Jetzt hat der TSV Neuhausen (38:12) fünf Zähler Vorsprung vor dem TSB Gmünd (33:17) und den werden die Filderstädter in ihren letzten vier relativ einfachen Spielen wohl nicht mehr aus der Hand geben, bevor sie am 7. Mai nach Gmünd kommen.
TSB-Chefcoach Michael Hieber, der schon immer mit Aufstiegsprognosen sehr zurückhaltend war, richtete nach einer schlecht durchschlafenen Nacht den Blick wieder nach vorn: „Wir dürfen jetzt zwar auch mal zwei Tage unsere Enttäuschung ausleben, aber ab Montagabend werden wir wieder hart arbeiten. Wir werden diese Runde, in die wir so viele Emotionen investiert haben, nicht abhaken. Wir wollen noch jedes Spiel gewinnen. Das sind wir uns selbst und ganz besonders unseren tollen Fans schuldig.“
Einen moralischen Tiefschlag mussten die Gmünder ja schon am vergangenen Montag hinnehmen: Aaron Fröhlich riss sich im Training die Achillessehne. An diesem Montag wird der Spielmacher und mit über 250 Treffern wichtigster Torschütze in der Cannstatter Sportklinik operiert. „Ich hoffe, dass ich bis zum Saisonbeginn wieder fit bin“, sagte Fröhlich, der am Samstag in Willstätt von der Bank aus seine Kameraden anfeuerte.
Diese kamen von Anfang an nicht richtig ins Spiel, glichen zwar nach einem 0:2-Rückstand bis zum 3:3 wieder aus, doch dann zogen die Hausherren über 8:3 und 14:8 bis auf 19:14 zur Pause davon. Irgendwie fehlte den Gmünder der Glaube an ihre eigenen Stärken und an einen möglichen Sieg. Im Angriff rückte Max Häfner auf die Position von Fröhlich, dafür begann auf Linksaußen Jan Häfner. Dies war kein Systemwechsel, aber den Hieber-Schützlingen fehlten im Abschluss der Biss und das Glück. Dagegen wirkte die Abwehrreihe längst nicht so kompakt wie gegen Herrenberg.
„Dass wir schnell so weit zurücklagen, dürfen wir nicht auf das Fehlen von Aaron schieben“, erkannte Michael Hieber und forderte in der Halbzeitpause seine Mannschaft auf, „sich am eigenen Schopf aus dem Tief zu ziehen“. Das taten seine Jungs dann auch plötzlich voller Leidenschaft. Nach dem 20:15 verkürzte der TSB auf 20:19 und schaffte nach zwei weiteren Gegentoren beim 22:22 in der 43. Minute den Ausgleich. Jetzt stand die TSB-Abwehr sicher, vorne machten Max Häfner, Jonas Leinß, Jonas Waldenmaier, Wolfgang Bächle sowie Jan und Felix Häfner mächtig Dampf.
Beim TV Willstätt vermisste man nun die ordnende Hand und den Abschluss von Top-Torjäger Kristian Eskericic, der wegen einer Knochenverletzung bis Saisonende ausfällt. Die Wende? Nein, denn die Aufholjagd kostete den Gmündern offensichtlich zu viel Kraft. Zwar hielt die Abwehr weiterhin gut dagegen, doch vorne wurde jetzt im Übereifer zu viele Bälle leichtfertig verschenkt. Der TV Willstätt zog über 27:23 auf 30:26 bis zur 57. Minute davon. Aber nochmals bäumten sich die TSB-ler auf. Michael Hieber ordnete offene Manndeckung an – und tatsächlich schnupperte der TSB beim 30:29 und beim 31:30 nochmals am Unentschieden. Es reichte aber nicht mehr.
„Schade“, befand Michael Hieber, „wir hätten die Partie in der zweiten Halbzeit noch drehen können. Die Moral meiner Jungs war aber in der zweiten Halbzeit völlig in Ordnung.“ Und so einfach abschreiben wollte der Gmünder Trainer am Sonntagabend den zweiten Tabellenplatz schon nicht mehr: „Im Sport ist alles möglich – wieso soll der TSV Neuhausen nicht doch noch drei Punkte verlieren?“ Im Heimspiel am kommenden Samstag um 19.30 Uhr gegen den TV Plochingen muss dann aber ein Sieg her.
So spielten sie:
TV Willstätt: Zölle, Dane Markovic (3/2), Gross, Ito, Djuricin, Dodig (2), Halmagyi-Filip (1), Skusa (9), Schlampp (4), Knezovic (5), Krzysztof, Hoyer (1), Jankowski (7).
TSB Schwäbisch Gmünd: Sebastian Fabian, Fabian Juhnke, Wolfgang Bächle (4), Patrick Schamberger, Jan Häfner (2), Sebastian Göth, Christian Waibel, Lukas Waldenmaier, Philipp Schwenk (1), Felix Häfner (2), Max Häfner (11/5), Jonas Leinß (6), Jonas Waldenmaier (4).
Schiedsrichter: Kraft (Langensteinbach)/Saam (PSV Karlsruhe).
Zeitstrafen: Willstätt 7 (Rote Karte Dogik, 56. Min.); TSB 2.
Zuschauer: 450.

