"Viel Einsatz heißt auch immer viel Ertrag"
Die TSB-Handballer haben in dieser Spielzeit zum Höhenflug in der Handball-Oberliga angesetzt. Doch auch im Juniorenbereich der Gmünder geht es bergauf, die C1-Junioren mit ihrem Trainer Aaron Fröhlich dürfen sich aktuell auf HVW-Ebene messen und haben die Landesliga-Meisterschaft im Visier. Im Interview mit Nico Schoch sprach der 26-Jährige über Erfolgsrezepte und Zukunftsvisionen in der Nachwuchsabteilung.
Hallo Aaron, erstmals herzlichen Glückwunsch: Deine erfolgreich aufspielende C-Jugend hat am vergangenen Mittwoch den Landesliga-Gruppensieg perfekt gemacht. Wie stolz warst du nach dem Sieg in Fellbach und was sind die Erfolgsfaktoren dieser Mannschaft?
Fröhlich: Zum einen bin ich über den Gruppensieg an sich ziemlich stolz, weil das auch in der Vergangenheit nicht allzu viele Mannschaften erreicht haben. In diesem Fall bin ich speziell stolz auf die Leistung vom Mittwoch. Denn aus dem Negativlauf am Anfang herauszukommen und unter widrigen Umständen das Spiel noch zu drehen, das war für eine Jugendmannschaft herausragend.
Du bildest in der C-Jugend mit den Oberliga-Teamkameraden Max Häfner und Jonas Waldenmaier ein harmonierendes Trainerteam. Wie habt ihr die Strategien für diese Saison festgelegt und welche Zielsetzungen habt ihr für dieses und die kommenden Jahre?
Eine große, übergeordnete Strategie gibt es nicht. Es geht einfach darum, die Spieler in verschiedenen Belangen zu verbessern. Klar will man in den Spielen zeigen, wie hoch der aktuelle Leistungsstand ist. Aber das wichtige ist, die Spieler in allen Bereichen zu schulen und zu verbessern – technisch, taktisch und auch athletisch. Es geht einfach darum, ihnen da möglichst viel für ihren späteren Werdegang mitzugeben. Unser großes Ziel ist es natürlich, Spieler für die erste Mannschaft auszubilden. Dazu gilt es, jeden einzelnen Spieler so gut wie möglich weiterzubringen.
Zehn Jahre ist es mittlerweile her, da erreichte die damaligen A-Jugend um Kai Häfner und Sebastian Fabian sogar die baden-württembergische Vizemeisterschaft. Aktuell ist deine C1 das Aushängeschild im TSB-Nachwuchsbereich - wo kann der Weg für euch noch hinführen?
Man muss schon sagen, dass die Mannschaft damals eine Jahrhundertjugend in dem Bereich war, getragen von Kai und einigen anderen. Das war schon das Nonplusultra in der Umgebung. Ganz so weit sind wir bei uns aktuell mit keiner Jugendmannschaft, aber wir sind auf einem guten Weg. Wir sind auch insgesamt auf der Trainerseite ganz gut aufgestellt und haben in jeder Jugendmannschaft einen Spieler aus der ersten Mannschaft an der Seitenlinie stehen. Das ist, denke ich, einfach ein Pfund im Vergleich zu den anderen Vereinen in der Umgebung. Ich hoffe, dass uns das in Zukunft kontinuierlich noch weiter nach vorne bringt – natürlich auch auf die HVW-Ebene.
Du persönlich bist im Verein ja seit Jahren schon extrem engagiert. Zu deinem Einsatz als aktiver Spieler und als Jugendtrainer kommen noch Beruf und Privatleben - wie bekommt man das alles unter einen Hut?
Was einem Spaß macht, das fällt einem auch leicht. Es ist immer wieder ein großer Aufwand, vor allem zeitlich. Aber ich mache es gerne, so gut es geht.
Was reizt dich besonders an der Arbeit im Jugendbereich?
