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Rhein-Neckar-Löwen gegen Melsungen: Eine Späth-Gala, ein Schmid-Jubiläum und ein Sieg vor Zuschauern

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Von Tillmann Bauer

Mannheim. Was haben sich die Verantwortlichen der Rhein-Neckar Löwen in den vergangenen Jahren alles für Vorwürfe bezüglich der Personalplanung anhören müssen.

Die Kritik war (und ist nach wie vor) berechtigt – keine Frage.

Zu einer Entscheidung kann man dem Handball-Bundesligisten aber gar nicht oft genug gratulieren: Junglöwe David Späth (19), der eigentlich noch in der A-Jugend spielen dürfte, frühzeitig mit einem langfristigen Profivertrag ausgestattet zu haben, scheint sich immer mehr zu einem herausragenden Entschluss zu entwickeln.

"Ein ganz besonderer Tag"

Wenn wir beim überzeugenden und niemals gefährdeten 31:22 (15:10)-Bundesliga-Heimsieg der Rhein-Neckar Löwen gegen die kriselnde MT Melsungen noch einen Spieler herausheben möchten, dann ist es der Nachwuchs-Torwart. Mit zwölf Paraden (40 Prozent gehaltene Bälle) machte Späth – wieder einmal – ein überragendes Spiel und ließ die Verletzungen von Mikael Appelgren, Andreas Palicka und Nikolas Katsigiannis in Vergessenheit geraten. Chapeau!

"Wir standen sehr gut in der Abwehr, das hat es mir erleichtert, die Bälle zu halten", sagte Späth bescheiden und schob noch bescheidener hinterher: "Es war eine geschlossene Mannschaftsleistung."

Wenn’s läuft, ist meist auch die Stimmung entsprechend. Gute Laune verbreitete sich am sonnigen Sonntag schon vor dem Anpfiff. Die 250 Zuschauer, die nach 467 Tagen Hallenverbot wieder in die SAP Arena kommen durften, freuten sich. Sie schrien, soweit sie das mit Maske konnten, sie jubelten, klatschten und sahen dabei, dass diese Unterstützung die Jungs auf dem Spielfeld beflügelte.

"Das ist ein ganz besonderer Tag für uns", sagte Geschäftsführerin Jennifer Kettemann: "Es ist wirklich sehr emotional. Das gibt uns Antrieb."

Tatsächlich – Kapitän Uwe Gensheimer (10 Tore) meldete sich nach überstandener Verletzung mit einem Sahnetag zurück, sein Kumpel, Mitspieler und Geschäftspartner Andy Schmid feierte ebenfalls ein besonderes Jubiläum: Der Schweizer überschritt durch seine sieben Treffer die magische Grenze von 1500 Bundesliga-Toren – umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass diese ausnahmslos alle im Trikot der Löwen erzielt wurden.

Weil sich die Mannheimer insgesamt an diesem Tag hungriger, konsequenter im Abschluss und seltenerweise auch mal kompakter in der Defensive zeigten, gab’s nach zuletzt fünf sieglosen Ligaspielen in Serie wieder einen doppelten Punktgewinn. 23 Minuspunkte reichen weiter für den vierten Rang – dieser Erfolg war im Kampf um Europa immens wichtig.

"Wir haben super verteidigt", sagte Klaus Gärtner. Gerade für den Trainer, der nach dem fließenden Übergang von Co- zu Chefcoach keinen leichten Stand hatte, war diese Leistung erleichternd. Er sagte: "Wir haben gesehen, dass sich die Trainingsarbeit auch lohnt."

Zurecht gelobt wurde David Späth. Der Matchwinner bedankte sich brav, gab die warmen Worte aber direkt an 250 andere Menschen weiter. Er sagte: "Die Fans haben uns unheimlich geholfen. Für mich hat sich’s angefühlt, als ob die Halle voll wäre." Zur Erinnerung: Das wären in der SAP Arena dann 13 200 Menschen. Bis dahin muss er sich wohl noch etwas gedulden.

Löwen: Patrail 1, Schmid 7, Nilsson 2, Kohlbacher 3, Lagergren 4, Gensheimer 10/3, Lagarde 1, Gislason 1, Ahouansou 1, Kirkelokke 1.

Melsungen: Kunkel 3, Kastening 5, Pavlovic 3, Häfner 5, Lemke 1, Kühn 2, Reichmann 3.

Strafminuten: Gislason 2, Kohlbacher 2 – Danner 2, Salger 2.

Stenogramm: 3:2 (5.), 6:4 (10.), 9:5 (15.), 11:6 (20.), 13:6 (25.), 15:10 (Halbzeit), 20:11 (35.), 22:14 (40.), 24:15 (45.), 26:18 (50.), 29:20 (55.), 31:22 (Ende).

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