Handball-EM: Bundestrainer Gíslason schießt gegen Chefkritiker Bob Hanning
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Mit einem Sieg gegen Spanien hat das DHB-Team das Vorrunden-Aus bei der Handball-EM abgewendet. Nach dem Spiel teilte der Bundestrainer gegen einen prominenten Kritiker aus. Aus Herning berichtet Nils Kögler Es war ein äußerst gelöster Auftritt, den Bundestrainer Alfreð Gíslason am späten Montagabend in der Interviewzone der Jyske Bank Boxen im dänischen Herning hinlegte. Die Erleichterung nach dem 34:32-Sieg gegen Spanien und dem damit verbundenen Einzug in die Hauptrunde der Europameisterschaft stand dem 66-Jährigen, der im Falle eines Vorrunden-Aus wohl um seinen Job hätte bangen müssen, deutlich ins Gesicht geschrieben. Ungewohnt häufig lachte der sonst so grimmig auftretende Isländer bei seinen Antworten. In den Tagen nach der bitteren Pleite im zweiten Gruppenspiel gegen Serbien hatte nicht nur die Mannschaft allgemein, sondern vor allem auch Gíslason selbst einiges an Kritik einstecken müssen. Insbesondere Bob Hanning, Geschäftsführer des Bundesligisten Füchse Berlin und italienischer Nationaltrainer, hatte in seiner Kolumne für die "Sport Bild" gegen den Bundestrainer ausgeteilt. Hanning sprach in Bezug auf das Serbien-Spiel unter anderem von einem "Horrorstreifen", von einem "kollektiven Aussetzer" und einer "vogelwilden zweiten Halbzeit". Mit Blick auf das Spanien-Spiel kommentierte er: "Am Montagabend geht es um alles! Es geht um die Zukunft dieser Mannschaft, es geht um die Zukunft des Bundestrainers und es geht um nicht weniger als die Zukunft unserer Sportart." Seitenhieb gegen Hanning Auf die deutlichen Aussagen reagierte Gíslason am Montagabend süffisant. Zunächst gab er sich ahnungslos: "Wer war das?", fragte er angesprochen auf die Kritik eines "ihm bekannten Amtskollegen". Nach der Klarstellung, dass es sich um Hanning handele, sagte er nur: "Ah, ja sehr schön", und holte dann zum Seitenhieb aus: "Vielleicht hätte er sich ein bisschen mehr auf die Italiener konzentrieren sollen." Hintergrund seiner Bemerkung: Hanning selbst ist mit seinen Italienern nach zwei Niederlagen in den ersten beiden Vorrundenspielen bereits vorzeitig aus dem Turnier ausgeschieden. Die Fehde zwischen Gíslason und Hanning hatte bereits vor der EM begonnen, als der deutsche Bundestrainer Tim Freihöfer von Hannings Füchsen Berlin nicht in den EM-Kader berufen hatte. Hanning hatte daraufhin bekundet, Gíslason habe das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt. Gíslason hatte sich über die öffentliche Kritik eines anderen Nationaltrainers gewundert.

