polanski es bei einer Dreier-Innenverteidigung belässt, könnten Sander, Diks und Elvedi diese bilden, flankiert von Castrop und Scally. Sicher im Mittelfeld gesetzt sind Reitz und Engelhardt, dann aber jedoch bietet sich Polanski die Qual der Wahl. Er könnte dem nach seiner Einwechslung vergangene Woche ordentlich agierenden Bolin mal wieder eine Chance von Anfang an geben. Franck Honorat aber bleibt ein Rätsel. Wenn er wirklich “eine neue Herausforderung suchen möchte”, täte er sich und Borussia einen Gefallen, er würde potentielle neue Arbeitgeber für eine Verpflichtung begeistern, statt sie wie in den letzten Spielen eher abzuschrecken. Eigentlich spricht wenig dafür, dass er erneut beginnen darf, aber er wird es vermutlich tun. Varianten mit Stöger oder Moyat sind natürlich auch denkbar. Trotz eines gelinde gesagt unglücklichen Auftritts in Leipzig wird Tabakovic wohl erste Wahl sein, weil ein Kleindienst-Comeback nicht einmal in ferner Sicht ist und Machino beim letzten Heimspiel auch nicht besser agierte. Überhaupt Kleindienst: Auf dem Platz erleben wird man ihn wohl nur noch, sollte es zu Spielen um die goldene Ananas kommen und man Raum im Kader für Kurzeinsätzchen haben. 

Damit aber Südfrüchtespiele Wirklichkeit werden, wären wie gesagt drei Punkte am Sonntag sehr sicher nötig. Auf einen angeschlagenen Gegner zu treffen kann ein Vorteil sein. Borussia muss dann aber auch noch in der Lage sein, diesen zu nutzen.  Also, wie optimistisch ist die Seitenwahl-Redaktion?

So tippt Seitenwahl

Claus-Dieter Mayer: "Mainz ist im Sinkflug und wird von einer überraschend gut aufgelegten Borussia mit 3:0 besiegt."

Christian Spoo: "Mainz hat das geschafft, was Borussia gerne erreicht hätte: Mit einem neuen Trainer verschüttete Qualitäten heben und stabil in ruhigeres Fahrwasser kommen. Auch wenn der Stachel des Europa-Ausscheidens wehtut, gewinnt der Favorit mit 2:1 in Gladbach."

Michael Heinen: "Borussia hamstert sich Richtung Klassenerhalt. Durch das 1:1 gegen Mainz bleibt der Vorsprung auf die Abstiegsplätze gewahrt."

Michael Oehm: "Dominik Kohr tritt einen frisch genesenen Spieler direkt wieder in die Reha, sieht dafür die rote Karte und Borussia erhechelt sich spät ein 1:0." 

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