Interviewt: Stephan Mellack
Noch immer Publikumsliebling
Ein einfaches Interview aufzuschreiben, ist nach einem Gespräch mit Stephan Mellack schwierig. Der Cottbuser, der nach sieben Jahren aktivem, zentralem Handballspiel für den 1. VfL Potsdam nun als Physiotherapeut für die Gesundheit der aktuellen Spielergeneration seines Vereins zuständig ist, steckt so voller Geschichten, dass man gewillt ist, ein Anekdoten-Buch zu verfassen. Der Rubrik dieses Teiles vom Arena-Programmheft Folge leistend, soll dennoch der Versuch gemacht werden, auch wenn dabei viele nette Geschichtchen unter den Tisch fallen.
Stephan, schön, Dich mal für sich zu haben; was machst Du eigentlich am Sonntag?
Stephan Mellack: Das weiß ich noch nicht. Kommt darauf an, was meine Anne mit mir vor hat.
Du hast Geburtstag, wirst 39 Jahre, ausgerechnet am Spieltag Deiner Schützlinge.
Mellack: Ja, meine Mutter wird da sein und sicher mit meiner Freundin auch diese Frage besprochen haben.
Um die Spieler muss ich mir auch bei meiner eventuellen Abwesenheit keine Sorgen machen. Die sind in guten Händen bei meinem Physio-Kollegen Marcus Aehle, mit dem ich mich immer abwechsle.
Immer noch so nah an der Mannschaft - juckt es da nicht in den Fingern, zieht es Dich da nicht immer noch auf die Platte?
Mellack: Nein, nicht wirklich, das habe ich abgehakt. Ich bin zufrieden mit dem wie es ist. Ich hatte eine tolle Zeit als Handballer, aber sie war auch sehr kraftraubend und zeitaufwendig.
Bist Du zufrieden mit dem, was Deine Nachfolger spielen?
Mellack: Auf jeden Fall, sie spielen einen tollen Handball. Ich muss zugeben, dass die 3. Liga heutzutage ein weit höheres Niveau hat als zu unserer Zeit. Mal eben ungeschlagen durch eine Saison marschieren, wie wir das vor unserem zweiten Zweitliga-Aufstieg geschafft hatten, ist heute fast unmöglich. Die Liga ist viel zu ausgeglichen, jeder kann jeden schlagen.
Und wo werden Deine Schützlinge am Ende landen?
Mellack: Sie sollten schon im oberen Teil der Tabelle abschließen, haben viel Potenzial. Es ist eine sehr junge Mannschaft, die sich zwar schon recht gut gefunden hat, aber bei der Leistungsschwankungen noch normal sind. Hier sehe ich das einzige kleine Manko, die Konstanz. Aber das findet sich, ich glaube sehr an die Jungs.
Höre ich da auch ein Trainer-Lob heraus?
Mellack: Auf jeden Fall! Was Daniel Deutsch da leistet, ist schon großartig. Er ist ein Glücksgriff für den VfL, hat eine große Zukunft als Trainer. Er steckt voller Ideen, kommuniziert hervorragend, kann super mit den jungen Burschen umgehen, lebt seine Aufgabe, genießt viel Vertrauen. Außerdem ist er ein Kollege von mir, arbeitet als Sporttherapeut in unserer Praxis.
Dennoch, die Frage nach dem Zweitliga-Aufstieg wird schwer mit einem Ja zu beantworten sein.
Mellack: Sicher, wie ich schon sagte, die Liga ist sehr ausgeglichen. Mit Schwerin, Rostock, Hildesheim und Altenholz sind Konkurrenten da, die professionell arbeiten, die professionelle, gestandene Spieler in ihren Reihen haben. Umso mehr staune ich über die tollen Partien unserer Mannschaft.
Du bist ein Familienmensch, was sich im übertragenen Sinne auch von Deinem Auftreten als Handballspieler sagen lässt. Fans waren für Dich immer besonders wichtig. In Deiner Zeit in Eisenach feierte man Dich als Publikumsliebling. Fehlt Dir diese Euphorie um den Spieler Stephan Mellack nicht sehr?
Mellack: Ich muss noch nicht ganz darauf verzichten, die Eisenacher laden mich immer wieder ein. Kürzlich feierte der langjährige Präsident des dortigen Fan-Projekts seinen 60. Geburtstag, auch da war ich wieder eingeladen.
Ist es denkbar, dass die Liebe der Eisenacher zum einstigen Spieler Mellack historische Gründe hat?
Mellack: Gut möglich. In den 1970er Jahren spielte mein Vater einmal dort mit den Cottbusern gegen die Eisenacher. Schon damals hieß es, man solle sich als Gästespieler nicht mit den Thüringer Fans anlegen, nach dem Abpfiff schnell in den Bus steigen und abdüsen. Doch er ging nicht einfach weg, sondern trank mit den aufgewühlten Anhängern seiner Gegner ein Bier. Das imponierte und vielleicht blieb er dadurch im Gedächtnis der Leute.
Dein Vater ist leider nicht mehr da, verstarb schwer krank 2010. Du musst eine besondere Bindung zu ihm und Deiner Mutter gehabt haben, denn ihr, Anne und Du, gabt eurem Kind den Namen Deines Vaters.
Mellack: Das ist richtig, unser Söhnchen, das gerade ein Jahr und acht Monate alt ist, nannten wir mit Zweitnamen Fred. Als wir wussten, dass Anne schwanger war, behielten wir es zunächst für uns und machten daraus ein Geschenk für meine Mutter, indem wir ihr die Nachricht an ihrem Geburtstag überbrachten. Das war ein toller Moment.
Komplett heißt der kleine Knirps Oscar Fred und ist bestimmt Euer ganzer Stolz.
Mellack: Auf jeden Fall. Wenn wir hier mit unserem Gespräch fertig sind, hole ich ihn aus der Kita ab und freue mich jeden Tag auf diesen Moment. Ich kann überhaupt nicht verstehen, wenn andere Leute von ihren kleinen Kindern genervt sind, zum Beispiel nachts, wenn sie mal nicht durchschlafen. Mir macht das nix aus, wir holen ihn dann ab und an in unser Bett, und wenn er dann wieder schläft, sich rumdreht und ich plötzlich seinen großen Zeh im Gesicht habe, finde ich das großartig. Vater sein ist super! Er hat übrigens schon einen Armzug beim Ballwerfen, wovon ich nur träumen kann. Die Handballer-Gene schlagen also schon durch.
Stephan, von Dir gäbe es noch so viel zu erzählen, zum Beispiel von Deinem "Vorleben" als Zimmermann, von Deiner Vorliebe zum Weißwasseraner Eishockey, Deinen gelegentlichen Handball-Auftritten bei den "Stein-Adlern", also den alten Herren des VfL, oder von Deiner mit Herz und Verstand angenommenen Aufgabe als Physiotherapeut in der Praxis von Ulrike Püschel in Babelsberg. Das heben wir uns fürs nächste Mal auf. Vielen Dank für die Plauderei und alles Gute für Dich und Deine kleine Familie.
Das Gespräch führte Horst Sperfeld.

