Neckargemünd: Die Banngartenstraße ist keine Abkürzung
Neckargemünd. (thor) Lange müssen die Mitarbeiter des Gemeindevollzugsdiensts der Stadt Neckargemünd nicht warten. Am frühen Morgen, wenige Minuten vor der ersten Schulstunde, fährt ein Auto nach dem nächsten durch die enge Banngartenstraße, an der auch Grundschule, Hort und die Kinderkrippe Rappelkiste liegen. Dabei ist dies eine "Anlieger frei"-Straße - also eine Straße, die nur von Anliegern befahren werden darf.
Und eben dies soll in der gemeinsamen Aktion der Stadtverwaltung und der Polizei überprüft werden. Dabei geht es zunächst nicht darum, Strafzettel auszustellen. Die Verkehrssünder werden zunächst nur darauf aufmerksam gemacht, dass sie ohne Anliegen nicht durch die Banngartenstraße fahren dürfen.
Wer durch den Hollmuthtunnel oder aus Richtung Bammental nach Neckargemünd fährt und in die Weststadt möchte, scheint sich oft zu denken: "Jetzt schnell durch die Banngartenstraße abkürzen!" Wobei "schnell" das Motto zu sein scheint, denn nur die Wenigsten halten sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Kilometern pro Stunde.
Nun endet die Fahrt vor der Grundschule. Der Gemeindevollzugsdienst stoppt jedes Fahrzeug und erklärt freundlich, aber bestimmt, dass die Durchfahrt verboten ist. Die meisten Fahrer zeigen sich sofort einsichtig, sehen sie schließlich selbst in diesem Moment Schulkinder auf dem Gehweg laufen. So sind am darauffolgenden zweiten Kontrolltag bereits deutlich weniger Nicht-Anlieger in der Banngartenstraße unterwegs.
Anlieger ist in erster Linie, wer in der Straße wohnt oder arbeitet. Auch wer sein Kind in die Schule, den Hort oder die Krippe bringt, hat ein Anliegen. "Das ist erlaubt, aber suboptimal", sagt Dirk Weinmann, stellvertretender Fachbereichsleiter für Bürgerdienste, Ordnung und Sicherheit mit Blick auf den engen Schulweg, auf dem mit drei Autos und einem Schulbus bereits ein kleines Verkehrschaos herrscht.
"Ich finde die Aktion ganz toll!" freut sich eine Grundschullehrerin. "Ständig rasen die hier durch - gerade bei den Eltern wundert mich das." Diese hätten schließlich selbst Kinder und seien trotzdem schnell unterwegs. "Wenn ich dann sehe, dass die bei Gegenverkehr ungebremst auf den Gehweg ausweichen, kann ich nur den Kopf schütteln", so die Lehrerin weiter. Kontrollen seien anscheinend absolut notwendig, stellt sie weiterhin fest und hofft, dass die Aktion nach einiger Zeit nochmals wiederholt wird.
Die Stadtverwaltung kündigt an: Dieser Wunsch soll nicht unerfüllt bleiben.

