Handball
News melden
Nachrichten

Ein ganz souveräner Derbyerfolg

0
Der TSB Gmünd hat am Samstagabend seine derzeitige sportliche Vormachtstellung in der Region ebenso untermauert wie auch den hervorragenden vierten Tabellenplatz: In einem hart umkämpften und phasenweise hitzigen Derby vor vollen Zuschauerrängen setzten sich die effizienten Gäste bei der SG Lauterstein nach einem abgeklärten Auftritt mit 34:30 (18:12) durch.
"Lange Zeit war es so, dass ich nicht gerne nach Lauterstein gekommen bin – was die Punkteausbeute betrifft", blickte TSB-Trainer Michael Hieber nach Spielende noch einmal zurück in die jüngere Historie. Doch den ehemaligen "Lauterstein-Fluch" hat seine Mannschaft mittlerweile längst gebrochen – zum nunmehr vierten Mal in Folge konnten die Gmünder das traditionsreiche Derby für sich entscheiden. Vor knapp eineinhalb Jahren hatte man die Nenninger Kreuzsporthalle, in der es für den TSB lange Jahre stets hohe Auswärtsniederlagen gesetzt hatte, erstmals selbst als Sieger verlassen. Die Voraussetzungen haben sich seitdem stark geändert: Aus dem damaligen Abstiegskandidaten ist ein Oberliga-Spitzenteam geworden, das auch beim Lokalrivalen die allerhöchste Anerkennung genießt. Wiederholt war im Vorfeld vom "heißen Aufstiegskandidaten" die Rede – eine Rolle, die Hieber weiterhin energisch abweist: "Natürlich wachsen die Ansprüche, doch in dieser Liga geht es sehr eng zu und ich glaube auch, dass wir in unserer überragenden Hinrunde durchaus am Limit gespielt haben."
Den kurzen Fahrtweg trat seine Truppe durchaus favorisiert an, zumal der Kontrahent eine schwierige Trainingswoche hinter sich hatte und auf mehrere Spieler verletzungsbedingt verzichten musste. Neben dem künftigen TSBler Nico Krauß (siehe auch Stimmen zum Spiel) fehlte mit Jochen Nägele der beste SGL-Torjäger aufgrund einer Muskelverletzung. "Das Risiko für ihn war auf jeden Fall zu hoch, eine schlimmere Verletzung wollten wir nicht riskieren", so Trainer Stefan Klaus. Dass es für seine Mannen im Kampf um den Klassenerhalt nicht zum erhofften dritten Sieg nacheinander reichte, lag vor allem an der Kaltschnäuzigkeit und Effizienz der Gmünder. Diese starteten trotz eines 0:1-Rückstands und einem ersten verworfenen Siebenmeter von Aaron Fröhlich hochkonzentriert in die mit Spannung erwartete Partie. Die rund 600 Zuschauer in der restlos ausverkauften Halle sahen dann, wie die Gäste durch einen Fröhlich-Doppelschlag aus dem Rückraum nach fünf Minuten erstmals in Front gingen und sich beim 4:7 durch Wolfgang Bächle sogar schon etwas absetzen konnten. Als Rechtsaußen Bächle nach einer Viertelstunde auch das 5:9 besorgte, sah sich Klaus zu seiner ersten Auszeit gezwungen, so konnte er doch gerade mit dem Offensivspiel seiner Mannen keinesfalls zufrieden sein. Dies lag an vielen technischen Fehlern der SGler, zum großen Teil aber auch an einer stark verbesserten Leistung der TSB-Defensive um den zuletzt fehlenden Christian Waibel, welche den SG-Angreifern kaum Freiräume ließ. Die Folge: Der TSB dominierte die Begegnung und baute seinen Vorsprung bereits vorentscheidend aus. Da auch Tormann Sebastian Fabian einen Sahnetag erwischt hatte und zugleich mehrere Gegenstöße einleitete, zogen seine Vorderleute binnen weniger Minuten von 10:13 (21.) auf 10:18 (26.) davon. Unmittelbar vor dem Seitenwechsel konnte Lauterstein immerhin noch leicht verkürzen, dennoch spiegelte der Zwischenstand von 12:18 den bisherigen Verlauf gut wider.
