Rhein-Neckar: Warum Gensheimer in Magdeburg so im Mittelpunkt stand (Update)
Von Tillmann Bauer
Heidelberg. Während Bennet Wiegert mit gesenktem Blick zum Interview beim Privatsender Sky dackelte, schoben die Sanitäter gerade eine orangene Trage über das Spielfeld der Getec Arena Richtung Kabinengang. Der Magdeburger Trainer war nicht nur bedient, weil seine Jungs das Spitzenspiel in der Handball-Bundesliga gegen die Rhein-Neckar Löwen mit 31:33 verloren hatten und das nun bereits die dritte Heimniederlage der Saison war. Sondern auch, weil sich fünf Minuten vor Schluss Leistungsträger und Identifikationsfigur Matthias Musche böse das Knie verdreht hatte und vor allem – weil seine Mannschaft wohl nicht ganz auf das Sportliche fokussiert war. Er sagte: "Wenn ich in die Halle komme und das einzige Thema ist, ob Uwe Gensheimer mit dabei ist. Dann sage ich: Es ist doch egal, ob Uwe Gensheimer mit dabei ist."
Zur Erklärung: Der Löwen-Kapitän hatte sich zuletzt bei der Nationalmannschaft mit Stuttgarts Torwart Jogi Bitter ein Zimmer geteilt. Nachdem Bitter positiv auf das Coronavirus getestet wurde und sich sofort in häusliche Quarantäne begeben musste, war das Ergebnis bei Gensheimer mehrfach negativ. Der Friedrichsfelder reiste also mit dem Auto nach Magdeburg, während sich seine Teamkollegen bereits am Vortag mit dem Bus auf den Weg in den Osten gemacht hatten. Wiegert zog die Augenbrauen hoch: "Es ist nicht greifbar, dass Flensburg gegen Melsungen abgesagt wird, weil es ein Risiko gibt, obwohl alle Spieler negativ getestet worden sind. Und der Spieler, der mit Jogi Bitter auf einem Zimmer war, kommt nach Magdeburg und spielt."
Der 38-Jährige gab zu bedenken: "Wenn wir Trainer oder Spieler das nicht begreifen, wie soll es dann der normale Handball-Fan verstehen?"
Wie dem auch sei, Gensheimer spielte. Und Gensheimer spielte sehr gut. Mit sieben Toren war der 34-Jährige gemeinsam mit Albin Lagergren, der bei der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte ein starkes Spiel machte, der beste Werfer der Begegnung. "Wir haben es über 60 Minuten verdient, hier in Magdeburg zu gewinnen", sagte Gensheimer. Die Löwen traten mit Charakter im Corona-Chaos auf: "Wir haben besser gespielt, waren die bessere Mannschaft."
Und hatten den besseren Schlussmann, könnte man ergänzen. "David kam ins Tor und hat uns mit ein paar Paraden wichtige Bälle gebracht – das hat uns auch im Angriffsspiel Sicherheit gegeben", lobte Gensheimer den 18-jährigen David Späth. Coach Schwalb ergänzte: "Man hat gesehen, dass er gar keine Nerven hat. Er ist ganz cool, ein super Typ und toller Torhüter – er macht es überragend, es ist schön, diesen Jungen in der Mannschaft zu haben."
Ob der Junglöwe auch im nächsten Spiel wieder eine Chance bekommt? Wenn es an diesem Samstagabend (18.05 Uhr/Sky)* beim Geisterspiel in der SAP Arena zum Wiedersehen mit Isaias und Gedeon Guardiola kommt, wollen die Mannheimer gegen den TBV Lemgo die nächsten zwei Punkte einfahren. Weil die andere hochklassige Begegnung zwischen der SG Flensburg-Handewitt und der MT Melsungen bekanntlich kurzfristig abgesagt wurde, grüßen die Löwen nun vorübergehend mit zwei Minuspunkten von der Tabellenspitze.
Für den SC Magdeburg geht’s dagegen direkt nach Melsungen. Auch wenn es aktuell schwerfällt – dort sollten sich die Jungs von Bennet Wiegert wieder nur auf das Sportliche konzentrieren.
Anmerkung: Das Heimspiel gegen Lemgo Lippe wird am Samstag rund zweieinhalb Stunden früher beginnen als zunächst geplant. Weil nun neben Sky auch die ARD live übertrage, sei der Anwurf bereits um 18.05 Uhr statt wie zunächst geplant um 20.30 Uhr, teilten die Löwen am Freitag mit. Die ARD hatte ursprünglich MT Melsungen gegen den SC Magdeburg übertragen wollen, das Spiel musste coronabedingt jedoch verlegt worden.

