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Alfried Wieczorek: Ein streitbarer Geist im Interesse der Kunst

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		Alfried Wieczorek:  Ein streitbarer Geist im Interesse der Kunst

Von Harald Berlinghof

Mannheim. "Gold und Silber in rauen Mengen", versprach Professor Alfried Wieczorek, Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen im Vorfeld der Ausstellung "Gold der Steppe – Fürstenschätze jenseits des Alexanderreiches" im Jahr 2009. Nicht nach Gramm oder Feinunzen sollte sich die Menge des Goldes bemessen, die in den Ausstellungsräumen des Museum Zeughaus zu sehen waren, sondern nach Kilos. Jener Mann, der stets bereit war, zugunsten seiner Mannheimer Museen (rem) eine kesse Lippe zu riskieren, ist seit Anfang des Jahres im Ruhestand. Nachfolger ist Wilfried Rosendahl. Wieczorek machte aus dem Mannheimer Reiß-Museum, das lange als lokal orientiertes Museumsamt der Stadt Mannheim agierte, die Reiss-Engelhorn-Museen mit internationalem Anspruch und vier Ausstellungsorten in der Stadt.

Seine berufliche Reise führte ihn in 20 Jahren als rem-Chef von der regionalen Ausstellung "Lebenslust und Frömmigkeit – Kurfürst Carl-Theodor zwischen Barock und Aufklärung" im Jahr 1999 bis zur Ausstellung "Javagold – Pracht und Schönheit Indonesiens", die 2019 startete. Dazwischen lagen das europäische Mittelalter um 1000, der Kreuzfahrer Saladin, eine Mumien-Ausstellung, die Stauferkaiser und vieles mehr.

Bereits 1990 kam er an das Reiss-Museum in Mannheim, wurde 1994 stellvertretender und 1999 schließlich Leitender Direktor. 2009 wurde er nach einer personellen Umstrukturierung zum Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen. Die RNZ erreichte den promovierten Vor- und Frühgeschichtler sowie Theologen am Handy auf Mallorca.

Sehr geehrter Herr Wieczorek, welches war Ihre erste Sonderausstellung und welche Erinnerungen haben Sie daran?

Meine erste große Ausstellung hatte Kurfürst Carl-Theodor zum Thema. Mit das spannendste Projekt der Anfangsjahre war aber die Europarats-Ausstellung "Europas Mitte um 1000". Als die Ausstellung in Mannheim war, kam es zum Anschlag in den USA am 11. September. Für drei Monate war alles weitgehend still gelegt. Keine Busse und Bahnen, gar nichts. Daran erinnern sich viele gar nicht mehr. Wir hatten zwar geöffnet, aber es kam niemand. In sechs Restwochen im Januar und Februar hatten wir dann aber noch um die 75.000 Besucher. Die erfolgreichste Ausstellung in Mannheim war die Staufer-Ausstellung mit 24.5000 Besuchern. Unsere Ausstellung "Im Land der Morgenröte" kam in Japan aber sogar auf sagenhafte 800.000 Besucher.

Wie kommen die rem mit der gegenwärtigen Corona-Situation klar?

Wir konnten zum Glück alle Ausstellungsverträge auf 2021 oder gar 2022 verschieben und werden deshalb nicht in die roten Zahlen rutschen. Alles soll nachgeholt werden. 80 Prozent der Ausleihen konnten wir auch dafür sichern. Nur 20 Prozent sind uns durch die Lappen gegangen.

Welche Phase einer Ausstellung war für Sie stets die spannendste: die Entwicklung einer Ausstellungsidee, die Prüfung der Machbarkeit, die Überzeugungsarbeit bei befreundeten Museen oder die Phase des Aufbaus?

Die Ideen und Themen zu entwickeln ist immer besonders spannend. Die kaum sichtbare Hintergrundarbeit, durch ein gutes Netzwerk die Verhandlungen zu führen, besonders einzigartige Objekte Dinge zu bekommen, erfordert viel Fingerspitzengefühl. Aber bei jeder Ausstellungseröffnung ist man schon längst mit dem Kopf wieder bei anderen Dingen. Der Blick geht immer voraus.

Während Ihrer Zeit hat auch die naturwissenschaftliche Bearbeitung von Ausstellungsstücken in den rem Einzug gehalten. Sie haben mit ihrem Kollegen Prof. Ernst Pernicka das Archäometriezentrum aufgebaut und die rem damit international noch einmal nach vorne gebracht. Wie kam es dazu?

Wir haben viele Qualitäten hier in Mannheim. Aber wir sind nicht der Louvre oder Berlin. Deshalb braucht man ein Alleinstellungsmerkmal. Darum habe ich eine Forschung in Verbindung mit musealen Aufgaben vorgeschlagen. Das war letztlich der Grund, warum uns vier Milliardärsfamilien unterstützen. Heute ist unser Ärchäometriezentrum gemeinsam mit dem Louvre europaweit führend.

Die Mumien-Ausstellung rief im Vorfeld zunächst moralische Kritiker auf den Plan. Ihre Wissenschaftlichkeit nahm denen ein wenig den Wind aus den Segeln. Richtig kurios war allerdings der Fund von 23 Mumien, die man im eigenen Depot "gefunden" hat.

Bei den Vorbereitungen zur Generalsanierung des Zeughauses wurden alte Bestände komplett ausgepackt und gesichtet. An diese Dinge waren Kollegen jahrzehntelang nicht mehr herangegangen. Vieles war aus anderen Unterständen im Krieg dann bei der Rückkehr einfach abgestellt worden, es war kein Überblick mehr da.

Vor knapp zehn Jahren wollten sich die rem zu einem Zentrum für altägyptische Kunst in Deutschland positionieren. Die Sammlung eines Sammlers, dessen Name bis heute bei Androhung von Strafe nicht genannt werden darf, sollte dauerhaft nach Mannheim kommen. Dann stellte es sich heraus, dass die vorgelegten Zertifikate dieses norddeutschen "Antikenhändler" zweifelhaft waren. Die Sache ging vor Gericht. Es kam zu einem Vergleich. Inzwischen konnte man andere Sammlungen in die eigene altägyptische Ausstellung integrieren.

Wir wollten dann die Objekte nicht mehr haben. Vor Gericht kam es zu einem Vergleich, mit dem wir sehr zufrieden waren. Das war eine klare Sache gewesen. Trotzdem haben wir gegenwärtig eine große Ägyptensammlung aufbauen können, die ganz ansehnlich ist.

2009 wurde die Öffentlichkeit überrascht von ihren Abwanderungsgedanken nach Köln. Warum wollten Sie weg?

Mein Fünf-Jahresvertrag lief bis Oktober 2008. Es gab keine erkennbaren Absichten der Stadt für eine Verlängerung. Ich glaubte deshalb, ich sei nicht mehr erwünscht. Erst als die Stifterfamilien an den Oberbürgermeister herangetreten sind, wurde das versprochen. Aber es geschah ein weiteres Jahr lang nichts. Dann kam das Angebot aus Köln. Erst jetzt sah sich die Stadt veranlasst, zu reagieren und bot mir die Stelle eines Generaldirektors an.

Nach ihrem Ausscheiden als Generaldirektor der rem entfällt auch der Hinderungsgrund, für die CDU in den Mannheimer Gemeinderat einzuziehen, obwohl sie genügend Stimmen der Bürger erhalten hatten. Wann werden Sie das Gremium der Stadt bereichern?

Ich habe da momentan nicht die ganz große Eile wegen des Landtagswahlkampfes. Ich warte, bis ein CDU-Stadtrat ausscheidet, dann kann ich nachrücken.

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