Aufholjagd mit Punktgewinn belohnt
Nein, mehr Nervenkitzel geht nicht. Was am Sonntag in der Handball-Oberliga Gastgeber TSG Söflingen und der TSB Schwäbisch Gmünd im Hexenkessel der Ulmer Kuhberghalle den Zuschauern boten, war ein Superkrimi – doch richtig zufrieden waren weder die Söflinger Fans noch die Gmünder Anhänger. 28:28-Unentschieden endete die Partie, die eigentlich beide Mannschaften hätten gewinnen können (müssen).
„Zweigeteilt“, beschrieb TSB-Trainer Michael Hieber seine Stimmung nach dem Schlusspfiff. Zweigeteilt, wie das Spiel: Zur Halbzeit führten die Gastgeber 18:11 und lagen nach 36. Minuten beim 22:14 sogar acht Tore vorn – dann drehte der TSB das Spiel, ging 25:24 und 28:27 in Führung, kassierte durch einen unglücklichen Siebenmeter den Ausgleich und vergab in der Schlußsekunde den Siegtreffer.
Doch der Reihe nach. Der TSB bekam von Anfang an keinen Zugriff aus Spiel. Die aggressiven Söflinger agierten mit einer offensiven 5:1-Abwehr und legten vorne ein hohes Tempo vor. Schnell stand es 2:0, dann 5:2 und beim 13:7 lagen die Hausherren schon sechs Tore vorn. Doch Hauptursache für diesen hohen Rückstand war nicht etwa eine schwache Gmünder Abwehrleistung: „Wir haben vorne schnell und zu viele freie Bälle verworfen, gleich dreimal konnten wir ein Überzahlspiel nicht nutzen“, klagte Michael Hieber, „und wir liefen dann einfach in zu viele Konter.“ Die Folge war eine zunehmende Verunsicherung beim TSB – und ein Halbzeitstand von 18:11 für die TSG Söflingen.
Normalerweise ist bei so einem Stand „der Fisch geputzt“. TSB-Coach Michael Hieber packte deshalb in der Halbzeitpause auch nicht die „große Keule“ aus, sondern baute seine Jungs auf, machte ihnen Mut. Zunächst mit wenig Erfolg: „Es lief weiter alles schief, was nur schief laufen konnte“, gestand Michael Hieber ein. Abwehrchef Christian Waibel kassierte nach 34 Minuten die dritte Zeitstrafe und sah deshalb die Rote Karte, die TSG enteilte auf 22:14. Der TSB musste umstellen: Patrick Schamberger rückte ins Abwehrzentrum, vorne agierte der TSB mit zwei Kreisläufern. Und siehe da: Plötzlich begannen bei der TSG die Nerven zu flattern, Schamberger brachte Emotionen ins Spiel, puschte seine Mitspieler auf und der TSB pirschte sich heran. Vor allem der flinke Wolfgang Bächle traf ein ums andere Mal ins Schwarze. Die Gmünder legten einen 10:3-Torelauf hin und gingen mit 24:23 in der 48. Minute erstmals ins Führung. Jetzt wurde es hochdramatisch. Söflingen bäumte sich nochmals auf und lag nach 54 Minuten beim 27:25 wieder zwei Tore vorn. Zweimal innerhalb von einer Minute nahm Michael Hieber eine Auszeit – und seine Spieler kapierten den Plan: Nach 59 Minuten führte der TSB 28:27. Der letzte Söflinger Angriff war eigentlich schon abgewehrt, da schnappten sich die TSG-ler nochmals den Ball und die Schiris entschieden auf Siebenmeter: Torjäger Simon Dürner verwandelte zum Ausgleich, der letzte Gmünder Angriff verpuffte. „Wir müssen das Positive aus diesem Spiel mitnehmen“, entschied Michael Hieber nach dem Abpfiff, „das war vor allem die Moral. Respekt, wie die Jungs den Rückstand umbogen.“
TSG Söflingen: Beha, Orsolic, Kraft (3), Schaaf (1), Linse, Wowra (2), Simon Dürner (14/4), Weinbuch (1), Darvay, Grohsler, Hofmann, Eberhardt (3), Christian Dürner (1), Kohnle (3)
TSB Gmünd: Sebastian Fabian, Fabian Juhnke, Wolfgang Bächle (8), Patrick Schamberger (1), Jan Häfner, Sebastian Göth, Christian Waibel (1/1), Aaron Fröhlich (6/1), Lukas Waldenmaier (3), Philipp Schwenk, Felix Häfner, Max Häfner (4/2), Jonas Leinß (3), Jonas Waldenmaier (2).