Weiterhin jedoch hatten die Gmünder viel Arbeit mit den engagierten Hausherren und jener TSB-Anhänger, welcher in der Halbzeitpause noch prophezeite, dass Lauterstein im zweiten Durchgang "auseinanderbrechen wird", wurde eines besseren belehrt. Denn obwohl die Hieber-Sieben feldüberlegen blieb und ihre Führung behielt, musste man der aufopferungsvoll kämpfenden SGL ein Kompliment aussprechen. Die Lautersteiner lagen zwar durchweg und teilweise klar im Hintertreffen, doch sie gaben sich nicht auf und konnten nach 44 Minuten sogar auf vier Tore Unterschied verkürzen. Der TSB hatte in dieser Phase einige Unterzahlsituationen wegzustecken, darunter auch die Rote Karte gegen Abwehrchef Waibel nach seiner umstrittenen, dritten Zeitstrafe. Doch durch die weiterhin hohe Trefferquote aus dem Rückraum wurde der Vorsprung aufrecht erhalten. In der Schlussphase agierten beide Teams dann mit offenem Visier, zahlreiche Gegenstoßtore waren die Folge. Lauterstein durfte beim 28:31 drei Minuten vor dem Ende noch kurzzeitig von einem Punktgewinn träumen, doch mit dem sechsten verwandelten Strafwurf machte der starke Max Häfner diese letzten Hoffnungen dann zunichte. Das Gmünder Team brachte den 30:34-Erfolg schlussendlich souverän über die Zeit und durfte sich anschließend von den rund 300 mitgereisten eigenen Fans für den ersten Auswärtssieg im Jahr 2017 feiern lassen.
"Wir wollten heute noch einmal alles hereinlegen, um weiter vorne mit dabeizusein – und das ist uns gelungen", freute sich Hieber anschließend vor allem darüber, dass seine Mannschaft die jüngste schwierige Phase gut überstanden hat: "Ich sage es immer wieder: Wir haben eine sehr junge Mannschaft, dann kann es immer mal ein Tief geben und da musst du hindurchgehen. Bei der hohen Anzahl an Spielen, die wir machen, war es auch klar, dass wir mal in ein Loch geraten, doch da sind wir wieder raus", so der TSB-Chefcoach.
Nun dürfen sich die Gmünder Oberliga-Handballer über die Faschingstage auf eine kurze Pause freuen, ehe es in zwei Wochen im Rahmen der Gmünder Ballmania gegen den Zwölften SG Heidelsheim/Helmsheim weitergeht. "Diese kurze Spielpause tut uns sicher gut und dann können wir im Heimspiel wieder voll auf Angriff gehen", betonte Kreisläufer Jonas Waldenmaier. Neun Spieltage vor dem Saisonende stehen die Aussichten weiterhin bestens: Der Vorsprung des Tabellenvierten TSB auf die fünfplatzierten Weinsberger ist mittlerweile auf sechs Punkte angewachsen, nur zwei Zähler Rückstand sind es auf die direkten Konkurrenten Herrenberg und Neuhausen. Angesichts dessen, dass sowohl der Zweite als auch der Dritte noch in Gmünd antreten müssen, schaut auch Hieber gespannt nach vorne: "Wir müssen die Spannung hochhalten. Diese beiden Spiele sind dann Highlights für unsere Zuschauer - egal was dabei heraus kommt."
SGL: Nagel, Wiche – S.Nägele (7/3), C.Stuber (5), M.Stuber (5), Dangelmaier (4), Kölle (2), Villforth (2), Heinzmann (2), Beutel (1), Lenz (1), Thrun (1), Schmid, Krauß
