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Handball-EM 2026: Warum das DHB-Team trotz Final-Pleite Weltklasse ist

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Im EM-Finale musste sich die DHB-Auswahl zwar geschlagen geben, doch das Turnier war ein enormer Schritt nach vorn. Die Zukunft des deutschen Handballs ist rosig. Am Ende triumphierte mal wieder der Champion. Die deutsche Handball-Nationalmannschaft musste sich im Finale der Europameisterschaft Gastgeber Dänemark mit 27:34 geschlagen geben. Lange konnte die DHB-Auswahl sich wehren und das Spiel eng halten, doch am Ende war das Titel-Triple der Dänen, die sich neben Weltmeister und Olympiasieger nun auch Europameister nennen dürfen, nicht zu verhindern. Trotz der relativ deutlichen Final-Niederlage hat die deutsche Mannschaft jedoch mit diesem starken Turnier klar bewiesen: Nach dem zurückliegenden Umbruch ist sie mit ihren vielen jungen Spielern schon jetzt in die Weltspitze aufgestiegen. Ein Titel ist zum Greifen nahe. Selbst junge Spieler zählen zum alten Eisen Nach der Amtsübernahme von Bundestrainer Alfred Gíslason im Jahr 2020 verjüngte der Isländer die Mannschaft Stück für Stück. Im aktuellen EM-Kader standen mit Andreas Wolff (34), Rune Dahmke (32) und Jannik Kohlbacher (30) nur drei Spieler, die schon ihren 30. Geburtstag feierten. Kapitän Johannes Golla zählt mit seinen 28 Jahren ebenso schon zum alten Eisen wie Spielmacher Juri Knorr mit zarten 25 Jahren. Insgesamt sechs U21-Weltmeister von 2023 standen bei dieser EM für die A-Nationalmannschaft auf dem Platz. In einer solchen Besetzung schaffte es die DHB-Auswahl, sich durch einen Turnierbaum zu spielen, der als wahre Horror-Auslosung galt. Mit Spanien, Portugal, Norwegen, Kroatien und vor allem EM-Titelverteidiger Frankreich besiegte die deutsche Mannschaft eine Handvoll Teams, die allesamt zur Weltelite gehören: Noch im vergangenen Jahr hatte Portugal Deutschland bei der WM im Viertelfinale ausgeschaltet. Kroatien wurde Vizeweltmeister und Frankreich galt in den vergangenen Jahren als die einzige Mannschaft, die den Dänen das Wasser reichen konnte und das beim Sieg im EM-Finale 2024 auch tat. Jungstars entscheiden schon Spiele Trotz einer derart harten Auslosung das Finale der EM zu erreichen, ist bereits ein großer Erfolg. Zumal auch das Endspiel deutlicher ausfiel, als es der Spielverlauf eigentlich hergab – und dennoch deutlich knapper als etwa die 26:39-Klatsche im Olympia-Finale 2024. Ermöglicht wurden diese Erfolge vor allem dadurch, dass die zahlreichen jungen Spieler im Kader einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht haben. Exemplarisch dafür steht Kreisläufer Justus Fischer. Der erst 22-Jährige fand sich seit seinem Turnierdebüt bei der EM im Januar 2024 vor allem in der Rolle des Ergänzungsspielers hinter Kapitän Golla wieder. Doch bei dieser EM verdiente er sich durch defensiv wie offensiv starke Leistungen deutlich mehr Spielzeit. Höhepunkt wurde das Halbfinale gegen Kroatien, als er eine wackelige deutsche Defensive mit zahlreichen Blocks in der zweiten Halbzeit stabilisierte und zum entscheidenden Faktor wurde. Sein kurzfristiger Ausfall für das Finale durch einen Infekt schmerzte der Mannschaft daher sehr. Neben Fischer haben aber auch weitere Jungstars wie Turnier-Debütant und Abwehrbollwerk Tom Kiesler (24), der wurfgewaltige Miro Schluroff (25) und Rückraum-Hühne Marko Grgić (22) bewiesen, dass sie schon jetzt in der Lage sind, ein Spiel auf internationalem Topniveau zu entscheiden. Weitere Spieler wie Olympia-Held Renārs Uščins (23) und Torwart David Späth (23), der an der Seite von Wolff nicht mehr wegzudenken ist, hatten ihre Klasse bereits vorher bewiesen. Eine solche Qualität in einer derartigen Breite hatte eine deutsche Mannschaft schon lange nicht mehr. Zumal die Entwicklung der Jungstars rasant voranschreitet und noch lange nicht abgeschlossen zu sein scheint. Die Messer waren gewetzt Dafür wesentlich mitverantwortlich ist Bundestrainer Gíslason, der auch bei dieser EM erneut seine ganze Qualität zeigte. Dabei hatte der Verband ihm schon vor dem Turnier die Rückendeckung versagt, eine Entlassung im Falle eines enttäuschenden Abschneidens wurde nicht ausgeschlossen. Spätestens nach der überraschenden Vorrunden-Niederlage gegen Serbien und dem möglichen Aus in der ersten Turnierphase war Gíslason schwer angezählt. Die Messer der Presse und Experten waren gewetzt. Doch Gíslason nahm all das gelassen hin. Statt sich aus Angst um seinen Job aus der Schusslinie zu nehmen, zog er die Aufmerksamkeit durch öffentliche Selbstkritik sogar bewusst auf sich. Im Hintergrund baute er seine junge Mannschaft emotional wieder auf und schaffte so die Voraussetzung für den Sieg im entscheidenden Spiel gegen Spanien. Wurde vor dem Turnier dem 66-Jährigen sein Alter noch als Schwäche ausgelegt, hat Gíslason bei der EM bewiesen, dass er mit seiner Erfahrung für diese Mannschaft Gold wert ist. Dass der neunmalige deutsche Meister und dreimalige Champions-League-Sieger in der Lage ist, Mannschaften zu Titeln zu führen, steht ohnehin außer Frage. Eine junge Mannschaft auf Topniveau, die sich noch immer rasant entwickelt, und ein erfahrener Trainer, der es versteht, diese Entwicklung zu steuern und gefährliche Klippen zu umschiffen: Die Zukunft des deutschen Handballs sieht rosig aus. Schon bei der Heim-WM im kommenden Jahr bekommt die DHB-Auswahl die Möglichkeit, den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung zu gehen. Sollte das gelingen, könnte dann mit der Kraft eines Heim-Publikums im Rücken auch die Vormacht Dänemarks endlich wackeln. Schon jetzt sind die Deutschen mehrere Schritte an sie herangekommen.

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