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Skybar, Nachbarn und Co.: Bernabéu-Erfolgsstory noch unvollständig

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Die noch immer geschlossene Skybar (l.) ist nur eines von vielen noch ungelösten Problemen im umgebauten Bernabéu – Fotos: skybarbernabeu.com, REAL TOTAL, realmadrid.com

Skybar als Kronjuwel: Real rechnete mit 15 Millionen Jahresumsatz

Das Estadio Santiago Bernabéu hat im Zuge des mehr oder weniger abgeschlossenen Umbaus neben neuen VIP-Boxen auch einen besonders großen und alles andere als üblichen VIP-Bereich erhalten: die Skybar, die sich auf der Westseite des Stadions von Real Madrid befindet – über der Tribüne, unter dem Dach, 700 Quadratmeter groß, zwei Terrassen mit jeweils 250 Quadratmetern und 200 Luxussitzen. Die exklusive Einrichtung verfügt über verschiedene Bereiche: Hier eine Bar mit Hockern, dort Tische zum Speisen, an anderer Stelle wiederum Sitzplatzgelegenheiten im Club-Ambiente – alles natürlich mit Blick auf das Spielfeld und das ganze Stadion in extravaganter Einrichtung.

Hierzu schloss Real Madrid 2023 mit der Firma Anastia Gourmet Hostelería einen Pachtvertrag für den VIP-Raum ab. Die Vereinbarung gab den Startschuss für einen Bereich, für den der Klub einen Jahresumsatz von mehr als 15 Millionen Euro prognostiziert hatte – eine der ehrgeizigsten Investitionen im Rahmen der Stadionmodernisierung. Real Madrids Auftrag war klar: Die Loge musste vor Saisonende 2023/24 betriebsbereit sein, wobei die Taylor-Swift-Konzerte (29. und 30. Mai 2024) das erste Großereignis sein sollten, das in der Skybar ausgerichtet werden sollte. Seitdem sind jedoch beinahe zwei Jahre vergangen und die Superbox ist weiterhin geschlossen.

Betreiber insolvent – über fünf Millionen Schulden

Anastia, der Pächter, hat nicht nur gegenüber dem Verein einen eklatanten Vertragsbruch begangen, indem es die geplanten und zugesicherten Eröffnungsfristen nicht eingehalten hat, sondern war auch sehr schnell hochverschuldet. So hat die Unternehmensgruppe Schulden in Höhe von über fünf Millionen Euro bei verschiedenen Lieferanten und Firmen, die mit der Ausführung der Arbeiten an der Skybar beauftragt waren, wie REAL TOTAL noch im November 2024 berichtete.

Zwar hatte Real Madrid noch 2024 den Pachtvertrag gekündigt, woraufhin Anastia vor Gericht zog, doch seitdem zieht sich der juristische Prozess – immer noch ohne konkrete Ergebnisse und Urteile. Nun wurde Anastia Gourmet Hostelería vom Handelsgericht Nr. 5 in Madrid im Rahmen des ordentlichen Insolvenzverfahrens 419/2025 allerdings offiziell für zahlungsunfähig erklärt, nachdem DIAGEO, ein britischer Getränkegigant und einer der Gläubiger das Verfahren beantragt hatte. Der zuständige Richter wies in seiner Entscheidung vom 19. Dezember 2025 darauf hin, dass die Schulden des Unternehmens fünf Millionen Euro übersteigen und eine Vielzahl von Gläubigern betreffen. Darüber hinaus weist er auf „eine allgemeine Nichterfüllung von Zahlungsverpflichtungen” hin, da unter anderem Zahlungen an den Vermieter der Räumlichkeiten, an DIAGEO und weitere Lieferanten und an die Steuerbehörde ausstehen. Bei Letzterer belaufen sich die Schulden auf über 250.000 Euro, sodass die Erklärung der Insolvenz erforderlich sei. Der Stand und die künftigen Entscheidungen des Insolvenzverfahrens werden im öffentlichen Insolvenzregister veröffentlicht.

