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Rhein-Neckar: SPD hofft auf 20 Prozent der Wählerstimmen

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		Rhein-Neckar:  SPD hofft auf 20 Prozent der Wählerstimmen

Von Sören S. Sgries

Leimen. Frühschoppen an einem Dienstagmorgen? Mitten in den Sommerferien? Nein, nach einer massentauglichen Veranstaltung klingt es nicht, was sich Lars Castellucci da als Wahlkampfauftakt ausgedacht hat. Tatsächlich sind zwar rund 40 Gäste gekommen, um den SPD-Bundestagsabgeordneten und seinen Gast, SPD-Landeschef Andreas Stoch, zu treffen.

Allerdings: Die meisten hier haben das SPD-Parteibuch längst in der Tasche, waren Abgeordnete wie Gert Weißkirchen, sind Kreisvorsitzende wie Andrea Schröder-Ritzrau oder leiten zumindest einen Ortsverband wie der Sandhäuser Thorsten Krämer. Neue Wählerstimmen, das wird schnell klar, werden hier nicht in Massen gewonnen werden. Leimens Oberbürgermeister Hans D. Reinwald (CDU), der später dazustößt, wird sich vermutlich auch nicht abwerben lassen.

Immerhin, die Stimmung ist gut an diesem Vormittag im Weingut Müller am Rande Leimens. Zuallererst bei den Gastgebern, Matthias und Natalie Müller, was aber einen gänzlich unpolitischen Grund hat: Sie dürfen rote Rosen zur Silberhochzeit entgegennehmen. Aber auch die versammelten Genossen blasen kein Trübsal – und das ist dann doch etwas überraschend. Die Landtagswahl, erst rund fünf Monate her, bescherte schließlich das historisch schlechte Ergebnis von 11,0 Prozent (-1,7). Und auch die aktuellen Umfragewerte im Bund waren zuletzt nicht wirklich prickelnd.

Dennoch: "So ein bisschen dreht sich da was", formuliert zunächst Lars Castellucci die große Hoffnung der Sozialdemokraten. "Ganz entscheidend wird sein, wem die Leute wirklich zutrauen, das Amt des Bundeskanzlers wirklich auszufüllen", gibt Castellucci die aktuelle Wahlkampflinie vor, auf die SPD-Landeschef Andreas Stoch gerne einschert. Schon vor einem Jahr, als am 10. August 2020 Olaf Scholz als Kanzlerkandidat nominiert wurde, sei er davon überzeugt gewesen, dass der Hanseat genau der Richtige sei, so Stoch. Das habe sich bewahrheitet. "Leute wie Olaf Scholz haben Deutschland durch diese Krise geführt", sagt er. "Wer möchte, dass Olaf Scholz Kanzler wird, der muss beide Kreuze bei der SPD machen."

Es bleibt das große Dilemma der Sozialdemokraten: Ihr Kanzlerkandidat, dem viele besonders der Jüngeren einst eher ablehnend gegenüber standen, der gar als Kandidat für den Parteivorsitz scheiterte, gilt jetzt als der große Trumpf.

Beliebter ist Scholz als die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, die nach kurzem Hype über ihre eigenen Fehler stolperte – manch einer hat da noch SPD-Spitzenleute wie Martin Schulz oder Peer Steinbrück vor Augen, die ebenfalls unsanft Schiffbruch erlitten. Beliebter auch als CDU-Kandidat Armin Laschet, der nach unglücklichen Auftritten im Hochwassergebiet jetzt versucht, doch noch als "Macher" Tritt zu fassen. Was aber nichts daran ändert, dass die SPD in den Umfragen zu lange stagnierte. Auf niedrigstem Niveau. Bis auf 13, 14 Prozent ging es zwischenzeitlich runter.

Aktuelles Ziel, dennoch: "Mindestens vor die Grünen und gut über 20 Prozent", sagt Castellucci. "Unser Anspruch muss sein, dass wir mindestens so viel Abgeordnete wie letztes Mal in den Bundestag bringen", kommt von Stoch. 16 aus dem Südwesten waren es bei der Wahl 2017, bei einem bundesweiten Wahlergebnis von 20,5 Prozent. Castellucci könnte auch bei einem schlechteren Abschneiden auf den Wiedereinzug hoffen: Er steht auf Platz 10 der Landesliste.

Dass der SPD-Finanzminister "ziehen" könnte – das wird auch im Gespräch mit den Gastgebern klar. Leonard Müller, der Junior, führt nicht nur redselig und erklärfreudig durchs Leimener Traditionsweingut, er lässt auch ein paar politische Einschätzungen anklingen. "Mama sagt immer, wir sind eine Groko-Familie: Ich bin schwarz, die Oma rot", verrät er. "Wobei: Olaf Scholz gefällt mir schon gut." Dessen Auftritt im Hochwassergebiet, mit "Schaffer-Schuhen", mit "Schaffer-Hose" – das hat offenbar Eindruck gemacht.

Zu gerne hätte man da die persönliche Begegnung mit Armin Laschet, dem Kanzlerkandidaten der CDU, erlebt. Ursprünglich geplant gewesen war dessen Auftritt im Leimener Weingut fünf Tage zuvor. Kurzfristig wurde er abgesagt: Das Katastrophenmanagement sei wichtiger als Wahlkampf, so die Begründung.

Die politische Konkurrenz und das Klima – das sind auch zwei der Großthemen, die unter den Genossen auf den Bierbänken diskutiert werden. "Wir müssen uns jeglicher Häme enthalten, auch den Grünen gegenüber", warnt Wilhelm Krämer, das über-80-jährige Partei-Urgestein. Klimaschutz sei aber auch für die SPD ein ganz zentrales Thema. Man müsse mit der gleichen Intensität für Klimaschutz wie für Arbeitsplätze streiten – "das ist in der ganzen Partei noch nicht verinnerlicht". Letztlich sei es ja auch wirtschaftlich sinnvoller, vorzusorgen, als hinterher, wie im Hochwassergebiet, Milliarden in die Schadensbehebung zu stecken.

"Wilhelm, es muss aber auch vor Ort etwas passieren", entgegnet Andrea Schröder-Ritzrau, die Kreisvorsitzende. Ein Erfolg, den sie auch ihrer Arbeit im Walldorfer Gemeinderat zurechnet: dass die dortigen Busse kostenlos zu nutzen seien. Man dürfe ja nicht glauben, es brauche sich nur jeder ein E-Auto zu kaufen, und dann werde alles gut. "Das stimmt nicht."

Vielleicht sind das die Positionen, die bei Emmanouil Anastasakis gut ankommen – auch wenn er das Gespräch der beiden Sozialdemokraten nicht mitbekommt. Er sitzt mehrere Biertische weiter, ein "Erstwähler". Im April wurde er 18. Warum es ihn zur SPD zieht? "Man will viel tun, aber es ist nicht so radikal wie bei den Grünen", sagt er mit Blick auf die Info-Flyer vor ihm auf dem Tisch. Und dann sei da noch die lange Geschichte der Partei. Davon habe er im Unterricht gehört, von Otto Wels, der mit seiner Fraktion in den 1930ern "das letzte Bollwerk gegen die NSDAP" gewesen sei.

Castellucci nickt zustimmend. "Unsere Geschichte ist schon toll, jetzt müssen wir nur sehen, dass wir eine gute Zukunft haben." Er jedenfalls zeigt sich zuversichtlich: "Ich glaube, wir können da im September die Ernte auch einfahren."

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