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Handball-EM: Bundestrainer Gíslason als neuer Sepp Herberger?

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Im ersten Duell mit Dänemark wählte Bundestrainer Alfred Gíslason eine ungewöhnliche Aufstellung und verlor. Die Historie zeigt: Es könnte der Vorbote eines großen Erfolges sein. "Ich habe gedacht: Okay, schenken wir ab": Pascal Hens hatte nach dem Hauptrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Handball-EM gegen Dänemark eine deutliche Meinung zur Aufstellung von Bundestrainer Alfred Gíslason. Der Isländer hatte für die Begegnung gegen den Weltmeister und Olympiasieger am vergangenen Montag überraschend Stammtorwart Andreas Wolff durch David Späth ersetzt und auch auf den Außenpositionen die Dauerspieler Lukas Mertens und Lukas Zerbe aus dem Kader gestrichen. Die Partie ging am Ende mit 26:31 verloren und der Bundestrainer musste sich am Ende einiges an Kritik für seine Aufstellung anhören – unter anderem von Ex-Nationalspieler und Weltmeister Hens. Es wirkte fast so, als hätte Gíslason die Erfolgsaussichten gegen die Dominatoren des Welthandballs aus Dänemark ohnehin als gering eingeschätzt und seine Stammkräfte lieber für den weiteren Turnierverlauf geschont. DHB-Handballer vor EM-Finale: Gegner Dänemark hat ein Problem Rekordprämie: Um so viel Geld spielen die deutschen Handballer Der Poker ging auf: Deutschland gewann das Entscheidungsspiel gegen Frankreich, zog ins Halbfinale und mittlerweile auch ins Finale ein. Dort wartet wieder Dänemark. Deutsche Fußballfans dürfte die Konstellation an ein bedeutendes Ereignis aus der Geschichte des Fußballs erinnern: die Weltmeisterschaft 1954. Wird Alfred Gíslason am Sonntag der neue Sepp Herberger? Herberger setzte B-Elf gegen Ungarn ein Es war der damalige Bundestrainer Herberger, der mit seiner DFB-Elf bei dem Turnier schon im zweiten Spiel der Gruppenphase gegen die dominanten Ungarn, zu diesem Zeitpunkt eine Weltnation im Fußball, antreten musste. Nach einem Auftaktsieg gegen die Türkei entschied sich Herberger, gegen das Team um Superstar Ferenc Puskás nur eine Reservemannschaft auflaufen zu lassen. Er pokerte nach einer Niederlage gegen Ungarn auf ein weiteres Entscheidungsspiel um das Viertelfinale gegen die Türken mit dann frischen Stammkräften. Gegen Ungarn setzte es dann auch tatsächlich eine deftige 3:8-Pleite für die deutsche Auswahl. Die Kritik in der Öffentlichkeit für die Aufstellung des Bundestrainers war groß. Doch Herberger sollte Recht behalten. Das Entscheidungsspiel gegen die Türkei gewann das DFB-Team, zog zunächst ins Viertelfinale und schließlich auch ins Finale ein. Dort ging es erneut gegen Ungarn – und mit der A-Mannschaft gelang Deutschland dann tatsächlich das sogenannte "Wunder von Bern". Ein 3:2-Sieg im Finale brachte den ersten Weltmeistertitel der Verbandsgeschichte. Die Sensation war perfekt. Auch Gíslasons Risiko zahlte sich aus 72 Jahre später setzt Gíslason wohl auf eine ähnliche Taktik. Zwar hatte er nach dem Dänemark-Spiel betont, mit seiner veränderten Aufstellung nicht auf ein Entscheidungsspiel gegen Frankreich gepokert zu haben. Er gab aber zu, dass er es für "sinnvoll" gehalten habe, einige seiner Vielspieler für den weiteren Turnierverlauf zu schonen. Wie bei Herberger 1954 zahlte sich auch für Gíslason das Risiko aus: Mit ausgeruhten Kräften und seiner eigentlichen Stammformation besiegte er Frankreich zum Hauptrundenfinale und zog ins Halbfinale ein. Nach einem Sieg gegen Kroatien in der Vorschlussrunde steht die DHB-Auswahl nun im Endspiel. Gíslason: Niemand kann sich über Müdigkeit beschweren Dort bekommt Gíslason mit einem erneuten Duell gegen Dänemark nun die Chance, seinen "Herberger-Plan" zu vollenden. Am Tag vor dem Spiel betonte Gíslason jedenfalls mit einem gewissen Stolz, dass mit Lukas Zerbe der deutsche Spieler mit der meisten Spielzeit des Turniers immer noch deutlich weniger gespielt habe als Dänemarks Topstar und Dauerspieler Mathias Gidsel. In der Tat: Laut der offiziellen Statistik der Europäischen Handballföderation (EHF) liegt Zerbe mit fünf Stunden und 45 Minuten Einsatzzeit gerade mal auf Platz elf der EM-Dauerspieler. Gidsel liegt mit sieben Stunden und 20 Minuten auf Platz eins. "Ich glaube nicht, dass sich bei uns irgendjemand über Müdigkeit beschweren kann", verkündete Gíslason. Wird es das "Wunder von Herning"? Ob dies der DHB-Auswahl am Sonntag zu einem ähnlich überraschenden Sieg verhelfen wird, wie ihn die DFB-Elf 1954 gegen Ungarn einfuhr, bleibt abzuwarten. Vielleicht plant Gíslason durch einen Einsatz seiner angestammten Startformation erst im Endspiel jedoch auch, die Dänen noch einmal vor eine neue taktische Herausforderung zu stellen. All das gehört aber selbstverständlich ins Reich der Spekulationen. Am Ende weiß nur der Bundestrainer, ob er tatsächlich einen langfristigen Plan verfolgt hat oder nicht. Fakt ist: Auf das "Fritz-Walter-Wetter", das den Fußballern mit ihren Schraubstollenschuhen im Dauerregen von Bern gegen Ungarn einen Vorteil verschaffte, kann sich Gíslason in der Hallensportart Handball am Sonntag nicht verlassen. Dennoch wird er alles daran setzen, das "Wunder von Herning" dennoch Realität werden zu lassen – "Herberger-Plan" hin oder her.

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