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Dirtpark in Eberbach: Acht Jahre Irrglauben über gesperrten Platz? (plus Video und Fotogalerie)

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Von Martina Birkelbach

Eberbach. Es war ein Traum, der im Sommer 2009 für einige Jugendliche in Erfüllung ging: Ihnen wurde ein "eigener" Dirtpark hinter dem Handballerheim genehmigt. Etwas über ein Jahr lang, bis 2011 wurde gebuddelt und gesprungen - Adrenalin pur. Teilweise kamen bis zu 30 Dirtbiker im Alter zwischen zehn und 30 Jahren, um sich dort auszupowern. Sogar aus Neckargemünd, Hirschhorn, Heidelberg, Allemühl, Moosbrunn und Waldbrunn kamen die Sportler angereist.

Dann der Schock: Schluss, Aus, Vorbei. Laut Dirtbiker Martin Riedl, der von Anfang an dabei war, teilte die Stadt plötzlich mit, dass ein weiteres Fahren dort untersagt ist, der Platz offiziell gesperrt wurde. Die Enttäuschung war groß. Heute, zehn Jahre später, heißt es aus dem Rathaus, das der Platz niemals gesperrt wurde, und auch jetzt das Dirtbiken dort noch möglich ist. Acht Jahre Irrglauben?

Zurück ins Jahr 2009: Martin Riedl, Max Kaufmann und die Zwillinge Marvin und Steven Kaufmann (fast alle sind um die 15/16 Jahre alt und bereiten sich auf ihren Realschulabschluss im kommenden Jahr vor) haben einen Termin bei Bürgermeister Bernhard Martin organisiert. Bislang sind sie am Skatepark am Neckarlauer gefahren, dann wurde die Rampe aus Sicherheitsgründen abgeschafft. Also mussten sie ausweichen: Mannheim, Speyer, Heidelberg, Mosbach, Darmstadt.

Mit einer Mappe und eigens gezeichneten Plänen macht sich Riedl auf den Weg zum Stadtoberhaupt. Seine Platzvorschläge: Am Neuen Weg, In der Au, in Wimmersbach und hinter dem HGE-Heim. Seine Argumente: "Es heißt immer, die Jungen bewegen sich nicht - und jetzt wollen wir uns bewegen". Bürgermeister Martin ist wohl überzeugt, denn dann geht alles recht schnell.

Per Mail wird der Gruppe mitgeteilt, dass der Platz am HGE-Heim geeignet ist. Der Anfahrtshügel ist schon da. Der Bauhof kippt Erdaushub auf die anderen Stellen (es gab/gibt vier Hügel), die Dirtbiker bauen Absprung und Landung selbst. Die Stadt bringt noch zwei Bänke zum Chillen, platziert ein Geländer und eine Metallkiste für die Utensilien der Biker.

Fast täglich tummeln sich die Sportler auf dem Platz. Sie reinigen ihn auch von den Hinterlassenschaften der Hunde und von allerlei Verunreinigungen durch Vandalismus. Geplant war sogar, den Platz noch auf weitere größere Bikestrecken auszuweiten.

Doch soweit kam es nicht mehr. Die mündliche Mitteilung durch einen Vertreter der Stadt, dass der Platz gesperrt wurde, schockte die Jugendlichen. Laut Riedl wurden ihnen damals mehrere Gründe genannt. Zum einen würde die dort platzierte Metallkiste zu gefährlich stehen "sie wurde von der Stadt anschließend demontiert".

Außerdem seien versicherungstechnisch Komplikationen aufgetreten, sodass kein Versicherungsschutz mehr gewährleistet wäre. Und es hieß, die Sprünge wären zu gefährlich. "Dabei war alles so gebaut, wie vorher besprochen. Und eigentlich hätten ja noch größere und gefährlichere Sprünge gebaut werden sollen." Auch das von der Stadt selbst gebaute und befestigte Geländer sei nicht normgerecht.

Heute sagt der inzwischen 25-Jährige, der bei der Firma Eaton arbeitet: "Wir waren damals sehr erstaunt und extrem enttäuscht. Als uns mitgeteilt wurde, dass der Park gesperrt ist, haben sich sehr viele gegen den Sport entschieden. Heute würde ich nicht so schnell aufgeben."

