Mehr als eine gewöhnliche Spielerin
Vergé-Dépré war bis 2016 eine erfolgreiche Blockerin, die als Juniorin einen WM-Titel gewann, mit ihrer Partnerin Isabelle Forrer Podestplätze auf der World Tour holte und - bei ihrem vorläufigen Karriere-Höhepunkt - an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gute Neunte wurde.
Heute ist Vergé-Dépré immer noch eine erfolgreiche Beachvolleyballerin, allerdings neu auf der Position der Defense-Spielerin. Weil Forrer aufhörte und auch mangels Alternativen, tat sich Vergé-Dépré nach Rio mit Joana Heidrich zusammen. Damit das eigentlich ungewöhnliche Team zustande kam, musste die Bernerin einen Positionswechsel vornehmen.
Es funktionierte. In den letzten fünf Jahren entwickelte sich das Duo zu einem der besten der Welt. Aktuell sind Heidrich/Vergé-Dépré die Nummer 1 in Europa. Das ist nicht selbstverständlich. Ausser Vergé-Dépré gibt es nur sehr wenige andere Spielerinnen auf diesem Niveau, denen der Wechsel von vorne am Netz in die hintere Hälfte des Feldes gelungen ist.
Als "ein Sprung ins Nichts" bezeichnet Vergé-Dépré rückblickend den Positionswechsel. "Am Anfang war ich ziemlich verloren, ich wusste nicht, was Defense wirklich bedeutet, die Reflexe fehlten, die Technik war noch nicht da. Man muss das Spiel ganz anders lesen von dieser Position aus", so die 29-Jährige.
Schon beim dritten gemeinsamen Turnier auf der World Tour standen Heidrich/Vergé-Dépré im Frühling 2017 als Zweite auf dem Podest. Vergé-Dépré fand sich rasch zurecht, auch wenn sie heute sagt, dass damals einiges nicht optimal lief. "Ich konnte plötzlich nicht mehr auf die Art Einfluss auf das Spiel nehmen, wie ich mir das gewohnt war und mir eigentlich wünsche."
Doch Vergé-Dépré lernte Schritt für Schritt dazu. Letztes Jahr gewann das Duo EM-Gold, ins Olympia-Turnier starteten Heidrich/Vergé-Dépré als Weltnummer 4. Kein Wunder, setzten sie sich den Vorstoss in die Halbfinals als Ziel.
Vergé-Dépré ist aber nicht nur auf dem Feld eine der Besten, ihr Einfluss ist auch daneben gross. Zusammen mit der Präsidentin, der Niederländerin Madelein Meppelink, führt sie die Spielergewerkschaft, ist Ansprechpartner für Spielerinnen und Spieler, aber auch für den internationalen Verband FIVB.
Und die hippe Sportart hat einige Probleme, die sich während der Corona-Pandemie gar noch akzentuiert haben. Es gibt tendenziell immer weniger Topturniere, ausser Gstaad gibt es keine Konstanten im Kalender. Zudem wurden in dieser Saison die Preisgelder noch einmal reduziert. Entsprechend gefordert sind Vergé-Dépré und ihre Kolleginnen und Kollegen der Gewerkschaft.
Wieder einmal plant der internationale Verband strukturelle Veränderungen bei der World Tour, nachdem die Major Series, eine Serie mit den fünf höchstdotierten Turnieren, vor zwei Jahren gescheitert ist. "Es ist schwierig vorauszusehen, wie es sich entwickelt", so Vergé-Dépré. Aber die Zukunft sehe besser aus, als auch schon.
Bevor sich Vergé-Dépré aber wieder um die Zukunft ihrer Sportart kümmern kann, will sie vorerst sportlich glänzen. Die Bernerin und ihre Zürcher Partnerin sind in Tokio auf Kurs. Dank zwei Siegen in den ersten beiden Spielen qualifizierten sich Heidrich/Vergé-Dépré bei erster Gelegenheit für die Achtelfinals.
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