Fußball
News melden
Nachrichten

Collien Fernandes: Sport-Moderatorin Werner fordert Fußball-Reaktion

0 2
Große Teile der Gesellschaft haben sich ob des Falls Collien Fernandes empört gezeigt, im Fußball aber hält sich der Aufschrei in Grenzen. Meira Werner erklärt, warum das problematisch ist. Seit Tagen bewegt der Fall Collien Fernandes die Gesellschaft. Die Moderatorin und Schauspielerin hatte zunächst im "Spiegel" schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben und bestimmte Vorhaltungen eidesstattlich versichert. Anschließend äußerte sie sich auch auf ihrem Instagram-Account. Demzufolge soll Ulmen über Jahre hinweg digital gefälschtes sexuelles Bildmaterial von ihr im Netz verbreitet haben. Aus ihrer eidesstattlichen Erklärung geht auch hervor, dass er gegenüber Hunderten von Männern im Netz ihre Identität angenommen und diesen Männern in ihrem Namen sexuelle Avancen gemacht haben soll. Fernandes sprach unter anderem von "digitaler Vergewaltigung". Christian Ulmen selbst schweigt bisher zu den Vorwürfen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Sein Rechtsbeistand, der Promi-Anwalt Christian Schertz, nennt die Veröffentlichungen des "Spiegel" in einer presserechtlichen Information "unwahre Tatsachen aufgrund einseitiger Schilderung". Weitere Details zu den Vorwürfen lesen Sie hier . Während der Fall in vielen Teilen der Gesellschaft Solidaritätsbekundungen nach sich gezogen hat, folgten aus dem Fußball nur wenige Reaktionen. Meira Werner, Content-Creatorin im Bereich Fußball und als Sportmoderatorin unter anderem für das ZDF im Einsatz, erkennt darin ein Problem. Im Gespräch mit t-online erklärt sie, warum sich die Fußballwelt positionieren muss und welchen Wandel es nun braucht. t-online: Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie die Aussagen von Collien Fernandes gelesen haben? Meira Werner: Ich dachte mir: krass, dass es mich nicht schockiert. Das klingt hart, aber nach all den Dingen, die sich Männer, auch im Fußball, in den letzten Jahren erlaubt haben, falle ich nicht mehr aus allen Wolken. Ich habe zudem ein Bedauern empfunden, dass Collien erst jetzt den Mut fassen konnte, dass sie sich erst jetzt von der Gesellschaft in Schutz genommen fühlt, um darüber zu sprechen. Wir müssen noch viel machen, damit sich Frauen sicherer fühlen. Wie haben Sie die öffentlichen Reaktionen wahrgenommen? Ähnliche Themen wurden in der Vergangenheit nicht laut, weil sich niemand eine Stellungnahme dazu getraut hat. Es wurde auf laufende Verfahren verwiesen. Das ist diesmal anders, es wurde laut. Viele starke Frauen haben sich geäußert. Und Männer? Viele Männer der Branche haben direkt Stellung bezogen, sich an Colliens Seite gestellt. Einige wurden aber auch das erste Mal mit ihrer Rolle und mit ihrer Aufgabe in einer solchen Situation konfrontiert. Das ist manchen besser gelungen als anderen. Wie meinen Sie das? Männer zwischen 40 und 60 Jahren haben ihren kompletten Gedankenprozess aufgeschrieben, nachdem sie offenbar zum ersten Mal damit in Berührung gekommen sind. Schämen die sich nicht, erst in dem Alter über solche Themen nachzudenken? Und hätten die sich auch geäußert, wenn der öffentliche Druck momentan nicht da wäre? Grundlegend sollten sich Männer aber auch positionieren? Ich kann nachvollziehen, dass es als Mann schwer ist, sich dazu zu äußern. Es könnte immer wie eine Alibi-Äußerung anmuten oder mit der Einordnung enden, dass es in dem Moment überhaupt nicht um dich geht. Viel wichtiger als ein Post auf Instagram ist es, in seinem persönlichen Umfeld aktiv das umzusetzen, was man ankündigt. Wie nehmen Sie die Reaktion der Fußballwelt wahr? Mit Lena Cassel ist eine Frau in den Vordergrund gesprungen. Insgesamt wird in der Branche aber viel zu wenig der Mund aufgemacht. Derartige Themen kommen im Fußball immer wieder auf – und es wird immer wieder geschwiegen. So kann es nicht weitergehen. Welche Fälle haben Sie dabei noch im Sinn? Boateng, Kuntz, Christoph Metzelder – die Liste ist noch viel länger. Und das sind nur die Fälle, von denen wir öffentlich wissen. Warum ist im Falle einer Moderatorin und eines Schauspielers auch ein Aufschrei in einer anderen Branche angebracht? Am Ende ist es nur eine andere Überschrift: Fußball, Moderation oder Schauspiel. Das Thema bleibt dasselbe, weil es sich um eine von Männern dominierte Domäne handelt. Als Frau bist du davon abhängig, welche Jobs Männer dir geben. Du spielst nur dann eine Hauptrolle, wenn Männer es billigen. Es sind Zeichen eines Machtgefälles. Wenn sich eine Frau in diesen Branchen negativ gegenüber einem Mann äußert, gibt es oft dieselben Reaktionen: Männer solidarisieren sich mit anderen Männern. Männer suchen die Bestätigung von anderen Männern so sehr, dass es fast schon peinlich ist. Vereine, Verbände, Spieler oder Trainer – von wem erwarten Sie nun vor allem eine Reaktion? Von Sportdirektoren erwarte ich, dass sie solche Täter nicht mehr anstellen. Sie dürfen in der öffentlichen Welt keinen Job mehr bekommen. Da sehe ich auch keine zweite Chance, weil wir von verletzten Menschenrechten reden. Das sind in der Regel auch Menschen, die schon genug Geld verdient haben und mit Mitte 40 dann nicht auf der Straße landen würden. Es passiert aber immer nur auf öffentlichen Druck hin. Bei Boateng mussten die Fans erst laut protestieren, ehe die Bayern klein beigegeben haben. Und welche Reaktion erwarten Sie aus dem Fußball in der Personalie Christian Ulmen? Es wäre super, wenn der Fall nicht nur auf Social Media , sondern auch in den Köpfen etwas anregen würde. Ich wünsche mir eine nachhaltige Veränderung. Es geht also weniger um Social-Media-Posts als vielmehr um Kampagnen? Das kann man nicht mit einer einzelnen Kampagne ändern, wirklich neutrale Ansprechpartner in den Vereinen könnten aber ein Ansatz sein. Männer müssen Vorbilder für andere Männer sein und solches Verhalten outcallen. Es müssen einige vorangehen und anderen Männern ein positives Beispiel sein. Denn gewisse Männer respektieren keine Frauen, sie respektieren nur andere Männer. Ulmen ist Hertha-Fan, aus dem Verein sind einst Spieler und Verantwortliche in seiner Show aufgetreten. Muss sich der Klub distanzieren? Ich sehe den Verein in der Verantwortung, alles andere wäre Quatsch. Der Klub sollte Inhalte zu den Auftritten von Spielern und Verantwortlichen von seiner Website nehmen.

Comments

Комментарии для сайта Cackle
Загрузка...

More news:

Read on Sportsweek.org:

Andere Sportarten

Sponsored