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Rhein-Neckar Löwen: Eine Halbzeit gegen Hannover-Burgdorf war zum Vergessen

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Von Daniel Hund

Mannheim. Nikolaj Jacobsen wippte vor der Trainerbank unruhig hin und her, lebte jede Aktion von draußen mit. Es wirkte fast so, als hätte sich der Däne am Samstagabend am liebsten selbst eingewechselt. Während der ersten Halbzeit seiner Rhein-Neckar Löwen gegen den TSV Hannover-Burgdorf stand der Trainer der Badener unter Strom: Ärgerte sich, schüttelte immer wieder den Kopf, giftete in Richtung der Schiedsrichter, litt mit. Rund 30 Handball-Minuten später hätte die Stimmung dann eigentlich wieder bestens sein können. Gewonnen. Mit 29:23. Letztlich ganz souverän.

Aber weit gefehlt. Jacobsen hatte sein Lachen verloren. Schuld war eine erste Halbzeit zum Vergessen: "Da haben wir viel zu wenig investiert. Das geht gar nicht, das hat mich sehr enttäuscht", zuckte er mit den Schultern. Für ihn war’s ein klarer Rückschritt. Ein Rückfall in Zeiten, die keiner mehr braucht. Die Wende zum Guten leitete er schließlich selbst ein: Zum Pausentee setzte es ein dänisches Donnerwetter. "Das war sicher nicht die schönste Ansprache in meiner Amtszeit hier bei den Löwen." Und wer sein Temperament kennt, weiß, dass es in den Katakomben ordentlich gekracht haben muss.

Dabei ging es eigentlich recht gut los. Die Löwen machten dort weiter, wo sie in Göppingen aufgehört hatten. Überfallartig schwärmten sie aus, waren stets auf der Suche nach der schnellen Lösung. Und wenn es rucki-zucki gehen soll, darf derzeit eigentlich ein Name nicht fehlen: Gudjon Valur Sigurdsson. Eine Lösung scheint der immer parat zu haben. Beim 5:3 für die Löwen hatte der Isländer bereits viermal getroffen (9.). Pfeilschnell und eiskalt schlägt er schon seit Wochen zu. Und das mit 39. In einem Alter, in dem andere Topleute ihre Karriere bereits beendet haben - oder sie relativ entspannt ausklingen lassen.

Doch auch Hannover versteckte sich nicht. Lange Angriffe spielten sie, bewegten sich meist ganz nah am Zeitspiel. So ging’s. Abschütteln war nicht. Mit einem 12:12 stiefelten die Löwen in die Pause. Danach war es dann mehr Schaulaufen als schwere Handball-Arbeit. Und staunen, schwärmen von zwei Talenten, die bislang wohl kaum jemand in Deutschland auf dem Zettelt hatte: Veit Mävers und Martin Hanne. Der eine 18 Jahre alt, der andere gerade mal 17. Beide gehen noch zur Schule und haben am Samstag die Löwen-Defensive phasenweise schwindelig gespielt. Vor allem Hanne ist eine Wucht. Vier Rückraum-Geschosse hämmerte er Löwen-Keeper Andreas Palicka in die Maschen. "Das haben die Jungs super gemacht", schmunzelte Palicka, "wir kannten sie nicht."

Jetzt schon.

Beim Mister-Bundesliga der letzten Jahre wollte am Samstag dagegen gar kein Ball ins Tor: Andy Schmid probierte es ein paar Mal, fand aber stets in Urban Lesjak seinen Meister. Dass der Überflieger an seiner eigenen Formkrise leidet, ist nicht zu übersehen. Wobei er weit davon entfernt ist, ein Totalausfall zu sein. Schmid denkt und lenkt fast wie zu besten Zeiten. Seine Pässe sind noch immer gefürchtet, seine Würfe (derzeit) nicht. "Andys Torgefahr fehlt uns natürlich", sagt Jacobsen, "er spielt seit ein paar Monaten nicht auf dem Level der letzten Jahre." Schmid selbst gibt jedenfalls Vollgas. Häufig legt der Kapitän nach dem Training Extraschichten ein, wirft mit schwereren Bällen, tut alles, um wieder der Alter zu werden.

Doch die Ursache liegt eher woanders. Der Kopf ist das Problem: Kein Selbstvertrauen, kein durchschlagender Erfolg! So ist das im Sport. Helfen können da nur eigene Erfolgserlebnisse. Schöne Tore, wichtige Tore. Tore, die Spiele entscheiden. Keiner weiß das besser als Jacobsen. Er sagt: "Wir wollen Andy helfen, aber er muss sich da auch selbst raus kämpfen."

Vielleicht ja schon morgen. Denn dann ist Showtime: In der Berliner Max-Schmeling-Halle steigt da Pokal-Viertelfinale gegen Berlin. Füchse gegen Löwen. Am Ende kann es nur einen geben, der nach Hamburg zum Final Four fährt. Die Erinnerungen an den Handball-Tempel der Hauptstadt sind nicht gut. Die Gelben hatten dort in den letzten Jahren immer Probleme. Die 23:29-Pleite Mitte Mai 2018 war der Anfang vom Ende des Titeltraums. Danach ging nichts mehr. Jacobsen mit leicht sorgenvoller Miene: "Leicht ist es dort nie." Kreis-Gigant Jannik Kohlbacher ist da schon optimistischer: "Wir sind der Titelverteidiger und wollen natürlich gewinnen, um wieder im Final Four zu stehen."

Die Vorzeichen sind aber nicht die besten. Ähnlich wie bei der kürzlichen Niederlage in Flensburg werden die Löwen erst wieder kurz vor knapp am Spieltag in Berlin einschweben …

Stenogramm: 3:1, 3:3, 9:7, 12:12 (Halbzeit), 16:13, 21:16, 26:19, 29:23 (Endstand).

Löwen: Sigurdsson 8/2, Petersson 5, Nielsen 4, Larsen 4, Kohlbacher 3, Groetzki 2, Taleski 2, Lipovina 1.

Hannover: Hanne 5, Häfner 4, Mavers 3/1, Kastening 2/1, Brozovic 2, Ugalde 2, Pewnow 2, Cehte 2, Johannsen 1.

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