Renārs Uščins: DHB-Team vor Handball-EM 2026 in Sorge um Olympia-Held
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Bei der anstehenden Handball-EM ruhen wieder große Hoffnungen auf Renārs Uščins. Ein Schreckmoment überschattete den letzten Test. Beim DHB bemüht man sich um Optimismus. Leicht humpelnd und noch ohne Schuhe kam Renārs Uščins die Hotel-Treppe hinunter in den Pressekonferenz-Raum spaziert. Ein freundliches Lächeln und ein gehobener Daumen sollte den anwesenden Journalisten bedeuten: alles in Ordnung, kein Grund zur Sorge! Einen Tag nach dem 33:27-Erfolg bei der EM-Generalprobe gegen Vize-Weltmeister Kroatien in Hannover bemühte sich der Deutsche Handballbund (DHB) um Entwarnung. Uščins war in der Anfangsphase der Partie umgeknickt und hatte zunächst unter Schmerzen das Spielfeld verlassen. Später kehrte der 23-Jährige zurück, war mit fünf Toren einer der besten deutschen Werfer. "Das ist erstmal ein gutes Zeichen" Auch einen Tag später bleibt man beim Verband optimistisch. "Wir können erstmal positiv sein, heute Morgen sah es nicht schlechter aus als gestern und das ist erstmal ein gutes Zeichen", sagte Nationalmannschaftsmanager Benjamin Chatton auf einer Pressekonferenz im Team-Hotel am Montag. Trainieren können werde Uščins wohl zumindest am Montag nicht oder nur sehr begrenzt, ließ er verlauten. Auch wenn noch eine Untersuchung ausstehe, sei man für den EM-Auftakt gegen Österreich am kommenden Donnerstag jedoch "erstmal zuversichtlich". Horror-Auslosung bei der Handball-EM : Das ist Deutschlands Weg ins Finale Handball-EM 2026: So sehen Sie das Turnier live Einen Bericht der "Sport Bild", wonach Uščins eine Zerrung des Band-Apparats im linken Knöchel erlitten habe, wollte Chatton nicht bestätigen. "Die Diagnose habe ich in der Form noch nicht gehört. Er ist umgeknickt", sagte er. Er traue sich nicht zu, "da etwas zu formulieren, was mir nicht vorher jemand aus der medizinischen Abteilung vorgelegt hat. Das habe ich noch nicht bekommen und deshalb kann ich zum jetzigen Zeitpunkt auch noch keine Diagnose geben", so Chatton weiter. "Was wir aber jetzt schon sagen können, ist, dass es keine Verletzung ist, die das Turnier-Aus bedeutet", sagte er. Lieber nichts riskieren Auch Uščins selbst bemühte sich um Zuversicht. "Klar, man merkt noch ein bisschen Schmerzen, aber das war ja zu erwarten", sagte er. "Heute werden wir sehen, dass man noch ein bisschen Reha macht und dann schauen wir einfach von Tag zu Tag, wie das aussieht. Aber da bin ich zuversichtlich." Auch er verkündete, dass es sich auf jeden Fall nicht um eine strukturelle Verletzung handele. "Wir müssen abwarten, was der Schmerz macht. Man will ja keine Re-Verletzung riskieren. Deshalb müssen wir gucken, wie die Stabilität da aussieht." Nach seinem Debüt in der Nationalmannschaft im April 2023 war es für Uščins im Eiltempo bergauf gegangen. Bei den Olympischen Spielen 2024 avancierte er zum wertvollsten Spieler für die deutsche Silber-Auswahl. Für immer mit seinem Namen verbunden sein wird das Sechs-Sekunden-Wunder von Lille: Uščins rettete Deutschland gegen Frankreich im letzten Moment in die Verlängerung und traf mit seinem 14. Tor dort zum umjubelten Sieg. Kampf mit der Erwartungshaltung "Am Anfang war es natürlich schon cool, dass man so eine Bilderbuchgeschichte schreiben konnte. Aber je öfter man das erzählt hat, umso müder wurde man davon einfach. Da ist das Coole ganz schnell vorbeigegangen, weil das gibt mir nichts", berichtete Uščins in der ARD-Dokumentation "Goldene Generation" rückblickend über eine Zeit, die ihn mental sehr gefordert habe. Vor allem bei der WM 2025 wurde deutlich, wie sehr der junge DHB-Profi mit der Erwartung zu kämpfen hatte. Entkräftet, angeschlagen und weit entfernt von seiner Bestform schleppte sich Uščins durchs Turnier. "Das ist schwierig für ein junges Riesentalent, daran gemessen zu werden, was er bei Olympia gemacht hat. Ich erwische mich selber dabei oft, ihm ein bisschen zu viel Druck zu machen, weil ich weiß, was er kann", sagte Bundestrainer Alfreð Gíslason. In diesem Jahr präsentierte sich Uščins nach einem olympiafreien Sommer und einer vierwöchigen Verletzungspause, die er nach eigenem Bekunden nutzte, um noch mehr an seinem Körper zu arbeiten, deutlich fitter und spritziger als bei der WM im vergangenen Jahr. Das DHB-Team muss hoffen, dass die Knöchelblessur nur ein kurzweiliger Rückschlag ist.