TSB: Fabian, Juhnke – M.Häfner (11/6), Fröhlich (7), Bächle (5), J.Waldenmaier (4), Leinß (3), Schwenk (2), J.Häfner (1), L.Waldenmaier (1), Waibel, F.Häfner
Siebenmeter: 4/3 – 7/6
Zeitstrafen: 8 – 12 Minuten
Rote Karte: Christian Waibel (TSB/43./dritte Zeitstrafe)
Schiedsrichter: André Geiss/Marco Kretzler (SG Kronau/Östringen)
Zuschauer: 600
"Sehr ruhig und cool" - Stimmen zum Spiel:
(sch) Die Lokalderbys sind für beide Teams sicherlich das Highlight der Oberliga-Saison. Die Gmünder konnten die kurze Heimreise hochzufrieden antreten, während die Gastgeber deren spielerische Überlegenheit neidlos anerkannten.
Stefan Klaus (SGL-Trainer): "Dass es ein verdienter Sieg war, daran gibt es keine Zweifel. Die Gmünder Effektivität und unsere technischen Fehler, das sind die Dinge, die so ein Spiel entscheiden. Hinzu kommt, dass wir in der ersten Halbzeit keinen wirklichen Zugriff auf Gmünd bekommen haben. Die Zusammenarbeit zwischen Torwart und Abwehr hat dabei überhaupt nicht funktioniert. Doch die zweite Halbzeit haben wir gewonnen, das darf man dann auch nicht ganz vergessen. Es ist im Training in dieser Woche einiges dazugekommen, weshalb wir uns nicht optimal auf Gmünd vorbereiten konnten und gerade im Spiel sechs gegen sechs unsere Probleme hatten, das muss man ganz klar bekennen. So sind wir von Anfang an ins Hintertreffen geraten, anschließend haben wir mit verschiedenen Umstellungen und Auszeiten alles versucht. Wir wollten vor allem Aaron Fröhlich und Max Häfner aus dem Spiel nehmen. Doch ich sage es ganz bewusst: Die ganze Gmünder Truppe kann man nicht rausnehmen, dazu sind sie momentan ein Stück von uns weg. Außerdem fehlt uns natürlich aufgrund von Verletzungen und Krankheiten die letzte Fitness, um das Spiel länger spannend zu halten. Wir haben es auch versäumt, in der zweiten Halbzeit vielleicht noch einmal aufzuschließen und dann im entscheidenden Moment das Ding noch zu drehen. Das Schiedsrichtergespann heute hat sicherlich nicht einheitlich entschieden, doch das soll keine Entschuldigung sein. Der Sieg geht so vollkommen in Ordnung. Wir müssen aus dieser schwierigen Situation das Beste machen, die letzten neun Spiele Vollgas geben und die nötigen Punkte für den Klassenerhalt holen."
Michael Hieber (TSB-Chefcoach): "Wir wollten heute noch einmal alles hereinlegen, um weiter vorne mit dabei zu sein. Lauterstein kommt mit zwei Siegen im Rücken und ist vor allem zuhause brandgefährlich. Doch wir sind sehr gut ins Spiel gekommen. Im Angriff hatten wir eine klasse Quote und haben zugleich 45 Minuten lang gut verteidigt. Wir wussten, dass die SGL über ihre zwei Kreisläufer und die Rückraumwürfe extrem gefährlich ist. Wir haben es geschafft, die Rückraumspieler stets unter Druck zu setzten und sind so zu einfachen Toren gekommen. Im Angriff haben wir immer wieder gute individuelle Entscheidungen getroffen, uns oft durchgesetzt und das Spiel ab Mitte der ersten Halbzeit auch kontrolliert. Nach der Pause hatten wir dann zwar eine Phase, in der wir kurz geschwommen sind, aber unterm Strich muss ich meiner Mannschaft ein Riesenkompliment machen. Denn sie hat dieses Derby sehr ruhig und sehr cool angegangen. Nun haben wir Mitte Februar 28 Punkte, das hätte ich vor der Saison sofort unterschrieben. Daher bin ich auch vollauf zufrieden mit der Entwicklung meiner Mannschaft, die dieses umkämpfte Derby voll angenommen hat."
