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Rhein-Neckar Löwen: Kim  Ekdahl Du Rietz kommt für Finalturnier zurück (Update)

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Mannheim. (dpa) Handball-Bundesligist Rhein-Neckar Löwen holt für das Finalturnier der neuen European League an diesem Wochenende Rückraumspieler Kim Ekdahl Du Rietz zurück. Der 31 Jahre alte Ex-Löwe hatte seine Karriere ursprünglich im Sommer 2017 beendet, 2018 aber schon einmal bei den Badenern ausgeholfen. Bis März 2020 spielte der Schwede dann noch für Paris Saint-Germain in Frankreich.

"Als ich erfahren habe, dass die Mannschaft vor dem Finalturnier große Verletzungsprobleme hat, haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, ob ich den Jungs noch einmal helfen kann", sagte Ekdahl Du Rietz in einer Vereinsmitteilung vom Freitag. Der Ex-Nationalspieler studiert mittlerweile in Hongkong und hat sich eigener Aussage nach dort fit gehalten. Seinen Urlaub verbringt er derzeit in Deutschland. "Allein durch seine Erfahrung und individuelle Klasse ist er für uns kurzfristig eine Verstärkung und Entlastung für unseren Kader", sagte der Sportchef des zweimaligen deutschen Meisters, Oliver Roggisch.

Die Löwen treffen im Halbfinale des Final Four in eigener Halle am Samstag (20.45 Uhr/DAZN) auf den Bundesliga-Rivalen Füchse Berlin. Zuvor stehen sich der SC Magdeburg und Wisla Plock (Polen) gegenüber.

Update: Freitag, 21. Mai 2021, 14.09 Uhr


"Brauchen den Titel, um die Saison zu retten"

Von Tillmann Bauer

Heidelberg. Als wir am Mittwochabend mit Michel Abt telefonieren, ist der THW Kiel gerade aus der Handball-Champions-League ausgeschieden. Eine 28:34-Niederlage in Paris war gleichbedeutend mit dem Aus im Viertelfinale. "Ich habe vor allem das Hinspiel begeistert verfolgt", sagt Abt zur RNZ: "Schade – aber über zwei Spiele war’s dann doch verdient."

Ein internationaler Titel bleibt den Kielern also diesmal verwehrt. Die Rhein-Neckar Löwen haben dagegen noch Chancen, sich die europäische Krone aufzusetzen. Zwar geht’s am Wochenende im Final Four in der Mannheimer SAP Arena, das als "Finale dahäm" deklariert ist, nicht um die Königsklasse, sondern "nur" um die EHF European League – für den ganzen Verein sind es aber wohl die zwei wichtigsten Spiele der gesamten Saison.

Abt weiß das. Er kam beim Finalwochenende 2013 zwar nicht zum Einsatz, darf sich aber trotzdem EHF-Pokalsieger nennen. Außerdem machte er vor wenigen Wochen Schlagzeilen: Als Jahrgangsbester (1,6) hat Abt die Prüfung seiner A-Trainerlizenz bestanden. Mit ihm bewerten wir die momentane Lage der Löwen.

Michel Abt, würden Sie sich selbst als Streber bezeichnen?

(lacht) Nein, definitiv nicht. Auch wenn ich in den vergangenen Tagen viele solche Nachrichten nach dem Lehrgang bekommen habe. Ich würde es eher so bezeichnen, dass ich mein Referendariat (1,6) und auch den Trainerlehrgang (1,6) genutzt habe, um so viel wie möglich aufzusaugen. Ich wollte nicht in die Prüfung gehen und sagen: Schaun’ wir mal, was kommt.

Waren Sie in der Schule auch schon so ambitioniert?

Na ja, Abischnitt 2,4. Studium 1,9. Sagen wir so: Es wurde im Laufe der Jahre immer besser.

Eine A-Trainerlizenz öffnet bekanntlich neue Türen. Was sind Ihre Pläne?

Ich habe auf jeden Fall eine Eintrittskarte – und das ist gut so. Aber es geht jetzt nicht in der nahen Zukunft darum, neue Trainerjobs zu bekommen. Trotzdem habe ich jetzt die Lizenz, und dann schaue ich einfach, was kommt. Ich bin für alles offen.