Insgesamt gefällt es mir, Trainer zu sein und jemandem etwas beizubringen. Das möchte ich gar nicht mal nur auf eine Jugend beziehen. Insbesondere bei Kindern bekommt man es natürlich zurück, was man investiert. Man bekommt es mehr als zurück. Es macht mir daher immer Spaß und am Ende eines Jahres denkt man sich, dass man persönlich eigentlich mehr rausgezogen hat als man gegeben hat.
Du hast in deiner eigenen Handballkarriere auch schon einiges erreicht. Was möchtest du aus deiner eigenen Erfahrung den Jugendlichen mit auf den Weg geben?
Die beste Erfahrung, die ich geben kann, ist die, das es nie zu spät ist. Ich habe im Handball erst relativ spät die Leistungssportrichtung eingeschlagen und war lange Zeit beim Fußball. Das heißt auch, dass man in der Jugend nicht unbedingt in der Bundesliga spielen musste, um danach ein passabler aktiver Spieler zu sein. Meine persönliche Erfahrung ist auch insbesondere die, dass man im Sport immer in gewisser Weise belohnt wird. Viel Einsatz heißt nachher auch viel Ertrag.
Neben dem alltäglichen Training und Spielbetrieb während der Saison organisierst du auch das jährliche, stets ausgebuchte TSB-Handballcamp. Was ist da dein Erfolgsgeheimnis?
Das Handballcamp ist im Endeffekt auf Spaß ausgerichtet. Aber ich sage es immer an dieser Stelle, dass der Spaß bei uns über dem Handball stehen soll und nicht umgekehrt. Bei uns soll das, was mit dem Handball geschieht, so gut sein, dass es Spaß macht. Bis jetzt funktioniert das sehr gut.
Neben den jüngsten internationalen Erfolgen der Jugendnationalmannschaften hat die A-Mannschaft im vergangenen Jahr den EM-Titel und die Olympische Bronzemedaille gewonnen. Ist das die beste Werbung, um Kinder für den Handball zu gewinnen und inwiefern hat sich das auch für den TSB schon bemerkbar gemacht?
Das ist schwierig. Natürlich ist es so, dass wenn man viel hinein investiert, dass dann auch mehr Kinder kommen. Aber es ist keinesfalls so, dass uns die Bude eingerannt wird. Wir sind weiter damit beschäftigt, noch mehr Kinder für den Handball zu begeistern. Denn wenn noch mehr Kinder anfangen, dann hat man automatisch auch mehr Talent in seinen Reihen und damit noch mehr Möglichkeiten für die Jugendarbeit.
Allgemein ist es aber auch im Bezirk Stauferland so, dass es immer schwieriger wird die Nachwuchsspieler für den Handball zu gewinnen und dass teilweise nicht mehr alle Jugenden am Spielbetrieb teilnehmen können.
Das Angebot wird einfach größer, im Sport und abseits davon. Es gibt einfach viel mehr Möglichkeiten an Freizeitbeschäftigungen, sei es daheim am Computer oder auch in verschiedensten Sportarten, die es früher noch gar nicht gab. Deshalb ist das schon ein Kampf, dass man die guten Jungs bekommt, aber den nehmen wir an. Unser Auftrag ist es einfach, es besser zu machen wie alle anderen, so dass der Nachwuchs auch zu uns kommen will.
Auch der TSB besitzt aktuell eine Lücke in der Nachwuchsarbeit und stellt derzeit keine eigene A-Jugend. Wie schätzt du die Verzahnung zwischen erster Mannschaft und Jugendbereich ein?
Die Verzahnung ist im Moment natürlich nicht da, weil wir die Jahrgänge nicht haben. Das sehe ich als Altlast, die wir aber nicht rückgängig machen können. Wir machen es nachweislich bereits besser und die Früchte können wir dann in zwei oder drei Jahren ernten, wenn es dann wieder einen stärkeren Austausch an Spielern zwischen Jugend und Aktiven geben wird. Dieser wird mit Sicherheit sehr sehr gut sein. Denn wie bereits gesagt, haben wir in jeder Jugendmannschaft einen Spieler aus der ersten Mannschaft als Trainer. Eine bessere Voraussetzung, um eigene Jugendspieler hochzuziehen und zu integrieren, kann es nicht geben.

