Gewichtheben: Nico Müller wird zum Wiederholungstäter
Von Roland Karle
Leimen/Obrigheim. Das Ticket ist gelöst, das Ziel erreicht: Nico Müller fährt zu den Olympischen Spielen. Nach Abschluss der Qualifikationsphase ist der Obrigheimer Gewichtheber in der Klasse bis 81 Kilo Achter der Weltrangliste – das reicht, um einen der maximal 14 Startplätze pro Gewichtsklasse zu ergattern. "Der sportliche Weg nach Tokio war lang und hart. Umso mehr freue ich mich, dass es geklappt hat und ich erneut Deutschland bei Olympischen Spielen vertreten darf", sagt er.
Der 27-Jährige ist olympischer Wiederholungstäter. 2010 qualifizierte er sich für die erstmals ausgetragenen Olympischen Jugendspiele in Singapur; 2016 stemmte er die Hantel bei den Spielen in Rio de Janeiro als jüngster Athlet des deutschen Kaders und wurde Zehnter. Inzwischen gehört der in Obrigheim aufgewachsene und im nahen Schwarzach wohnhafte Müller zur internationalen Elite. 2018 wurde er Europameister, im April dieses Jahres gewann der Halbschwergewichtler EM-Bronze im Reißen.
Zum zweiten Mal auf der großen Olympia-Bühne zu stehen, "das ist für mich schon jetzt ein Höhepunkt in meiner Karriere", sagt Müller. Traf in Rio das Motto "Dabei sein ist alles" auf den damals 22 Jahre jungen Debütanten zu, so hat er dieses Mal höhere Ambitionen: In Tokio will Müller den Medaillenrängen deutlich näherkommen – und wenn er den perfekten Tag erwischt, das Siegespodest stürmen. Wann Müller ans Werk geht, steht schon fest: Der Wettbewerb in der Klasse bis 81 Kilo ist für Samstagabend, den 31. Juli, angesetzt.
"Nico hat in der langen Zeit sehr konstant gehoben und bei wichtigen Wettkämpfen starke Leistungen gebracht", sagt Trainer Oliver Caruso über seinen Schützling, der sich die Qualifikation "wirklich verdient" habe. Die Gewichtsklasse war am stärksten umkämpft, nirgends sonst starteten mehr Konkurrenten als bei den Athleten bis 81 Kilo. Wichtig sei gewesen, die richtige Balance zwischen Belastung und Erholung zu finden. "Das hat dazu beigetragen, dass Nico ohne große Verletzungen durch den gesamten Zyklus gekommen ist und in jeder der drei Qualifikationsphasen bei internationalen Wettkämpfen gut gepunktet hat."
Am Samstagnachmittag im Bundesliga-Duell seines SV Obrigheim gegen Mutterstadt glänzte Müller mit einem fehlerlosen Wettkampf, bei dem er sich sichtbar nicht verausgabte, und war mit 167 Punkten bester Heber. "Wir befinden uns in der heißen Phase der Vorbereitung. Jetzt muss Nico im Training nochmal hart arbeiten", sagt Caruso, der seinen Athleten in der japanischen Hauptstadt persönlich betreuen wird.
Neben Müller haben sich zwei weitere deutsche Gewichtheber für Olympia qualifiziert: Simon Brandhuber, lange Jahre sportliches Aushängeschild des TB Roding und nun beim AV Speyer unter Vertrag, belegt in der Weltrangliste der Klasse bis 61 Kilo den 7. Platz. Weil dort die Chancen für einen Olympia-Startplatz besser erschienen, wechselte Brandhuber erfolgreich die Gewichtsklasse und stemmt nun abgespeckt im Federgewicht.
Lisa Marie Schweizer rückt nach
Für die zuletzt immer stärker auftrumpfende Lisa Marie Schweizer, nach Stationen beim AC St. Ilgen und AC Mutterstadt nun für den AV Speyer im Einsatz, schien Olympia in diesem Jahr ein unerfüllter Traum zu bleiben. Als Zehnte in der Klasse bis 64 Kilo verpasste sie die Qualifikation zunächst knapp. Am Freitag dann wendete sich unerwartet das Blatt: Wegen Dopingvergehen wird der gesamte rumänische Gewichtheber-Verband gesperrt, betroffen ist davon auch Europameisterin Loredana Toma. Die EM-Vierte Schweizer rückt dadurch in der Rangliste einen Platz vor – und wird ebenso wie Simon Brandhuber in Tokio ihre Olympia-Premiere feiern.

