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Neue Kunsthalle Mannheim eröffnet: Einlassstopp nach eineinhalb Stunden

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Von Alexander Albrecht

Mannheim. Erst knapp eineinhalb Stunden hat die neue Mannheimer Kunsthalle am Freitagabend eröffnet, dann geht nichts mehr: Der Sicherheitsdienst verhängt einen vorläufigen Einlassstopp. Niemand kommt mehr rein. "Es ist einfach zu voll", sagt der Securitymann.

Binnen weniger Minuten ist die Schlange der Wartenden auf gut 30 Meter angewachsen. Alle wollen zum Auftakt des dreitägigen "Grand Openings" bei kostenlosem Eintritt einen Blick in den spektakulären Neubau werfen. Die Neugierde der Besucher ist riesengroß.

Dicht an dicht drängen sie sich drinnen im lichtdurchfluteten Atrium unter Anselm Kiefers mächtigem Monumentalwerk "Sefiroth" und einer dauerkreiselnden Uhr oder auf den Treppen zu den oberen Stockwerken.

Der Ansturm ist so nicht abzusehen, als sich um Punkt 18 Uhr die Pforten öffnen. Nur wenige Kunstinteressierte haben schon länger auf dem Vorplatz ausgeharrt, was wohl hauptsächlich an den sommerlichen Temperaturen liegt. Magdalena Wlodarczyk zum Beispiel, eine Polin, die schon seit 30 Jahren in Mannheim lebt.

Noch fremdelt die ältere Dame mit dem Kunsttempel, den sie als "monströs" bezeichnet und der einen "zu markanten Kontrast" zu den Jugendstilgebäuden rund um den Wasserturm setzt. Und auch mit dem Gittergewebe an der Außenfassade kann sie sich nicht wirklich anfreunden.

Einerseits. "Andererseits", meint Wlodarczyk, sei ja auch der Eiffelturm von den Parisern anfangs stark kritisiert worden. "Heute lieben ihn alle!" Der Vergleich ist gut, hängt doch in der "Terrasse der Freunde" im ersten Stock das Eiffelturm-Gemälde von Robert Delauney.

Von dort aus hat man einen herrlichen und "gitterfreien" Blick auf den Wasserturm. Den Neubau von Anfang an verfolgt hat Ulrich Find, der an einem Stehtisch verfolgt, wie der Vorplatz allmählich voller wird. Er glaubt, dass sich die Mannheimer mit der umstrittenen Architektur der neuen Kunsthalle arrangieren werden, "zumindest entwickelt sich da etwas in diese Richtung".

Derweil ist Ulrike Lorenz die Anspannung anzusehen, Schweißperlen bilden sich auf der Stirn der Kunsthallendirektorin - trotz der von der Klimaanlage erzeugten Kühle. Ihre gute Laune kann dies wenige Minuten vor der großen Eröffnung jedoch nicht trüben.

"Die Mannheimer Kunsthalle ist wieder da", sagt sie freudig und ordnet ihr Haus hinter den großen Galerien in Stuttgart und Karlsruhe an Nummer drei in Baden-Württemberg ein. Viel Bestätigung erfährt Lorenz vom Fachpublikum, das vor den anderen Besuchern Neubau und Exponate betrachten darf. Immer wieder kommt ein Kollege zu ihr und spricht Glückwünsche aus.

Doch jetzt muss die Direktorin schnell weiter, um in ihr rotes Abendkleid zu steigen, bevor die Prominenz kommt. Zu der gehört natürlich auch Manfred Fuchs, Unternehmer, Mannheimer Ehrenbürger und Vorsitzender der Stiftung Kunsthalle. "Großartig" fühlt sich der Mann mit dem sanftmütigen Lächeln und spricht voller Stolz über die offenen und hellen Räume mit ihren "wunderbaren Kuben".

Bescheiden hält sich Fuchs im Hintergrund, als Oberbürgermeister Peter Kurz später in Turnschuhen zum Rednerpult humpelt. Ausgerechnet im Urlaub hat er sich verletzt.

Kurz schaut in viele staunende und fröhliche Gesichter. In veritablem Englisch begrüßt der Verwaltungschef auch den anwesenden kanadischen Fotokunst-Weltstar Jeff Wall, dessen mit "Appearance" betitelte Schau die Gäste in den Bann zieht.

Der OB blickt in seiner Rede elf Jahre zurück, als klar wurde, dass der 2014 abgerissen Mitzlaff-Bau wegen diverser technischer Probleme keine neuen Ausstellungen mehr zuließ. Doch habe man die "Krise" als Chance begriffen. Möglich machte den 90 Millionen Euro teuren Neubau aber erst eine Spende von SAP-Mitgründer Hans-Werner Hector und seiner Frau Josephine.

Sie steuerten 50 Millionen Euro bei. Schade, dass das Paar dem "Grand Opening" am Freitag nicht persönlich beiwohnen kann. Aber die beiden befinden sich noch bis Ende des Monats in den USA. Gefallen wird ihnen sicher, was Kurz über die neue Kunsthalle sagt: "Sie ist eine der beeindruckendsten Museumsneubauten weltweit."

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