Durch einen Kumpel sind die Dirtbiker dann an den Verein AKA in Schönbrunn gekommen. "Durch ihn haben wir ein Grundstück in Schönbrunn direkt neben der Skateanlage (neben der Freiwilligen Feuerwehr beim Kreisel) bekommen." Leider ist die Gruppe jedes Jahr kleiner geworden, "auch berufsbedingt und viele sind zum Downhill gewechselt". Riedl: "Momentan betreibe ich den Park alleine, ab und zu mit zwei, drei anderen. Zurzeit bin ich im Endspurt und ab nächster Woche kann wieder gefahren werden."

Die Anlage verfügt über drei Bahnen, für Anfänger bis Profis. Möglich sind extrem große Sprünge, "Absprung aus Holz 2,5 Meter hoch und 4 Meter lang; Landung 4 Meter hoch und 6 Meter breit". Wer die großen Sprünge wagen will, muss vorab eine Haftungsausschlusserklärung unterschreiben und eine Vereinsgebühr von fünf Euro zahlen. Die Bahn der großen Sprünge ist abgesperrt, Riedl besitzt den Schlüssel. Einmal jährlich kommt auch der TÜV auf die Anlage.

Im Mai 2015 war die "Dirtbike-Elite aus ganz Deutschland" vor Ort bei der neu gegründeten Deutschen Meisterschaft des Dirtjump-Contest. Es gab zudem einen mit gesponsertem Holz gebauten riesigen Anfahrtsturm, der im vergangenen Jahr abbrannte. Laut Schönbrunns Bürgermeister Jan Frey wurde der Täter bislang noch nicht ermittelt. "Immer wieder kommen Dirtbiker aus ganz Deutschland vorbei", so Riedl. Jeder Platz hat "seinen eignen Spirit", der von den anderen Profis unter die Lupe genommen wird.

Übrigens hat Riedl selbst vor zwei Jahren den fünften Platz der Deutschen Meisterschaft Amateurklasse "Dirtbike Slope-Style" belegt. Dem Eberbacher Platz trauert er immer noch etwas hinterher, alleine schon, weil er mit der S-Bahn für Auswärtige besser erreichbar ist. Dass die Stadt nun erklärt, dass der Platz nie gesperrt wurde, ist ihm unbegreiflich. Er hat sich mit seinen alten Freunden noch einmal kurzgeschlossen, insgesamt sind es nun fünf Mann, die sich zu "100 Prozent sicher sind, dass das weitere Fahren auf dem Dirtpark Eberbach damals untersagt wurde".

Wie Bauamtsleiter Steffen Koch mitteilt, hat er mit Kollegen gesprochen, "die damals bei der Umsetzung der Maßnahme involviert waren". Er bestätigt, dass "die Anlage seinerzeit in Absprache mit der Verwaltung projektiert", und von "der Firma Wäsch und dem Bauhof/Stadtgärtnerei angelegt wurde".

Auch haben ihm Kollegen gesagt, dass die Modellierung ebenfalls gemeinsam in Absprache mit den Jugendlichen ausgeführt wurde. Dann aber teilt er mit: "Der Platz wurde nicht gesperrt, sonst würde auch das Hinweisschild nicht mehr hängen. Wenn wir einen Platz sperren, würden wir diesen auch entsprechend absperren". Es habe nach Herstellung des Platzes einen Termin mit dem Badischen Gemeinde-Versicherungsverband (BGV) gegeben. Zu diesem Zeitpunkt sei für den BGV die Anlage in Ordnung gewesen. "Eine Erweiterung bzw. das was zusätzlich noch gewünscht war (Sprunghügel über ein "Tal"), konnte aus Sicherheitsaspekten vom BGV nicht befürwortet werden".

Zudem sei die Kiste nicht aus Sicherheitsaspekten wieder demontiert, worden, "sondern zum einen weil sie mehrfach aufgebrochen wurde und zum anderen, weil der BGV das zur Verfügung stellen von Geräten seitens der Stadt, die den Jugendlichen dazu dienen können, die Anlage in einer nicht vom BGV tragbaren Weise zu verändern als problematisch angesehen hat".

Da sich "die Sachbearbeiterin Versicherung derzeit in Urlaub befindet", kann Koch die Aussage bezüglich des Zauns/Geländers noch nicht nachvollziehen.

Info: Martin Riedl können Sie auf Instagram folgen: www.instagram.com/martinriedl

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