Real nicht nur Opfer, sondern auch verantwortlich

Für Real Madrid könnte die Insolvenz die Lösung für die festgefahrene Situation sein, denn nun sind die Chancen, dass die Vertragskündigung der Königlichen an Anastia aus dem Jahr 2024 auch juristisch Bestand hat, deutlich gestiegen. Einerseits ist der spanische Rekordmeister hier eines der Hauptopfer eines mutmaßlichen Betrugs geworden, denn von Anfang an baute Anastia scheinbar auf das Prestige und die Strahlkraft von Real Madrid, um Vertrauen bei den Lieferanten, globalen Brands und Fachleuten zu gewinnen, die an dem Projekt beteiligt waren. So sollen Lieferanten, die auf die schnelle Eröffnung der Räumlichkeiten und den Ruf des Vereins vertrauten, große Geldsummen vorgestreckt, und zahlreiche Marken und Unternehmen Vorauszahlungen geleistet haben, um Präsenz in den Räumlichkeiten und in der Umgebung zu erhalten. Allerdings nutzte der Pächter, der gemäß der Vereinbarung mit den Königlichen allein für die Projektleitung zuständig war, diese Mittel wohl nicht zur Deckung der Arbeitskosten.

Auf der anderen Seite ist der Hauptstadtklub an der Misere auch nicht ganz schuldlos, denn obwohl sich Unternehmen und Restaurantgruppen mit anerkanntem Ruf in der Branche an der Skybar-Ausschreibung beteiligt hatten, beschloss Real Madrid 2023, die Konzession an Anastia zu vergeben, ein neu gegründetes Unternehmen mit einem Stammkapital von knapp 3.000 Euro und ohne jegliche Referenzen in der Branche. Dem Vernehmen nach wurde die Entscheidung von einer Person getroffen, die Vereinspräsident Florentino Pérez nahesteht, obwohl es innerhalb der Vereinsspitze große Vorbehalte gegeben haben soll. Am Ende ist das Wagnis aus Sicht des Klubs überhaupt nicht gut ausgegangen, denn neben dem bereits entstandenen Imageschaden sind den Königlichen allein in den vergangenen 20 Monaten geschätzte 25 Millionen Euro Einnahmen entgangen – Tendenz steigend. Angesichts des boomenden Geschäfts mit allen vorhandenen Gastronomie- und VIP-Betrieben im Bernabéu ist die Dunkelziffer vermutlich sogar noch höher.

Konzertstreit geht weiter

Die Skybar ist bei Weitem nicht die einzige noch offene Baustelle am Bernabéu, denn auch in Sachen Konzerte, die seit dem Sommer 2024 aufgrund von Klagen von Nachbarschaftsinitiativen nicht mehr stattfinden, geht es in die juristische Verlängerung. Der Oberste Gerichtshof von Madrid (TSJM) hat nämlich der Berufung der Nachbarschaftsvereinigung der vom Bernabéu-Lärm Betroffenen stattgegeben und die gerichtliche Entscheidung aufgehoben, mit der deren Einspruch gegen die Durchführung von Konzerten im Estadio Santiago Bernabéu der Hauptstadt zurückgewiesen worden war. Die Entscheidung, gegen die kein Rechtsmittel eingelegt werden kann, reaktiviert dieses zuvor abgelehnte Verfahren, in dem die Anwohner von der Stadtverwaltung Madrid forderten, solche Aktivitäten auf dem Gelände zu unterbinden. Damit geht der Fall zurück an die Justiz, und das Verwaltungsgerichtsverfahren muss in den kommenden Monaten stattfinden. Heißt aus Real-Sicht: Weiterhin keine Konzerte möglich, auch wenn der Klub beispielsweise für den Lärmschutz schon Glasscheiben installiert hat.

