Handball-EM 2026: DHB-Team fällt jahrelanges Problem auf die Füße
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Das deutsche Team steht vor dem letzten EM-Gruppenspiel gegen Spanien vor dem Aus. Ein Sieg ist Pflicht – doch dazu muss das Team eine große Schwachstelle abstellen. Die Mängelliste der deutschen Nationalmannschaft nach der überraschenden Niederlage gegen Serbien war lang. Die Abwehr fiel mit laufender Spieldauer auseinander, in der Offensive häuften sich die schlechten Entscheidungen und technische Fehler. Will das DHB-Team aus eigener Kraft in die Hauptrunde einziehen, muss es gegen Spanien (ab 20.30 Uhr im t-online Liveticker) mit drei Toren Vorsprung gewinnen. Doch gerade die Offensive stockt bisher immer wieder. Und es gilt, ein grundlegendes Problem in den Griff zu bekommen: die Siebenmeter. Vier Szenarien: So verhindert Deutschland noch das schnelle Aus Im bisherigen Turnierverlauf steht das Team bei gerade einmal 55 Prozent verwandelter Siebenmeter-Würfe. Deutschlands etatmäßiger Werfer Lukas Zerbe hat nur 62,5 Prozent seiner Versuche verwandelt. Eine unterirdische Quote. Unter anderem versagten ihm in den entscheidenden Schlussminuten beim Stand von 25:27 gegen Serbien die Nerven, als er seinen Versuch über das Tor warf und die Niederlage besiegelte. Einen weiteren Versuch vergab Marko Grgić im Auftaktspiel gegen Österreich. Zum Vergleich: Weltklasse-Schützen liegen bei einem Wert über 80 Prozent, der Durchschnitt in der Handball-Bundesliga um die 75 bis 80 Prozent Trefferquote. Dabei ist das Problem im deutschen Team hausgemacht. Vor dem Turnier löste daher die Entscheidung des Bundestrainers, Rune Dahmke statt Tim Freihöfer zu nominieren, heftige Diskussionen aus. Denn der Linksaußen der Füchse Berlin gilt als sicherer Siebenmeterschütze – auch in Drucksituationen. Allein in der vergangenen Spielzeit verwandelte er 83 Prozent aller Siebenmeter-Würfe. Der Bundestrainer entschied sich jedoch gegen den 23-Jährigen und für die Defensivstärke und Turniererfahrung von Routinier Dahmke (32 Jahre). Probleme beim Siebenmeter gibt es beim DHB-Team seit Jahren Dabei ist es gar kein neues Problem, sondern schon länger bekannt, dass die deutsche Quote bei Siebenmetern besser werden muss. Bei der WM 2023 war noch Spielmacher Juri Knorr der etatmäßige Schütze und verwandelte 23 von 25 Strafwürfen. Bei der Heim-EM in Deutschland 2024 verwandelte der 25-Jährige ebenfalls noch gute 14 seiner 19 Würfe. Seit Olympia 2024 wurde die Verantwortung jedoch auf mehrere Schultern verteilt und Knorr war nicht mehr hauptsächlich in der Verantwortung. Doch das klappte im Laufe der Zeit nicht so wirklich. Und so war es bei der WM 2025 wieder der Rückraumspieler, der erst im dritten Gruppenspiel nach 134 WM-Minuten den ersten deutschen Siebenmeter verwandelt hatte. Mittlerweile ist der Spielermacher nicht einmal mehr Ersatz-Schütze. Zudem ist seine Rolle beim Turnier undurchsichtig. Zum Auftakt gegen Österreich hatte er zunächst auf der Bank gesessen, gegen Serbien wurde er nach guter erster Halbzeit im zweiten Durchgang kaum eingesetzt. "Natürlich brodelt es in einem auf der Bank, wenn man da draußen sitzt und nicht helfen kann", sagte Knorr in der ARD . "Wir werden es jetzt nicht alleine schaffen, wir werden es nicht schaffen, wenn Leute 60 Minuten durchspielen. Wir werden es nur schaffen, wenn jeder da ist und jeder das Vertrauen hat, wenn jeder bereit ist und wenn das von uns aus der Mannschaft kommt", beschwor er den Teamgeist. Mit Blick auf das letzte Gruppenspiel und dem notwendigen Drei-Tore-Vorsprung gegen Spanien könnte seine Verlässlichkeit bei Siebenmetern wichtig werden.

