Handball-EM 2026: Das macht Gíslasons DHB-Team in der Hauptrunde Hoffnung
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In der Vorrunde der EM hatte die deutsche Handball-Nationalmannschaft große Mühe, schaffte am Ende aber das Weiterkommen. Was jetzt Hoffnung auf einen Erfolg macht. Im Handball liegen Licht und Schatten häufig ganz nah beieinander. Einen Beweis dafür, dass diese Plattitüde immer noch Gültigkeit hat, liefert aktuell die deutsche Nationalmannschaft. Nach der überraschenden 27:30-Niederlage im zweiten EM-Gruppenspiel gegen Serbien hingen noch tiefschwarze Wolken über dem Gemüt der DHB-Auswahl. Die Pleite hatte die Mannschaft schwer getroffen, es drohte das erste Vorrunden-Aus bei einer EM seit Einführung des aktuellen Modus mit Vor- und Hauptrunde. Eine Entlassung von Bundestrainer Alfred Gíslason wäre wohl gefolgt. Der DHB hätte am Scheideweg gestanden. Nur wenige Tage später sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Durch den 34:32-Sieg gegen Spanien zum Gruppenabschluss schaffte die deutsche Mannschaft nicht nur die Qualifikation für die Hauptrunde, sondern wurde sogar Gruppensieger und nimmt die zwei Punkte aus dem Spanien-Spiel mit in die nächste Turnierphase: die optimale Ausgangslage für die dort anstehenden Duelle unter anderem mit Dänemark und Frankreich. Doch nicht nur die blanken Zahlen sind vielversprechend. t-online erklärt, was jetzt Hoffnung auf ein erfolgreiches Turnier macht. Der Trainer hat gelernt Nach der Niederlage gegen Serbien hatte Alfred Gíslason viel Kritik auf sich gezogen. In der Offensive hatte er wild sein Personal gewechselt, und kaum einer der Spieler hatte seinen Rhythmus gefunden. Juri Knorr war trotz guter Leistung in der ersten Halbzeit in Hälfte zwei kaum noch zum Einsatz gekommen. In der Defensive ließ Gíslason wiederum Johannes Golla und Tom Kiesler im Innenblock durchspielen, sodass sie am Ende des Spiels müde und die Defensive damit durchlässig wurde. Die Kritik daran nahm sich der Bundestrainer zu Herzen. Gegen Spanien fand er bei den Wechseln eine deutlich bessere Balance. Während er offensiv Knorr und Köster, die gut miteinander harmonierten, viel Spielzeit gewährte, bekam Golla durch einen starken Justus Fischer viel Entlastung. Co-Trainer Erik Wudtke bestätigte am Dienstag, dass sie ihr Wechselkonzept überarbeitet hätten. "Ich glaube, dass bei dem ein oder anderen Spieler im Serbien-Spiel auch ein bisschen Müdigkeit dazugekommen ist und wir den Zeitpunkt verpasst haben, einen Spieler auch spät noch einzuwechseln, auch wenn er uns geholfen hätte für ein paar Minuten", sagte er. "Den Mut, auch früher zu wechseln, das war etwas, was wir uns vorgenommen haben für das Spiel", sagte er über die Spanien-Begegnung. "Wir haben einfach mehr Spieler zum richtigen Zeitpunkt auf das Spielfeld gebracht und das war tatsächlich mit sehr viel Selbstbewusstsein im Angriff der Schlüssel für den Erfolg." Auch Torwart Andreas Wolff lobte nach dem Spiel: "Alfred hat heute sehr gute Wechsel gezeigt, hat die Mannschaft überragend eingestellt. Er hat sich nach dem Serbien-Spiel selbst kritisiert und hat heute auch gezeigt, was für ein fantastischer Trainer er ist." Gíslason und sein Team haben also bewiesen, dass sie nicht nur Kritik beherzigen wollen, statt starrsinnig durch das Turnier zu gehen, sondern auch, dass sie in der Lage sind, Probleme schnell und effektiv zu lösen. Das Spiel wird vielfältiger Teil dessen ist auch, dass Gíslason es im Spiel gegen Spanien endlich geschafft hat, auch das Spiel über die Außen in seine Offensive einzubinden. Seit Jahren kämpft die deutsche Nationalmannschaft mit einer zu großen Abhängigkeit vom Rückraum. Die Testspiele gegen Kroatien legten eine Lösung des Problems nahe, doch speziell gegen Serbien waren die Außenspieler wieder völlig abgemeldet. Stefan Kretzschmar fand in seinem Podcast "Harzblut" nach dem Spiel deutliche Worte: "Auf Außen hätten heute auch der Busfahrer und der Physiotherapeut stehen können, muss man ganz ehrlich sagen. Da kam ja gar kein Ball hin." Ganz anders sah das gegen Spanien aus. Ganze sieben Tore erzielten die deutschen Außenspieler aus dem Spiel heraus. Auch Gíslason freute sich darüber: "Wir haben mehr in die Breite gespielt. Gegen Serbien haben wir keinen Ball nach Außen gekriegt. Sehr viel nach innen immer. Dieses Mal war das ganz anders. Viel in die Breite und schneller", so seine Analyse. Die deutsche Offensive wird so deutlich unberechenbarer. Speziell gegen die Top-Teams könnte diese Vielfalt im Angriff, sollte sie Bestand haben, entscheidend sein. Neues Selbstbewusstsein nach Drucksituation Gegen Spanien hatte die deutsche Nationalmannschaft eine enorme Drucksituation zu überstehen. Eine Niederlage hätte ein historisches Aus und wohl auch das Schicksal ihres Trainers besiegelt. In dieser Situation lieferte die junge Mannschaft auf den Punkt eine Topleistung. "Es hat heute nicht so gewirkt, als ob wir nicht diese Erfahrung haben", zeigte sich Torwart Wolff begeistert. Auch die jungen Spieler hätten "komplett abgezockt gespielt." Der Torwart glaubt daran, dass der Sieg ein "Wachrüttel-Moment" sein könnte, der der Mannschaft zeigt, dass "wenn man mit Leidenschaft und Disziplin agiert, man ganz Großes erreichen kann." Auch Renārs Uščins, selbst noch einer der jüngeren Spieler, sagte: "Natürlich ist so ein Spiel wahnsinnig wertvoll für so eine junge Mannschaft, die zwar ein bisschen Erfahrung hat, aber nicht mit solchen Situationen." Er bezeichnete die Erfahrungen aus der Vorrunde als "Gold wert". Gíslason schwärmte: "Das ist so wichtig. So ein Spiel unter diesen Umständen so gut zu spielen. Das habe ich ihnen auch gesagt. Das ist ein Riesenschritt für eine junge Mannschaft." In einem Spiel abzuliefern, wo jeder Fehler die Heimreise bedeuten könne, "das bringt eine Mannschaft wirklich weiter und müsste ein sehr großes Selbstvertrauen in die Gruppe bringen", so der Bundestrainer. Er vergleicht die Situation schon mit dem bisher größten Erfolg seiner Amtszeit: "Es ist ein bisschen wie Olympia ." Bei den Spielen von Paris reichte es 2024 am Ende für die Silbermedaille. Bei der EM ist ein ähnlicher Erfolg immer noch möglich.

