Rhein-Neckar Löwen: Für Donnerstag alte Videos herauskramen
Von Tillmann Bauer
Heidelberg. Das Geschenk vor Weihnachten kam dann doch noch, eben nur mit etwas Verspätung. Nach der großen Ernüchterung, weil die Handballer der Rhein-Neckar Löwen das Bundesliga-Spitzenspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt vor eigenen Zuschauern mit 22:24 verloren, haben sich die Badener am Sonntagabend wohl kurz die Augen gerieben, als sie sahen, was die Konkurrenz veranstaltete. Der unangefochtene Tabellenführer THW Kiel, der für viele als absoluter Favorit auf die Meisterschaft gehandelt wird, patzte. Zuhause setzte es für die Zebras eine deftige 20:27-Pleite gegen die HSG Wetzlar. Das war definitiv nicht zu erwarten.
"Wenn man die Tabelle anschaut, dann sind wir zumindest noch im Rennen um den zweiten Platz", hatte Andy Schmid noch ein paar Stunden zuvor im Bauch der SAP Arena gesagt. Nun, nach 19 absolvierten Spielen und vor der letzten Begegnung des Kalenderjahres am Donnerstag (16 Uhr) beim Bergischen HC im Düsseldorfer ISS Dome, stehen die Löwen zwar mit zwölf Minuspunkten auf dem fünften Rang, der Klassenprimus aus Kiel ist aber wieder lediglich vier Zähler entfernt. Eine kuriose Ausgangslage, wenn man bedenkt, wie schwer man sich in den vergangenen Wochen auf dem Spielfeld tat – rein rechnerisch ist vor Weihnachten noch alles möglich. Neben Flensburg (Zehn Minuspunkte) und Kiel (8) aus dem Norden sind auch noch Hannover (8), Magdeburg (10) und die Füchse Berlin (12) im Geschäft – die Spitze ist näher zusammengerückt.
"Wir müssen beim Bergischen HC jetzt unbedingt gewinnen und uns dann alle mal hinterfragen", sagte Schmid. Der Schweizer, der seit 2010 das Löwen-Trikot trägt, weiß, welche Auswirkungen das traditionelle Duell am zweiten Weihnachtstag hat – es ist der letzte Eindruck, den man vor der Europameisterschafts-Pause hinterlässt: "Ich habe das Gefühl, dass wir als Mannschaft irgendwas auf den Schultern tragen, was wir nicht losbekommen. Aber es hilft manchmal, dass man es überhaupt ausspricht und auch miteinander redet."
Um bei den Bergischen Löwen gewinnen zu können, sollte man einerseits – um nicht noch zusätzlichen Ballast zu haben – die Weihnachtsgans gut verdauen, andererseits an der eigenen Effektivität im Abschluss arbeiten. Diese hat den Badenern nämlich vor allem in der Schlussphase gegen Flensburg einen Strich durch die Rechnung gemacht. Unkonzentriert zeigte man sich vor dem Tor und ließ beste Möglichkeiten aus.
Selbst der sonst so treffsichere Uwe Gensheimer verwandelte lediglich fünf seiner zehn Würfe und hatte damit eine eher bescheidene Wurfquote von 50 Prozent. Zum Vergleich: Im Hinspiel gegen den BHC Anfang September, das die Mannschaft von Trainer Kristjan Andresson mit 30:24 gewinnen konnte, netzte Gensheimer neunmal ein bei nur einem Fehlwurf.
Vielleicht wird über Weihnachten nochmal das eine oder andere alte Video zum Selbstvertrauen tanken herausgekramt…
Bundesliga, Donnerstag, 16 Uhr: Bergischer HC - Löwen.

