Nach Kantersieg gegen Kiel: Rhein-Neckar Löwen machen den zweiten Meistertitel perfekt
Von Daniel Hund
Mannheim. Welch ein Spieltag, welch grenzenloser Jubel! Am gestrigen Mittwochabend um kurz nach 22 Uhr war das perfekt, was eigentlich (noch) niemand so richtig auf der Rechnung hatte: Die Rhein-Neckar Löwen sind deutscher Meister, setzten sich zum zweiten Mal in Serie die nationale Handball-Krone auf. Möglich wurde die Titelverteidigung durch einen 28:19 (11:10)-Heimsieg über den THW Kiel und die Schützenhilfe aus Göppingen, das Flensburg mit 31:27 zerlegte.
Somit haben die Gelben zwei Spieltage vor Schluss fünf Punkte Vorsprung auf Flensburg, und das ist nicht mehr aufzuholen. Danach brachen alle Dämme. Die Löwen tanzten den Meister-Blues, lagen sich in den Armen, feierten eine rauschende Party mit Open End. "Das ist einfach überragend, unfassbar. Wir haben ein überragendes Spiel gezeigt, und jetzt sind wir Meister", ballte Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen im RNZ-Gespräch die Siegerfaust.
Eine Gala in Gelb
Los ging es mit zwei bärenstarken Abwehrreihen. Es gab kaum ein Durchkommen. Und wenn doch mal ein Ball durchflutschte, waren da noch die beiden Ausnahmekönner zwischen den Pfosten: Kiels Niklas Landin und Hexer Mikael Appelgren, der mit der langen blonden Löwen-Mähne. Der Schwede parierte auf einem ganz hohen Level, schien die Bälle teilweise regelrecht magisch anzuziehen.
Absetzen war aber nicht. Nach 16 Minuten stand es 5:5. Doch es waren die Löwen, die stets vorlegten. Angepeitscht vom extrem frenetischen Anhang, wirbelten die Besten aus dem Südwesten den Kieler Abwehrriegel immer wieder durcheinander. Der Lohn: Nach 20 Minuten führten die Badener mit 9:6. Die Meisterschaft schien so langsam Formen anzunehmen. Als Kreis-Koloss Rafa Baena dann noch auf 10:6 erhöhte sowieso. Aber Kiel schlug zurück, kämpfte sich bis zur Pause wieder auf 10:11 heran.
Das war nichts für schwache Nerven, allerdings konnten die Löwen eigentlich ganz entspannt in die zweiten 30 Minuten starten, schließlich hielten sie alle Trümpfe in der Hand. Klar war nämlich: Um sich erneut den Titel zu krallen, musste nur noch einmal gewonnen werden. Ob gegen Kiel, Wetzlar oder Melsungen - egal. Aber sie wollten sich die Krone schon an diesem Abend aufsetzen. Das spürte man, das sah man in ihren Augen. Die funkelten.
Bei Andy Schmid besonders. Der Kapitän ging nun voran, raste übers ganze Feld und wuchtete den Harzball nur so in die Maschen. Eine unglaubliche Energieleistung des Schweizers. Das 16:12 (37.) war sein vierter Streich in Folge. Die Kieler Defensiv-Haudegen schauten sich nur fragend an. Wenig später wurde es dann eine Demonstration, ein gelbe Gala, die niemand mehr auf den Sitzen hielt.
Kiel wurde überrollt, in seine Einzelteile zerlegt. In der 42. Minute leuchtete bereits ein 19:13 vom Mega-Videowürfel im "Ufo".
Der Rest war Schaulaufen…
Spielfilm: 1:0, 4:2, 5:5, 10:6, 11:8, 11:10 (Halbzeit), 14:11, 16:12, 17:12, 20:13, 24:14, 25:16, 28:17,
Rhein-Neckar Löwen: Schmid 6, Sigurdsson 5, Baena 1, Pekeler 4, Groetzki 3, Reinkind 1, Petersson 3, Ekdahl du Rietz 5
THW Kiel: Weinhold 1, Dissinger 1, Wiencek 3, Ekberg 1, Zeitz 5, Brozovic 1, Vujin 3, Bilyk 3/1, Nilsson 1.

