Rhein-Neckar Löwen gegen THW Kiel: Löwen verlieren gegen Rekordmeister (Update)
Von Tillmann Bauer
Heidelberg. Welch schöne Nachricht für die Rhein-Neckar Löwen: Rekordspieler Patrick Groetzki ist erneut Vater geworden. Herzlichen Glückwunsch!
Weitere gute Nachrichten – zumindest was Punkte betrifft – gibt es nicht. Schließlich gab’s am Sonntag im Auswärtsspiel der Handball-Bundesliga beim Rekordmeister THW Kiel eine verdiente 29:32 (14:18)-Niederlage.
"Das Spiel war eine Zusammenfassung, wie es eben oft in Kiel läuft", sagte Andy Schmid beim Bezahlsender Sky. Der Schweizer führte aus: "Wir waren anfangs richtig gut im Spiel. Und dann kommen ein paar Minuten, in denen der THW das Spiel dreht."
Dazu später mehr. Zunächst zum Emotionalen: Schmid wurde vor seinem letzten Auftritt in der Ostseehalle mit Applaus und einem Wein-Präsent begrüßt. Er gab zu: "Das war brutal. Ich bin nah am Wasser gebaut. In diesem Moment habe ich gedacht: Ich sollte vielleicht doch noch länger in der Bundesliga spielen." Nein, das ist ausgeschlossen. Sein neuer Vertrag in Luzern ist schon unterschrieben.
Selbstverständlich durfte der geniale Mittelmann (10 Tore) am Sonntag beginnen. Denn nicht nur Papa Groetzki fehlte an der Förde, sondern auch die verletzten Mikael Appelgren (Knie/Schulter), Andreas Palicka (krank), David Späth (Kreuzband), Benjamin Helander (Sprunggelenk) und Albin Lagergren (Fuß). Weil zudem Ilija Abutovic und Uwe Gensheimer angeschlagen auf der Bank saßen, gab es für Trainer Klaus Gärtner kaum Optionen. So starteten Lion Zacharias (18 Jahre) und Mamadou Diocou (21) als unglaublich junge Flügelzange.
Und obwohl beide in ihren insgesamt fünf Wurfversuchen gänzlich glücklos blieben, zeigten die Löwen in den ersten 20 Minuten eine sehr gute Partie. Schmid und Niclas Kirkelokke, der jüngst seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert hat, bestachen mit gutem Zug zum Tor. Defensiv überstand man im ersten Abschnitt gleich zweimal eine doppelte Unterzahl, weil Nikolas Katsigiannis Chance um Chance vereitelte. "Katze" (10 Paraden) bereitete den Zebras mit seinem unorthodoxen Torwartspiel Kopfzerbrechen.
Was den Löwen wohl kaum jemand zugetraut hatte, war eingetroffen: Nach 20 Minuten führten sie mit 11:9.
Was man dafür von den Löwen schon häufiger gesehen hat: Sie brachen ein. Weil die Kieler die Abwehr offensiv umstellten, kamen die Badener innerhalb von wenigen Minuten von ihrem Konzept ab, machten hektische Fehler, kassierten einen 0:4-Lauf und stiefelten mit einem Vier-Tore-Rückstand in die Kabine – obwohl sie nicht so viel schlechter waren.
Diese Hypothek aus den letzten Minuten des ersten Abschnitts war letztendlich zu groß. Zwar spielten die Löwen, die mittlerweile 16 Minuspunkte haben, bis zum Schluss wacker mit, es reichte aber nicht, um dem souveränen Klassenprimus gefährlich zu werden. Kapitän Gensheimer freute sich Ende des ersten Abschnitts über sein Comeback und sechs Tore aus sechs Versuchen.
"Wir haben uns wieder nicht belohnt", sagte Coach Gärtner: "Letztendlich haben wir ein paar Fehler zu viel gemacht. Es entscheiden dann Kleinigkeiten – natürlich ist der Kieler Sieg aber verdient." Summa Summarum: Dass es in Kiel keine Punkte gab, ist für die Löwen keine Schande.
Wichtig wird’s am Mittwoch (19 Uhr), wenn es im Pokal-Achtelfinale gegen den TVB Stuttgart geht. Und dann ist hoffentlich auch wieder Papa Patrick dabei.
Kiel: Wiencek 5, Zarabec 5, Ekberg 9/5, Sagosen 3, M. Landin 2, Weinhold 3, Duvnjak 2, Dahmke 1, Pekeler 1.
Löwen: Schmid 10/6, Kohlbacher 3, Kirkelokke 4, Nilsson 4, Ahouansou 1, Gensheimer 6, Knorr 1.
Strafminuten: Weinhold 4, Pekeler 2, Wiencek 2 – Gislason 2, Kirkelokke 2, Kohlbacher 4, Diocou 2, Nilsson 2.
Stenogramm: 2:2 (5.), 5:5 (10.), 5:6 (15.), 9:10 (20.), 14:12 (25.), 18:14 (Halbzeit), 20:16 (35.), 23:18 (40.), 25:20 (45.), 27:23 (50.), 29:25 (55.), 32:29 (Ende).
Zuschauer: 9000.
Update: Sonntag, 12. Dezember 2021, 21.20 Uhr
Kiel (dpa) Rekordmeister THW Kiel hat den zweiten Platz in der Handball-Bundesliga mit einem 32:29 (18:14) gegen die Rhein-Neckar Löwen verteidigt.
Dank des Erfolges bleibt der Titelverteidiger mit 24:6 Punkten weiter erster Verfolger des immer noch ungeschlagenen Spitzenreiters SC Magdeburg (28:0). Bester Kieler Werfer war am Sonntag vor 5000 Zuschauern Niclas Ekberg mit neun Toren. Für die Löwen trafen Regisseur Andy Schmid (10) und Linksaußen Uwe Gensheimer (6) am häufigsten.
THW ab Minute 20 in Führung
Der THW, bei dem Ex-Nationalspieler Steffen Weinhold seinen Vertrag vor dem Anpfiff um ein weiteres Jahr bis 2023 verlängert hatte, fand schwer ins Spiel und lief zunächst ständig einem Rückstand hinterher. Erst nach 20 Minuten bekamen die Hausherren den Gegner besser in den Griff und schafften mit einem 4:0-Lauf vom 9:11 zum 13:11 (24.) die Wende.
Bis zur Pause verschaffte sich der Titelverteidiger dann ein beruhigendes Vier-Tore-Polster, das nach dem Wechsel behauptet und trotz einiger Unkonzentriertheiten sicher über die Zeit gebracht wurde. "In der Schlussphase waren wir etwas zu leichtfertig. Das müssen wir abstellen", sagte THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi am Sky-Mikrofon.

