Rhein-Neckar Löwen: Was David Späth in Kroatien vermisst hat
Von Tillmann Bauer
Heidelberg. In Kroatien gibt’s keinen Gurkensalat. Das berichtet zumindest David Späth, als wir ihn am Donnerstag auf sein Lieblingsgericht ansprechen. Da sitzt er gerade in seinem kleinen Zimmer im Kronauer Nachwuchsinternat. "Leider", lacht er: "Na ja, manchmal habe ich zumindest Gurken pur bekommen", sagt er zur RNZ: "Das war dann auch gut so."
Späth ist Handball-Torwart – und viel interessanter: Er ist der absolute Shootingstar der Rhein-Neckar Löwen. Mit gerade 19 Jahren hat er sich in der vergangenen Saison als A-Jugendlicher ins Rampenlicht der Bundesliga gespielt, folgerichtig seinen ersten Profivertrag unterschrieben, vor wenigen Tagen ist er dann furios in Kroatien mit der U 19-Nationalmannschaft Europameister geworden und wurde dabei auch noch mal eben als bester Schlussmann ins Allstar-Team gewählt. Kann man mal machen ...
Er sagt: "Es lief ganz gut." Bescheidenheit ist seine Stärke.
So kam der frischgebackene Titelträger also am Montagmittag am Flughafen an, fuhr unmittelbar in die Kronauer Trainingshalle und wurde dort schon von seinen Teammitgliedern empfangen.
Alle Kollegen haben sich für ihn gefreut, so Späth, direkte Bezugspersonen, wie seine beiden Torwart-Kollegen Mikael Appelgren und Andreas Palicka, haben ihm direkt nach dem Finale per WhatsApp gratuliert. "Das hat mich schon sehr gefreut", sagt Späth: "Es haben wirklich viele die Spiele verfolgt."
Zeit, um das Erlebte zu realisieren, gibt es de facto nicht. Dienstags stand lockeres Krafttraining auf dem Programm, mittwochs ging es schon mit den Profis zum Testspiel nach Göppingen – diesen Samstag (18 Uhr) und Sonntag (15 Uhr) stehen schon die ersten beiden Pflichtspiele der Saison an. In der ersten Qualifikations-Runde zur EHF European League spielt man am Wochenende zweimal in der Stadthalle Östringen gegen den türkischen Meister Spor Toto SK aus Ankara. Urlaub? Sollen andere machen!
"Für mich ist jedes Spiel bei den Profis eine Ehre", sagt Späth: "Ich werde auch gegen Ankara spielen. Und ich will auch zu 100 Prozent spielen."
Mit dem Trainerteam sei abgesprochen, dass der Nachwuchsmann in den kommenden Wochen, wenn es mal mehrere spielfreie Tage gebe, auch eine Pause bekomme. Späth: "Sie wollen mich natürlich auch nicht verheizen." Schließlich werden die Probleme im Löwen-Tor nicht verschwinden. Eine Rückkehr des Schweden Appelgren (Knie) steht nach erneuter Operation wieder in den Sternen, so dass mit Nikolas Katsigiannis deshalb eine Aushilfe reaktiviert wurde.
Und: Weltklasse-Schlussmann Andreas Palicka steht vor seiner letzten Runde im Löwen-Trikot. Dass er zum Starensemble von Paris St. Germain wechseln wird, findet Späth schade. Er sagt: "Ich habe ihm zu diesem Transfer gratuliert, aber ich werde ihn sehr vermissen. Palle ist für mich ein extrem wichtiger Ansprechpartner."
Verpflichtet wurde Palicka übrigens von Thierry Omeyer – der ehemalige französische Weltklasse-Torwart war und ist das große Vorbild von Späth.
Ob er denn irgendwann auch mal in Paris spielen möchte? "Puh, die Chance bekommt wirklich nicht jeder", sagt Späth: "Wenn Omeyer plötzlich bei mir anrufen würde, da stockt glaube ich erst einmal der Atem." Und auch sein Schulfranzösisch müsste er dann – nach eigenen Angaben – zunächst aufbessern.
Aber nein: Der Shootingstar will sich voll und ganz auf die Löwen konzentrieren. Er sagt: "Ich will zeigen, dass die vergangene Runde kein Zufall war. Ich will noch konstanter werden." Für einen guten Pflichtspielauftakt sind für die Badener zwei Siege am Wochenende Pflicht.
"Wir werden die Türken nicht unterschätzen", verspricht Späth: "Aber es muss definitiv unser Anspruch sein, weiterzukommen." Vielleicht gibt’s zur Belohnung im Internat dann auch wieder einen leckeren Gurkensalat.