Bei den Rhein-Neckar Löwen ist die Position des Cheftrainers für die nächsten Jahre erst einmal abgedeckt.

Ja, das ist auch alles okay für mich. Ich kann mir vorstellen, als Co-Trainer bei einem großen Verein zu lernen und dabei aus einer anderen Perspektive Dinge mitzunehmen. Langfristig sehe ich mich aber durchaus als Cheftrainer.

Bei den Profis wird der bisherige Co-Trainer Klaus Gärtner zum Chef befördert. Eine gute Lösung?

Natürlich wäre es für alle Beteiligten einfacher gewesen, wenn Sebastian Hinze schon im Sommer gekonnt hätte. Den Co-Trainer zum Chef zu machen, ist mutig. Wenn dahinter aber ein klares Konzept steht, ist es machbar. Ich hoffe natürlich, dass er erfolgreich ist.

In den vergangenen Wochen gab’s einen fließenden Übergang von Martin Schwalb zu Klaus Gärtner. Die vergangenen drei Spiele wurden verloren. Ein undankbarer Start.

Es wäre falsch, ihm das jetzt alles zuzuschieben. Das kann man momentan alles noch nicht beurteilen. Da muss man dann die ganze Saison abwarten. Die Liga ist in diesem Jahr einfach verdammt ausgeglichen. Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass es nicht der Anspruch ist, gegen Stuttgart oder Erlangen zu verlieren.

Sie sprechen die jüngsten Niederlagen an. Was haben Sie dabei gedacht?

In gewisser Weise war das schon sehr enttäuschend. Es sind in dieser Saison einfach sehr viele Höhen und Tiefen, die Konstanz fehlt. Da gibt’s Spiele, in denen man gegen die Topteams nur 23 Gegentore bekommt. Und es gibt Spiele, da kriegt man 30 gegen Erlangen, obwohl man 18 Paraden hat – das verblüfft mich schon.

Beim Zuschauen war eine Verunsicherung spürbar. Man hatte das Gefühl, dass das Selbstverständnis fehlt.

Ja, das Problem ist, dass mittlerweile die anderen Teams wissen, dass sie nicht chancenlos sind. Es muss wieder das Ziel sein zu sagen: Wir sind die Löwen, bei uns gibt’s nix zu holen – ihr könnt heimfahren.

Die Anreise am Wochenende ist recht kurz. Durch den Titelgewinn in der EHF European League könnten die Löwen all das Schlechte vergessen machen. Optimistisch?

Das Halbfinale gegen Berlin ist für mich ein 50:50-Spiel. Klar hat man zuletzt das Bundesligaspiel verloren, aber in der Begegnung hatten die Löwen ja alle Chancen. Es ist immer noch eine Mannschaft, die jeden schlagen kann. Und auch wenn die Halle leer ist, ist ein gewisser Heimvorteil da. Eigentlich braucht man den Titel, um die Saison zu retten.

Blicken wir ins Jahr 2013 zurück. Damals gewannen die Löwen unter Gudmundur Gudmundsson den EHF-Pokal – es war der erste Titel der Vereinsgeschichte. Welche Last fiel damals ab?

Eine sehr große. Der erste Titel ist immer ganz entscheidend in der Historie. Damit zeigt man, dass man auf dem Markt ist. Das ist reizvoll für gute Spieler, für Sponsoren. Es folgte ja eine gute Entwicklung, Meisterschaften, der Pokalsieg. Ich glaube das war mit der Grundstein dafür, dass die Löwen dort sind, wo sie sind.

Was würde der nächste Titelgewinn am Wochenende bedeuten?

Bestätigung und Anerkennung in einem verdammt schwierigen Jahr. Er würde zeigen, dass es doch noch Lichtblicke gibt, wenn man denkt, dass gar nichts geht. Vielleicht gewinnt man ja den Titel und wird in der Bundesliga Dritter. Dann sieht die Saison gar nicht so schlecht aus.

Und wenn man ausscheidet und in der Liga Fünfter wird?

Dann ist es wahrscheinlich schon eine verkorkste Saison. Weil das nicht der Anspruch der Löwen ist. Dann muss man alles schonungslos und ohne Rücksicht auf Verluste analysieren und aufarbeiten.

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