Anwohner verhindern auch Parkhäuser

Während es bei Konzerten in erster Linie um Image und Prestige geht, denn finanziell kann Real auf die Einnahmen, die man sich mit den Künstlern und Veranstaltern ohnehin teilen muss (auch deswegen finden oft Firmenevents im Bernabéu statt), durchaus verzichten, trifft eine andere juristische Niederlage die Königlichen durchaus härter. Im Oktober 2025 gab nämlich der TSJM den Anwohnern des Stadions in ihrem Rechtsstreit gegen den (Tief-)Bau der beiden Parkhäuser Recht, die Real Madrid nach dem Gewinn einer öffentlichen Ausschreibung der Stadtverwaltung der spanischen  Hauptstadt bauen wollte. Damit wurden ein früheres Urteil des Verwaltungsgerichts von Madrid bestätigt und die Berufungen des Vereins und der Stadtverwaltung zurückgewiesen.

In der Urteilsverkündung wurden insgesamt vier wesentliche Gründe genannt und erläutert: Nicht nur, dass die wirtschaftliche und finanzielle Machbarkeitsstudie nicht öffentlich angehört wurde, nachdem das Projekt „wesentliche Änderungen” erfahren habe, die den Wert der Investition um 40 Prozent gegenüber dem ursprünglich von der Stadtverwaltung genehmigten Betrag erhöhten,  die Parkplätze seien außerdem mit dem Sonderplan für die Umgebung des Stadions unvereinbar. Zudem argumentiert das Urteil, dass der 650 Meter lange Tunnel, der im Projekt für den Zugang zu den Tiefgaragen vorgesehen ist, nicht im öffentlichen Interesse liege und dass Real Madrid ihn „zu seinem eigenen Vorteil geplant” habe. Außerdem habe die Stadtverwaltung zu keinem Zeitpunkt Ergebnisse vorgelegt, die die Notwendigkeit des Baus der Parkplätze an dieser Stelle rechtfertigen würden.

Beleuchtung und Schriftzug in der Warteschleife

Während die hier im Text aufgeführten und beschriebenen Probleme aufgrund von öffentlichen Gerichtsurteilen bekannt sind, hüllt sich Real Madrid bei einem anderen Bernabéu-Großprojekt beharrlich in Schweigen. Nachdem im Sommer 2025 nämlich ein Partner gefunden wurde, die das Illuminationsprojekt der Außenfassade des Real-Stadions durchführen soll, schritt das Projekt in großen Schritten voran. So gab es schon im Herbst die ersten erfolgreichen Tests, aber auch um den Jahreswechsel herum, während im Bernabéu ein riesiger Weihnachtsmarkt veranstaltet wurde, leuchtete die Aluminiumhülle an mehreren Abenden in verschiedenen Farben. Wann genau das Projekt abgenommen und inklusive Video-Mapping, mit dem Licht, Bild und Bewegung projiziert werden sollen, in Betrieb genommen wird, ist weiterhin unklar.

Ebenso wenig bekannt ist, wann endlich der Schriftzug Bernabéu an die Außenfassade angebracht wird. Auch hier hatte es schon die vermeintlich ersten Schritte gegeben, denn ebenfalls im Herbst wurde der Buchstabe B über Nacht an die Westseite der Aluminiumhülle angebracht, anschließend mit weißem Tuch verhüllt, um wenige Tage später wieder zu verschwinden. Ob es dabei und bei der Beleuchtung auch Probleme gibt oder der Klub einfach auf den passenden Zeitpunkt – schöneres Wetter oder einen Champions-League-K.o.-Kracher beispielsweise – wartet, ist ungewiss. Denn Real Madrid kommuniziert in all diesen Angelegenheiten bekanntlich ungern respektive gar nicht. Auch deswegen kann der 2019 begonnene und mittlerweile 1,3 Milliarden Euro teure Umbau noch immer nicht als fertig bezeichnet werden, zumal auch dann noch im Umfeld des Bernabéus die Renovierung der Straßen und der Ausbau der U-Bahn-Station anstehen.

Der Beitrag Skybar, Nachbarn und Co.: Bernabéu-Erfolgsstory noch unvollständig erschien zuerst auf REAL TOTAL.

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