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Hirschberg: Auf Sand und in der Halle zuhause

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Von Annette Steininger

Hirschberg/Nußloch. Als der Spanier Manel Cirac vor vier Jahren nach Deutschland kam, staunte er nicht schlecht, wie hierzulande mit Handballern umgegangen wird. Ein prägendes Erlebnis war für ihn, wie nach einem Spiel der Sportgemeinde Leutershausen (SGL) plötzlich Tische herbeigetragen wurden und Handballer wie Zuschauer gemeinsam aßen und feierten. "Das war toll", erinnert sich der 32-Jährige. Überhaupt hat er in Hirschberg erfahren: "Hier wird Handball gelebt." Auch der Kontakt zum Fanclub Rote Teufel sei gut.

Dabei hat Cirac, ein gelassener, freundlicher, fast zwei Meter großer Sportler, schon allerlei von der Welt gesehen. Inzwischen lebt er in Nußloch, zuvor in Luxemburg, stammt aber ursprünglich aus Granollers bei Barcelona. Dort, in einer Stadt mit großer Handball-Tradition, erlernte er auch mit zehn Jahren den Ballsport. Mit 18 Jahren fing er an, professionell Handball zu spielen. Nicht nur in Spanien, später auch in Luxemburg.

Da es aber weder in dem einen noch in dem anderen Land möglich ist, allein vom Handballspiel zu leben, hat Cirac auch studiert und zwei Abschlüsse in Business Administration und Human Ressources. In Wiesloch arbeitet er für die Heidelberger Druckmaschinen als Digital Transformation Manager, kümmert sich also um die Digitalisierung des Unternehmens.

Wenn er nicht vor dem Computer sitzt, dann ist nicht nur der Hallenboden sein Zuhause, sondern auch der Sand: Seit November 2019 ist Cirac nämlich Co-Trainer der deutschen Beachhandball-Nationalmannschaft. Und das kam so: Er absolvierte 2016 gemeinsam mit dem heutigen Trainer Konrad Bansa den "EHF Beach Coaches Course" in Thessaloniki. Der Kontakt riss nie ab, sodass Bansa im vergangenen Jahr auf Cirac zukam und ihn fragte, ob er Lust hätte, ihn zu unterstützen. Der Handballer, der erst 2016 mit Beachhandball begonnen hatte, hatte Lust. Und schon ein Jahr später feierte er als Aktiver den Europameister-Titel mit der spanischen Nationalmannschaft im Jahr 2017 in Zagreb.

Jetzt widmet er sich seiner Arbeit als Co-Trainer der deutschen Mannschaft, die in Frankfurt trainiert. Da es sich um einen "Draußen-Sport" handelt, sind sie schon seit Juni wieder am Start und bereiten sich auf die Weltmeisterschaft vor. Dabei ist aufgrund von Corona noch unsicher, ob sie überhaupt stattfinden kann. Manel Cirac schätzt am Beachhandball, dass es dynamischer ist als Handball in der Halle. Während des Spiels läuft Musik, der Ball fliegt natürlich nicht über Hallenboden, sondern über Sand. Dribbeln gibt es hier nicht, Beachhandball zeichnet sich durch viele Pässe aus. Andernfalls kann man den Ball noch in einer Art Roll-Bewegung mit sich führen.

Beachhandball verdankt Cirac noch mehr als "nur" den Posten des Co-Trainers: Er lernte, ebenfalls in Thessaloniki, seine Freundin aus Erlangen kennen. Das gemeinsame Glück wurde vor fünf Monaten von der Geburt der gemeinsamen Tochter gekrönt. "Handball verdanke ich so viel", sagt Cirac glücklich. Als wäre sein vielfältiges Engagement im Sport noch nicht genug, kam ihm im Dezember 2019 noch die Idee einer Neu-Gründung. "Seit ich 22 bin, bin ich immer wieder als Unternehmer tätig gewesen", erzählt Cirac. Im vergangenen Jahr war es wieder so weit: Er machte sich Gedanken darüber, dass es im Sport-Bereich ziemlich schwierig ist, richtig gute Trainer zu bekommen, um sich von ihnen Tipps zu holen. Auch kostet eine Trainerausbildung viel Geld. Also gründete Cirac eine Art Netflix-Sportplattform, zu finden unter www.spinnhub.com.

Hier kann man sich – gegen Geld, versteht sich – Tipps von richtigen Berühmtheiten holen oder mit ihnen trainieren. So gibt beispielsweise eine Artistin des weltberühmten "Cirque du Soleil" Yoga-Kurse, der Trainer der Los Angeles Lakers verrät, wie er die NBA-Größen in Form bringt. "Das war schon ein tolles Gefühl, mit ihm zu sprechen", schwärmt Cirac. Derzeit werden auf der Plattform 155 Kurse von 30 Trainern angeboten, in Kürze sollen es 100 Kurse und 15 Trainer mehr werden.

Trotz all dieser verschiedenen Beschäftigungsfelder liegt ihm die SGL und deren Erfolg sehr am Herzen. "Wir haben ein super Team! Ich denke, wir können den Aufstieg in die Zweite Liga schaffen", ist Cirac überzeugt. Er selbst will jetzt noch vier Jahre als aktiver Spieler mitmischen. Dann will er sich intensiver um seiner Tochter kümmern. Vielleicht aber noch als Trainer arbeiten. Ganz loslassen wird sicherlich schwer: Schließlich zieht sich Handball wie ein roter Faden durch sein Leben.

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