Premiere für den Neuchâtel UC - Triple für Amriswil
Nach Jahren der Dominanz des mittlerweile nach Südfrankreich dislozierten Volero Zürichs war bei den Frauen eigentlich wieder einmal ein ausgeglichenes Endspiel erwartet worden. Weil der Neuchâtel UC aber einen veritablen Fehlstart produzierte und mit dem 20:25 im ersten Satz noch gut bedient war, sah es zuerst nach einem klaren Erfolg von Aesch-Pfeffingen aus. Die Baselbieterinnen, angetrieben von der reaktivierten niederländischen Passeuse Tess von Piekartz, dominierten Spiel und Gegner vorerst klar und schienen auf dem Weg zu einem klaren Sieg zu sein.
Schienen, denn plötzlich kippte die Partie komplett und übernahm auf einmal der NUC das Kommando. Das Team der Australierin Lauren Bertolacci steigerte sich zeitweise in einen wahren Spielrausch und hatte in der amerikanischen Liga-Topskorerin Tia Scambray die überragende und mit 27 Punkten auch klar erfolgreichste Akteurin in ihren Reihen. Die Amerikanerin bestätigte, dass man am Anfang viel zu nervös agiert habe, "doch dann bekamen wir - nicht zuletzt auch dank der tollen Unterstützung unserer Anhänger - das Spiel immer besser in den Griff".
Die Baselbieterinnen jedenfalls fanden gegen den immer stärker agierenden Gegner kein Rezept mehr und mussten sich schliesslich unerwartet deutlich in vier Sätzen geschlagen geben. Und so konnte sich der Neuchâtel UC letztlich völlig zurecht als erster Titelgewinner in der "Nach-Volero-Ära" feiern lassen.
Aesch-Pfeffingen hatte zwar zuvor die letzten zehn Direktbegegnungen in der NLA-Meisterschaft gewonnen. Wenn es aber wirklich um die Wurst ging, setzte sich auch schon in der Vergangenheit stets der "Université Club" durch - letzten Herbst im Supercup, in den beiden bisherigen Playoff-Serien sowie vor allerdings bereits acht Jahren in den Cup-Viertelfinals.
David gegen Goliath lautete die Affiche, die aber - im Gegensatz zur biblischen Geschichte - ohne Happy End für den "Kleinen" blieb. Der bis zuletzt aufopfernd kämpfende Aussenseiter schlug sich vor gut 2400 Zuschauern allerdings weit besser als erwartet und verdiente sich mit seiner starken Leistung auch den Respekt des Gegners.
Ihr Gesellenstück erbrachten die Zürcher im zweiten Satz, den sie - auch begünstigt durch unzählige Fehler des Gegners - mit 25:21 zu ihren Gunsten entschieden. Wirklich dominieren lassen mussten sich die in Kloten beheimateten Unterländer zudem nur im ersten und dritten Durchgang. Auch im vierten machten sie nämlich dem haushohen Favoriten das Leben lange schwer. Erst nach dem 11:14 mussten sie sich endgültig distanzieren lassen.
Für Züri Unterland ist diese (erwartete) Niederlage kein Unglück, war doch bereits das Erreichen des Endspiels für den NLB-Klub der bisher klar grösste Erfolg und die Teilnahme am Cupfinal für jeden seiner Akteure ein unvergessliches Erlebnis. Amriswil wiederum wird nun in den nächsten Wochen auch noch den fünften Meistertitel und damit das dritte Double anstreben.
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