Interviewt: Philipp "Fipsy" Jochimsen
Hallo Philipp, bei dem von Dir verwendeten Instant-Messaging-Dienst hast Du den Spruch: "Sich erheben, immer und immer wieder, bis die Lämmer zu Löwen werden." eingetragen. Woher stammt dieses Zitat und welche Rolle spielt es in Deinem Leben?
Philipp Jochimsen: Er stammt aus der Robin Hood - Verfilmung mit Russell Crowe. Der Film gefiel mir ausgesprochen gut und ich habe ihn bereits mehrfach mit meiner Familie angeschaut. Der Spruch verkörpert meine Einstellung, dass man auch nach Rückschlägen immer weiter machen muss. Nur dann kommt man auch ans Ziel.
Ist der Spruch auf die derzeitige sportliche Situation Deiner Mannschaft übertragbar?
Sehr sogar. Wir haben schon einige Rückschläge erlitten und uns immer wieder aufgerappelt. Nach gutem Saisonstart folgten einige Niederlagen. Aber wir kamen immer wieder zurück.
Was viele VfL Fans bestimmt nicht wissen ist: Eigentlich bist Du ein echtes "Berliner Kindl".
Stimmt, ich bin in Berlin geboren und habe bis zu meinem 2. Lebensjahr dort gelebt. Dann aber zogen wir in den Norden Deutschlands, zunächst nach Hamburg, dann nach Flensburg.
Warum?
Mein Papa ist Flensburger. Während des Studiums lernte er in Berlin meine Mutter, übrigens ebenfalls eine waschechte Hauptstädterin, kennen.
Dein sportlicher Werdegang ist eigentlich erstaunlich. Als B-Jugendlicher noch stand Dir eine Fußballkarriere offen...
Ich habe damals beim FC Angeln 2002, einem Verein in Norddeutschland im Mittelfeld gespielt. Erst spät habe ich den Weg zum Handballsport gefunden. Der Sport gefiel mir letztlich besser und so habe ich mich entschieden.
Sind Dir Deine Fertigkeiten beim Fußball noch vom Nutzen, beispielsweise wenn im Training zur Erwärmung Jung gegen Alt Fußball spielt?
Die kann ich dort natürlich gut einbringen. Wenn Münchi (Yannik Münchberger) dann auch noch mit von der Partie ist, hat Team Jung ganz gute Chancen auf einen Sieg. Ansonsten wird's gegen die erfahrenen älteren Spieler eher schwierig.
Wer ist denn bei Team Alt ein guter Kicker?
Da fällt mir spontan Angelo Grunz ein. Er ist ein echter Torjäger! Über die Anzahl der dafür benötigten Versuche will ich mich an dieser Stelle aber nicht auslassen :-)
Zurück zu Deinem bisherigen Werdegang. Beim TSV Hürup hat Du zum Handballsport gefunden. Vor Deinem Wechsel zum Drittligisten DHK Flensborg hast Du aber noch einmal pausiert. Warum?
Ich habe in dieser Zeit ein Auslandsjahr in Australien und Thailand absolviert. Ich wollte nach dem Abi raus aus der Komfortzone, Erfahrungen sammeln und nicht gleich studieren. Die Zeit im Ausland hat mich sehr geprägt und ich möchte sie nicht missen.
Wie hast Du den Auslandsaufenthalt finanziert?
Den Hinflug erst einmal durch Ferienarbeit. Ich habe zwei Monate im Hochsommer in einem Erdbeerstand verbracht und mit meinem charmanten Lächeln den Verkauf angekurbelt :-). Anschließend konnte ich mir den Flug leisten, musste aber in Australien auf einer Farm für meinen Lebensunterhalt mir noch weiteres Geld erarbeiten.
Anschließend bist Du bei DHK Flensborg durchgestartet...
Es lief tatsächlich richtig gut. Ich habe in kurzer Zeit eine Menge erlebt. Trainerwechsel, Abstiegskampf - es war alles dabei. In der Mannschaft habe ich mich sehr wohl gefühlt.
Was macht eigentlich das Besondere an DHK - dem Dansk Håndboldklub - Flensborg aus? Wird dort nur Dänisch gesprochen?
Also das wäre für mich dann sicher ein Problem geworden, ich kann nämlich kein Dänisch. Der familiär geführte Verein verkörpert typisch dänische Werte wie Zusammenhalt, Harmonie und die Eigenschaft, sich als Einzelnen nie wichtiger als die Mannschaft zu nehmen. Ansonsten ist es ein ganz normaler Verein - mit dem einen oder anderen dänischen Spieler. Dieser Umstand und auch die auch in das Nachbarland ausgerichtete Vermarktung führte natürlich dazu, dass unsere Spiele auch gern von dänischen Zuschauern besucht wurden.
Wie kam es zum Wechsel nach Potsdam?
Ich wollte Sport als Studienfach belegen hatte in Köln den erforderlichen Sporteignungstest bestanden. Potsdam bot sich aufgrund der relativen Nähe zur Heimat und der Möglichkeit, dort zu studieren gut an. Ich sprach also mit Alex Haase, kam anschließend zum Probetraining und hatte kurze Zeit später einen Vertrag.
Vor der Saison hast Du Dich gegenüber handball-world.com geäußert, sportlich den nächsten Schritt machen und Dich weiterzuentwickeln zu wollen. Derzeit allerdings bist Du auf Deiner Position hinter Moritz Ende häufig die Nummer 2. Bist Du nun sehr unzufrieden?
Zufrieden natürlich nicht, das wäre ja auch schlimm. Die derzeitige Situation spiegelt einfach die sportliche Realität wider. Moritz spielt eine tolle Saison, da muss ich mich hintenanstellen. Ich versuche einfach da zu sein, wenn ich eingesetzt werde. Das gelingt mir bisher nicht immer. Aber vielleicht ist diese Erfahrung letztlich auch wichtig: Ein Schritt zurück kann verantwortlich für zwei darauffolgende Schritte nach vorn sein. Ich sehe die Sache also positiv. Und der Mannschaftserfolg steht über allem.
Welche Ziele hast Du für die Zukunft?
Die 2. Liga mit dem VfL wäre ein Traum!
Eine letzte Frage. Es soll ein Youtube-Video geben, dass Dich in Beziehung zu den Rhein-Neckar Löwen bringt. Was ist da dran?
Das ist eine lustige Geschichte. Nach meinem Wechsel zu Flensborg wurden ein paar Spieler und ich durch einen Radioreporter interviewt. In diesem Rahmen sollten wir "Wahrheit oder Lüge" spielen. Ich erzählte, dass ich auf einer Abschlussfahrt auf Mallorca die Rhein - Neckar Löwen mit Andy Schmidt kennengelernt hatte. Wir hatten den damaligen deutschen Meister dort u.a. beim "Bierball" besiegt. Das war natürlich eine Riesenstory! Alle Anwesenden haben mir die Geschichte geglaubt.
Und war sie wahr?
Nein, war sie nicht :-)
Philip, Danke für das Interview und alles Gute für die Zukunft!
Das Gespräch führte Jens Pichotta

