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Wie es geht

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„Eigentlich muss die Mannschaft ab heute in jedem Spiel ans Limit gehen, um irgendwie die Punkte zu sammeln und die Klasse zu halten.“ Das sagte vor dem Spiel der SEITENWAHL-Autor im Interview bei DAZN. Als Fanmedium waren wir nach unserer Meinung zur Lage der Borussia gefragt worden. „Wie ernst ist die Lage“ (ernst), „Woran haddet jelejen“ bisher (Vereinsstruktur und Virkus‘ verbauter Kader), sollte Borussia noch einmal den Trainer wechseln (eher nein).

Warum nun das Selbstzitat als Einstieg? Weil das Spiel gegen Union Berlin der Beleg für die geäußerte Behauptung war. Tatsächlich zeigte Borussia an diesem Nachmittag vieles, was zuletzt gefehlt hatte. Jeder Spieler machte wirklich alle nötigen Meter, kein Ball wurde verloren gegeben, der Gegner wurde aggressiv attackiert, die Defensive stand kompakt, das Team suchte stets den Weg nach vorne, die Körpersprache stimmte. 

Das Publikum im Borussia-Park nahm das Dargebotene mit großer Dankbarkeit auf und stellte sich lautstark und geschlossen hinter die Mannschaft. Auch auf den Rängen, auf denen es sonst nur Stimmung gibt, wenn einer mit Getränken für die Jungs vom Bierstand zurückkommt, wurde gesungen, geklatscht und angefeuert.

Das ist die positive Geschichte dieses Spiels, das Borussia mit Willen, Geduld und Glück zu einem positiven Ende brachte. Die andere Sichtweise allerdings ist weniger erbaulich: Selbst wenn die Mannschaft wirklich alles auf den Platz bringt, was sie zu leisten imstande ist, reicht es nur mit einer Extraportion Dusel zu einem Sieg gegen einen an diesem Tag wirklich nicht starken Gegner.

Die Spielweise von Union Berlin kam Borussia im Grunde genommen sehr entgegen. Als erster Gegner seit Menschengedenken machten die Ostdeutschen nicht das, was Borussia nachweislich immer aus dem Konzept bringt und die Defensive regelmäßig leicht panisch werden lässt. Berlin presste nicht, Borussia wurde am eigenen Strafraum, ja in der eigenen Hälfte nicht angelaufen. Es waren Platz und Zeit da, sich zu überlegen, wie man das Spiel aufbauen und den Ball in die Nähe des Berliner Strafraums bringen kann. Wirklich gefährlich war das Team von Eugen Polanski aber trotz alledem nur selten.

Es gibt kaum Grund, an der Leistung der Gladbacher Mannschaft irgendetwas zu bemängeln. Moritz Nicolas hatte fast nichts zu tun, strahlte aber zu jedem Zeitpunkt Ruhe und Sicherheit aus. Philipp Sander, Nico Elvedi und Kevin Diks gewannen fast alle ihre Zweikämpfe, alle drei schalteten sich regelmäßig ins Spiel nach vorne ein. Sander holte sich viele Bälle beim Gegner ab, bevor der auch nur annähernd in die Nähe des Strafraums kam. Diks hatte Torszenen – ein Kopfball aus kurzer Distanz übers Tor, der wegen einer vorherigen Abseitsstellung nicht gegebene Treffer. Die Schienenspieler Scally und Castrop waren im Vergleich zu ihren letzten Einsätzen nicht wiederzuerkennen. Rocco Reitz hielt das Spiel zusammen und trieb es an, Yannik Engelhardt unterband das Berliner Aufbauspiel effizient. Wael Mohya war die erhoffte Frischzellenkur, oft nur durch Fouls zu stoppen und mit der erhofften Unbekümmertheit unterwegs.

Alles top, und trotzdem stand es nach 90 Minuten 0:0, trotzdem war die Zahl der Großchancen überschaubar. Die letzte Konsequenz, der Mut vor dem gegnerischen Tor, daran hakte es nach wie vor. So waren dann auch die einzigen Spieler, die etwas abfielen, diejenigen, die in der Regel für die Torproduktion verantwortlich sind. Franck Honorat war bemüht und auch oft am Ball, den Aktionen des Franzosen fehlt aber zurzeit jede Selbstverständlichkeit. Seine Hereingaben waren meist unpräzise, sein Timing beim Abspiel stimmte häufig nicht. In einigen Szenen haderte Honorat sichtlich mit sich selbst. Haris Tabakovic wurde oft gesucht, aber selten gefunden. Es flogen durchaus viele Bälle in den Berliner Strafraum, offenbar den Anweisungen von Eugen Polanski folgend. Allein diese Bälle kamen nicht bei Tabakovic an. Seine Versuche, mitzukombinieren, Bälle abzuschirmen oder zu sichern, waren aller Ehren wert – nur leider reichen seine Skills nicht, um solche Dinge auf hohem Niveau erfolgreich zu tun.

Kurzum: Die Lage bleibt prekär. Durch die Siege von Werder Bremen und St. Pauli sowie den Punktgewinn von Mainz in Leverkusen hat sich im Grunde genommen nichts zum Guten verändert. Die drei Punkte waren dringend nötig. Hätte es nicht in der 92. Minute den berechtigten Elfmeter gegeben und hätte Kevin Diks nicht Nerven aus Stahl bewiesen (nachdem er sich den Ball vom ebenso schusslustigen Rocco Reitz zurückgeholt hatte), wir würden an dieser Stelle etwas vom „borussischen“ Ausgang des Spieles schreiben und wären dem Abgrund einen guten Schritt näher gekommen.

Für die kommenden Spiele – weniger das bei den Bayern, aber definitiv die gegen St. Pauli, in Köln und gegen Heidenheim – gilt der Satz vom Anfang: Wie gegen Union müssen alle, wirklich alle, 90 Minuten plus x an ihre Grenzen gehen. Passiert das nicht, ist das Team nicht bundesligatauglich. Kriegt die Mannschaft das hin, gebührt ihr bis zum 34. Spieltag alle Unterstützung der Welt.

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