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Hoch der Sombrero!: 2500 Fans beim Public Viewing im Heidelberger Marstallhof

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Von Philipp Neumayr

Heidelberg. Kurz vor Anpfiff ist von WM-Fieber noch nicht viel zu spüren. Auf der Hauptstraße lecken Passanten genüsslich an ihrer Eistüte, begutachten die Sommermode in den Schaufenstern oder flanieren einfach gemütlich vor sich hin. So wie Erwin Krugg (65) aus Bonn, der gemeinsam mit seiner Frau Urlaub am Neckar macht: "Dat interessiert mich doch nicht, wie die spielen." Zum Rudelgucken irgendwo in die Menge stellen? "So weit geht meine Heimatliebe nicht", sagt Krugg.

Deutlich euphorischer geht es im Marstallhof zu. Drinnen singen Deutschland-Fans die Nationalhymne mit, draußen versuchen Kurzentschlossene ins Innere zu gelangen - vergeblich. Schon eine halbe Stunde vor Spielbeginn lassen die Ordner niemanden mehr rein. Rund 2500 Fans, dann ist Schluss. "Wir haben da unsere Vorschriften", sagt Bianca Fasiello vom Studierendenwerk. Aber selbst für manche, die früh genug da waren, bleibt nur ein Stehplatz am Rand. "Egal", meint Michael Fitzon, "Hauptsache, es geht jetzt endlich los." Sein Tipp? "2:1. Tore von Kroos und Werner."

Doch die anfangs gelöste Stimmung unter den größtenteils in Weiß gekleideten Fans weicht schnell der Ernüchterung. Mexiko spielt mutig, erkämpft sich Chance um Chance. Der einzige auf deutscher Seite, der mit Applaus bedacht wird, ist Manuel Neuer. Er muss schon früh in höchster Not eingreifen - ein ums andere Mal. Dann die 35. Minute: Hirving Lozano tanzt Özil aus und schiebt links unten zum 1:0 für Mexiko ein. Versteinerte Blicke bei den deutschen Anhängern: "Das hat sich abgezeichnet. Die Mexikaner kommen zu einfach vor unser Tor", sagt Yassin Beik. Die Hoffnung aufgeben will er aber noch nicht: "Die drehen das noch!"

Wesentlich besser ist die Laune natürlich bei den rund 100 Mexikanern, die sich ganz vorne auf der Rasenfläche des Innenhofs versammelt haben. "Ich bin beeindruckt, wie wir heute spielen", sagt Patricio Marcos (17).

Zweite Halbzeit, gleiches Bild: Deutschland macht das Spiel, Mexiko bleibt gefährlich. Jubel, als sich Marco Reus zur Einwechslung bereit macht: "Da isser!", schreit ein Familienvater. Wirklich zwingend werden die Deutschen dadurch aber auch nicht. Kimmich per Fallrückzieher, Draxler per Schlenzer, Reus per Volleyschuss - vorbei. "Der Podolski hätte den rein gemacht", macht ein Fan seinem Ärger Luft.

Am Ende sind es die mexikanischen Fans, die sich in den Armen liegen. Bei den Deutschen hingegen Resignation: "Das war ’ne ziemlich erbärmliche Leistung", meint Philipp Schürmann. Enttäuscht ziehen die meisten von dannen, der Gesichtsausdruck irgendwo zwischen Unglauben und Noch-ist-ja-nichts-passiert.

Die Bars in der Hauptstraße leeren sich schnell, einzig ein paar Hartgesottene bleiben, um sich die Szenen des Spiels noch einmal in der Wiederholung anzuschauen. Nur eine Gruppe mexikanischer Sprachschüler bahnt sich derweil lautstark ihren Weg in Richtung Bismarckplatz. Unter ihnen auch der 17-jährige Alejandro. Er meint: "Jetzt ist sogar das Finale drin." Ein wenig skeptischer sieht sein Freund Andrés den Sieg. Er hatte vor dem Spiel auf Unentschieden gewettet - und sein Wetteinsatz war hoch: Jetzt müssen seine dunklen Locken einer Glatze weichen.

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