Handball
News melden
Nachrichten

Auf dem Weg zur Meisterschaft: Rhein-Neckar Löwen stürmen die "Hölle Nord"

0

Von Daniel Hund

Flensburg. Geschäftsführerin Jennifer Kettemann ballte im Tribünenbereich die Faust und unten auf dem Feld lagen sie sich in den Armen, die Rhein-Neckar Löwen. Hüpften und tanzten vor Glück, feierten einen bärenstarken 23:21 (13:11)-Sieg im Titel-Showdown der Handball-Bundesliga bei der SG Flensburg-Handewitt. Kettemann mit zittriger Stimme: "Es war ein großer Schritt in Richtung Titel, ich bin überwältig, einfach nur stolz auf die Jungs." Das war auch angebracht, die hatten nämlich ganze Arbeit geleistet: Andy Schmid und Co. haben nun drei Spieltage vor Saison-Ende drei Punkte Vorsprung auf die Flensburger. "Da wird nichts mehr passieren", zuckte SG-Trainer Ljubomir Vranjes enttäuscht mit den Schultern, "diese Niederlage tut richtig weh, viel mehr als sonst."

Dass da gestern keine gewöhnliche Bundesliga-Partie anstand, merkte man schon weit vor Spielbeginn. Es knisterte rings um die Flens Arena. Ein Großteil des FSG-Anhangs marschierte geschlossen zum Gipfeltreffen. Hunderte waren es, die sich da mit Trommeln und Tröten näherten. Auch Lieder wurden angestimmt. Zum Beispiel dieses: "Deutscher Meister wird nur die SG." 60 Handball-Minuten später schmetterten die Löwen-Fans diesen Gassenhauer. Oliver Roggisch stimmte nicht mit ein. Noch nicht. "Über den Titel", schnaufte der Teammanager, "über den Titel reden wird nach dem letzten Spiel und da warten bekanntlich noch ein paar schwere Aufgaben auf uns." Los geht es mit dem Heimspiel gegen Kiel am Mittwoch um 20.45 Uhr, es folgt das Gastspiel in Wetzlar und das finale Heimspiel gegen Melsungen.

Zum Spiel: Trainer Nikolaj Jacobsen begann mit seinen Stars, schickte die erste Reihe auf die Platte. Mit den Rückraum-Granaten Kim Ekdahl du Rietz und Alexander Petersson. Und der Isländer war auch sofort on fire: Erste Aktion, erstes Tor: 1:0 (1.). Ein Start nach Maß. Hinten drin war’s diesmal übrigens keine gelbe Wand. Offensiv nahmen die Löwen die Flensburger in Empfang, formierten sich zu einer 5:1, mit Hendrik Pekeler auf der Spitze. Den Ostsee-Riesen schmeckte das nicht, doch sie fingen sich, drehten ein 2:4 in ein 5:4 (12.) Den Löwen fehlten vorne nun die Ideen, vieles blieb Stückwerk. Jacobsen reagierte, nahm die erste Auszeit. Und der Däne fand offenbar die richtigen Worte. Die Löwen hatten wieder Oberwasser, legten stets vor. Vor allem Alexander Petersson, 36, stach heraus. Der Oldie ging voran, tauchte dort auf, wo es weh tut und wurde belohnt. Vier Tore schoss der Isländer bis zur Pause. Und in die stiefelten die Badener mit breiter Brust. Warum, war an der Anzeigentafel abzulesen: Löwen 13, Flensburg 11. Das hätten sie vorher sicher so unterschrieben, gewonnen war aber noch nichts. Nicht in Flensburg, nicht vor 6300 Zuschauern in der berüchtigten "Hölle Nord".

Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem die Löwen stets vorlegten. Als Mitte der zweiten Halbzeit die Angriffsmaschinerie plötzlich ins Stocken geriet, änderte Jacobsen den Masterplan. Er holte Mikael Appelgren, den starken Löwen-Keeper vom Parkett, und warf im Angriff sieben Feldspieler ins Getümmel - ein genialer Schachzug. Beendet wurde die Nervenschlacht von Andy Schmid, der Kapitän übernahm Verantwortung und zimmerte eine Rückraum-Rakete rund 30 Sekunden vor der Schluss-Sirene genau in den rechten Torwinkel: 23:21!

Danach hatte es der Löwen-Tross dann eilig. Noch am Abend hob der Flieger von Hamburg nach Frankfurt ab. "In der Luft feiern wir sicherlich etwas", grinste Roggisch, "aber am Montag wird sich im Trainingszentrum auf Kiel vorbereitet."

Spielfilm: 0:1, 2:4, 5:4, 8:10, 10:10, 11:13 (Halbzeit), 11:14, 14:14, 16:17, 18:19, 18:20, 20:21, 21:23 (Endstand). Flensburg: Mahé 5/1, Svan 4, Eggert 3/1, Jakobsson 2, Toft Hansen 2, Gottfridsson 2, Lauge Schmidt 2, Mogensen 1. Löwen: Petersson 5, Schmid 5, Groetzki 4, Ekdahl du Rietz 3, Sigurdsson 2/1, Larsen 2, Baena 1, Pekeler 1.

Comments

Комментарии для сайта Cackle
Загрузка...

More news:

Read on Sportsweek.org:

Andere Sportarten

Sponsored