Naturschutz in Weinheim: Eine vermeidbare Tragödie
Von Philipp Weber
Weinheim. Weinheims Naturschützer sind sich einig: "Das hätte nicht sein müssen." Grund ihrer Verärgerung ist der Tod mehrerer Mauersegler: Aktive aus den Naturschutzverbänden Nabu und BUND hätten die Tiere auf dem Dachboden eines Mehrfamilienhauses im Schlehdornweg gefunden, heißt es in einem Schreiben des Nabu Weinheim. Die Vögel seien einer Fassadensanierung zum Opfer gefallen, in deren Verlauf Brutstätten verschlossen worden seien.
"Das ist sehr schade, weil Bauherren die Mauerseglerpopulationen eigentlich sehr gut in Gebäudesanierungen einbinden können, wenn sie sich an entsprechende Experten wenden", sagte Christiane Kranz vom Nabu Rhein-Neckar-Odenwald gestern im RNZ-Gespräch. Für die verendeten Vögel kämen die Schutzmaßnahmen nun aber zu spät.
Nach Darstellung der Naturschützer werden die Fassaden mehrerer Mehrfamilienhäuser im Schlehdornweg, der parallel zur Mannheimer Straße verläuft, seit 2016 saniert. Im vorigen Jahr habe der Bauherr die ersten Blocks auf Vordermann bringen lassen. 2017 sind eigentlich weitere Häuser an der Reihe, aber die Naturschutzbehörde des Rhein-Neckar-Kreises hat die Arbeiten zum Teil gestoppt. Anwohner hätten die Behördenvertreter darauf aufmerksam gemacht, dass die Mauersegler in Gefahr sind, weil Bauarbeiter die Lücken zwischen Dachüberstand und oberem Mauerrand geschlossen hätten. Über Umwege hätten die Naturschützer davon erfahren - und die toten Tiere gefunden. "Vielleicht haben sich die Vögel im Verlauf der Sanierungsarbeiten nach innen in den Dachstuhl durchgedrückt. Sie könnten aber auch reingeflogen und dann nicht mehr rausgekommen sein", so Kranz. Woran sie letztlich starben, sei jedoch unklar, räumt sie ein. Der Bauträger habe inzwischen einen Gutachter eingeschaltet. Auf dessen Empfehlung ordnete der Kreis an, die verschlossenen Zwischenräume zu öffnen und Nisthilfen zu schaffen.
Doch wie können Bauherrn die Tiere von vorneherein schützen - wenn sie von deren Vorkommen wissen oder erfahren? "Einfach ein paar Schlupfe offenlassen, reicht nicht aus", stellt Naturschützerin Kranz klar. Es müsse in jedem Falle ein anerkannter Experte hinzugezogen werden. Die Sanierungsarbeiten selbst dürften nur dann stattfinden, wenn die Tiere nicht in Deutschland sind: "Danach müssen Bauherren für Ersatz sorgen, weil Mauerseglerkolonien sehr standorttreu sind." Die Nisthilfen fielen an größeren Mehrfamilienhäusern kaum auf, sagt sie.
Im Schlehdornweg wollen BUND und Nabu mehr. Weil die Schutzmaßnahmen zu spät kamen, seien Schäden im Brutbestand entstanden. Daher fordert der Nabu Geldzahlungen, etwa in Form eines Fonds, um die übrig gebliebenen Vorkommen schützen zu können.

