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Horst Sperfeld: "Privileg mit Latte Macchiato"

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Wer sind eigentlich die Jungs, die sich da jede Woche mit Gleichgesinnten um einen kleinen Ball streiten, um ihn dann in einem viereckigen Gebälk-Tor mit Netz an einem lebensmüden, aber sehr agilen Bollwerk vorbei unterzubringen? Sie tun es zum einen für sich und ihr eigenes Ego, zum anderen aber auch für uns, die wir da auf den Rängen sitzen und Spannung geboten bekommen möchten. Seit Jahren sehe ich den Akteuren auf der Platte von einem erhöhten Stammplatz am Geländer auf dem Umgang zu, freue mich über tolle Spielzüge, über Tore und Siege oder ärgere mich über Niederlagen, denen vermeintliche Schlafmützigkeiten oder Fehler voraus gingen. Zum Glück muss ich als Rentner, der seinen Sportreporter-Beruf hinter sich gelassen hat, jenes Geschehen nicht mehr öffentlich bewerten und womöglich sogar kritisieren.

Ich kann mir meine Meinung ganz für mich allein bilden. Ich kann dazu andere Zaungäste befragen, sogar einige mit mehr Sachverstand wie einen stets hinter mir postierten, weil fast doppelt so großen Ex-Handballer, der auch mal die Seele des VfL gewesen ist. Jeder von uns alten Säcken glaubt genau zu wissen, was gut oder schlecht läuft dort unten auf dem Spielfeld, niemand von uns Fans mit zumeist eigenen sportlichen Erfahrungen weiß aber wirklich, was die Hauptdarsteller bei ihrem ständigen Hin und Her empfinden oder denken.

Mittlerweile bin ich wieder privilegiert. Malte, genauer gesagt Christian Barth, der umsichtige Leiter der Geschäftsstelle des VfL, hat mir kleine Aufgaben für das Programmheft übertragen. Er bat mich zum Beispiel, die Spieler mit Hilfe von Interviews dem Publikum etwas näher zu bringen. Und das ist für mich der Hammer. Ich habe nun das Vorrecht, wieder ganz nah an die sonst doch recht weit entfernten flinken und robusten Burschen zu kommen. Regelmäßig darf ich mich nun mit einem der "Adler" unterhalten, und das kostet mich lediglich einen Kaffee oder Latte Macchiato.

Es ist jedes Mal ein großes Erlebnis, mit einem der Jungs zusammen zu sitzen. Sie machen es einem älteren Herrn wir mir erstaunlich leicht, sind offen, erzählen freimütig, ja lassen ab und an recht tief in ihre Seelen schauen. Nicht alles Erzählte gebe ich dann in schriftlicher Form weiter, einiges ist dann auch nur für mich bestimmt. Dieses kleine Quäntchen mehr ist ein Teil meines neuen Privilegs. Was ich aber auf jeden Fall weiter geben kann, ist meine Einschätzung: Ich traf bisher nur tolle Kerle, die Zusammenhalt ausdrückten, die ehrgeizig und ehrfürchtig, die fleißig und ohne Flausen im Kopf sind, die unwahrscheinlich viel Zeit für ihren Sport und ihre Fans investieren, trotz großen Belastungen in Studium oder Beruf, und die ein lebensfrohes, optimistisches Gemüt besitzen. Wir auf den Rängen können nur Danke sagen!

Text: Horst Sperfeld 

Foto: Jennifer Tuffour 

Das nächste Interview von Horst Sperfeld könnt ihr in der kommenden Woche lesen. Auf ein Heißgetränk saß er mit Moritz Ende zusammen. Wir sehen uns am kommenden Samstag beim Spiel gegen die HSG Ostsee in der MBS Arena. 

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