Rhein-Neckar Löwen: Leicht schwerfällig in Ludwigshafen
Von Tillmann Bauer
Ludwigshafen. Die Leichtigkeit ist zurück. Zumindest hatte man dieses Gefühl, betrachtet man eine einzelne Szene vor dem Gastauftritt der Handballer der Rhein-Neckar Löwen bei den Eulen Ludwigshafen. Es waren noch gut 30 Minuten bis zum Anpfiff des Bundesliga-Derbys, Nikolaj Jacobsen, Löwen-Coach, lehnte gerade entspannt auf der Auswechselbank und beobachtete das Aufwärmprogramm seiner Mannschaft, als der Hallensprecher der Friedrich-Ebert-Halle ihn durch das Mikrofon begrüßte.
Oliver Roggisch, einen Platz neben Jacobsen, ließ sich diese Gelegenheit nicht nehmen, schnappte sich den rechten Arm des Cheftrainers und streckte ihn in die Höhe. Jacobsen wehrte sich und grinste. Nun gut, vorstellen musste man ihn nun wirklich nicht mehr. Er ist bekannt. Jacobsen und Roggisch hatten ihren Spaß.
Betrachtet man nun aber das wirklich Wichtige, muss man feststellen, dass die Leichtigkeit noch immer ganz weit von Jacobsens-Mannschaft, die auch diesmal auf Patrick Groetzki verzichten musste, entfernt ist. Zwar gewannen die Löwen am Donnerstag mit 28:21 (13:11) in Ludwigshafen, die Art und Weise aber konnte noch immer nicht zufriedenstellen. "Das war mal wieder viel Licht und Schatten", resümierte Kapitän Andy Schmid, "aber in unserer Situation ist aktuell jeder Sieg wichtig, auch wenn es unser Anspruch ist, hier zu gewinnen."
Denn so unterschiedlich die Ambitionen beider Bundesliga-Vereine auch sein mögen, an diesem Abend war es zumindest in den ersten 30 Minuten ein offener Schlagabtausch. Das lag auch daran, dass in der Offensive wieder einmal ohne die nötige Durchschlagskraft gespielt wurde und man dem Außenseiter lange alle Möglichkeiten bot, für eine Sensation zu sorgen. Laut Schmid habe man anfangs "zu inkonsequent" gespielt.
Ein Löwe, dem man aber keinen Vorwurf machen konnte, war Andreas Palicka, der mit Leichtigkeit die hochkarätigen Chancen der Eulen-Schützen zunichte machte und zum Mann des Abends aufspielte. Dass man zumindest kurzzeitig durchatmen konnte, war einem Zwischenspurt nach dem Seitenwechsel zu verdanken. Das Tempospiel nach vorne, dass so oft vermisst wurde, klappte zu diesem Zeitpunkt wie in besten Tagen.
Man spielte sich ein kleines Polster heraus. Es war eben diese Führung, die die Eulen nicht mehr einholen konnten, weil die Löwen es im zweiten Durchgang schafften, ihre eigene Deckung zu stabilisieren und im Angriff einen bärenstarken Mads Mensah Larsen und einen treffsicheren Gudjon Valur Sigurdsson zur Verfügung hatten.
In der Schlussphase kam man so zu vielen einfachen Gegenstoß-Toren. Kreisläufer Jannik Kohlbacher fasste zusammen: "Wir wissen natürlich, was wir eigentlich spielen können, das haben wir dann nach der Halbzeit auch gemacht."
Es war eine Begegnung, die zur aktuellen Situation der Löwen passt. Man hatte große Mühe, vieles wirkte schwerfällig, aber am Ende verbuchte man einen Pflichtsieg. Und das ist das, was zählt.
Eulen: Lenz, Hanemann - Stüber 2, Salger 2, Dietrich 2, Hideg 3, Scholz 3, Haider 1, Falk 3, Hofmann 1/1, Müller 3, Dippe 1.
Löwen: Appelgren, Palicka 1- Ganz, Radivojevic, Petersson 2, Lipovina, Schmid 4, Mensah Larsen 6, Fäth, Taleski 1, Abutovic, Guardiola, Sigurdsson 10/3, Tollbring 2/2, Kohlbacher 1, Nielsen 1.
Spielfilm: 2:1 (5.), 3:5 (10.), 5:6 (15.), 6:8 (20.), 8:9 (25.), 11:13 (HZ) - 12:16 (35.), 15:18 (40.), 16:19 (45.), 16:21 (50.), 18:26 (55.), 21:28 (Ende); Zuschauer: 2350.