Nico Krauß (SGL-Rechtshänder, ab kommender Saison für den TSB am Ball): "Ich freue mich bereits auf das nächste Jahr, zumal der TSB sportlich gesehen aktuell das bessere Team ist. Heute hätte ich mir dennoch einen Sieg für Lauterstein gewünscht, aber das Resultat geht völlig in Ordnung. Ich selbst hätte auf jeden Fall gerne gespielt und habe mich auch warmgemacht, doch ich habe bereits seit fünf Wochen eine Entzündung im Schienbein. Es haben leider noch ein paar Prozent gefehlt, um mitwirken zu können. In der zweiten Halbzeit sind wir zweimal auf vier Tore herankommen und haben die Chance weiter zu verkürzen, doch wir haben es jeweils aber nicht hinbekommen, das Spiel noch enger zu gestalten. Ich denke, wenn wir weiter herankommen, dann kann das Spiel auch noch kippen. Aber insgesamt hat es der TSB einfach souverän zu Ende gespielt. Nun müssen wir nach vorne sehen, schließlich haben wir noch schwierige Spiele vor uns. Und ich bin optimistisch, dass wir die Klasse halten. Denn wir hatten vor dem Spiel mit Platz sieben eine ganz gute Ausgangssituation und das ist auch die Platzierung in der Tabelle, wo wir uns eigentlich selbst sehen."
Jonas Waldenmaier (TSB-Kreisläufer): "Das fühlt sich super an. Vor dieser tollen Kulisse in fremder Halle zu gewinnen, ist einfach geil. Es war ein unnötig harter Kampf, denn wir haben auf jeden Fall zu viel verworfen und oft zu schnell abgeschlossen. In der Defensive haben wir zunächst gut harmoniert, doch in der zweiten Halbzeit war es ein hektisches Spiel und wir sind kaum noch in die stehende Abwehr gekommen. Es war ein schnelles Hin und Her und es ist schwer zu sagen, was genau das Spiel dann entschieden hat."
Jonas Leinß (Gmünder Rückraumschütze): "Wir standen heute in der Abwehr sehr gut, das war das wichtigste. Wenn wir hinten so arbeiten, dann läuft es bei uns auch im Spiel nach vorne. Ab der 45.Minute hat der Gegner dann manngedeckt und dieses offene Spiel liegt mir ganz gut. Wir sind natürlich ziemlich erschöpft, es war ein anstrengendes Spiel und da kommt uns die kleine Pause gerade recht. Doch heute Abend nach dem Derbysieg lassen wir es noch einmal krachen – gegen Heidelsheim müssen wir dann die nächsten zwei Punkte holen."

Christian Waibel (TSB-Abwehrchef): "In der Abwehr sind wir endlich wieder richtig kompakt gestanden und gut in die Zweikämpfe gekommen, das war die Basis. In der zweiten Halbzeit ist es dann hektisch geworden und wir haben den ein oder anderen Gegenstoß kassiert, doch wir haben den Sieg sicher über die Zeit gebracht. Die Schiedsrichter haben heute immer sehr kleinlich gepfiffen, aber das haben sie auf der Gegenseite ebenso. Doch wir haben gewonnen – daher ist mir meine Rote Karte ziemlich egal."
VON NICO SCHOCH

Comments

Комментарии для сайта Cackle
Загрузка...

More news:

Read on Sportsweek.org:

Wünsdorfer Wölfe
TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck
Handball-Verband Sachsen-Anhalt e. V.
SV Lokomotive Rangsdorf e. V.

Andere Sportarten

Sponsored