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Interviewt: Fabian Pellegrini

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"Torwartspiel ist mit entscheidend"

Fabian Pellegrini hütet seit der Saison 2017/18 das Tor des 1. VfL Potsdam. Der gerade 22 Jahre alt gewordene Informatik-Student, der in Potsdam in einer Wohngemeinschaft mit Mannschaftskamerad Philipp Jochimsen lebt, stammt aus einer sportlichen Schweizer Familie und hat sein Heimatland auch bereits in Auswahlmannschaften vertreten. Seit er Handball spielt, wollte er immer als Torwart auf die Platte.   

Zunächst zum letzten Spiel in Rostock, wie lief es aus deiner Sicht?

Fabian Pellegrini: Wir haben verloren, das sagt eigentlich alles. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn es gilt immer, Lehren zu ziehen. Auf jeden Fall hatte ich nicht meinen besten Tag, hielt in der ersten Hälfte nur drei oder vier Bälle, war also nicht so gut drauf wie in anderen Spielen vorher. Folgerichtig kam in Hälfte zwei Angelo zum Einsatz, der es dann besser machte.

Bist du da nicht zu hart mit dir? Beim SC Empor kann man durchaus verlieren.

Pellegrini: Zu hart mit mir? Nein, da muss ich mir selbst gegenüber schon ehrlich sein. Aber du hast Recht, in Rostock zur verlieren, ist keine Schande. Vor allem wenn man dort gegen eine OSPA-Arena mit vollen Zuschauerrängen ankämpft. Die Stimmung war super, aber natürlich gegen uns. 

Rostock ist der Tabellenführer, hat einen Lauf, ihr habt immerhin gut dagegen gehalten.

Pellegrini: Wir haben gut gespielt, ja, aber es fehlte das berühmte Quäntchen. Kämpferisch kann man uns erneut nichts vorwerfen, alle haben sich richtig rein gehauen. Das gilt übrigens für die gesamte bisherige Saison, vielleicht bis auf die eine Partie in Hannover.

Am Beginn der Serie war die Rede vom Aufstieg in die zweite Liga, ist das noch ein Thema?

Pellegrini: Wir schauen von Spiel zu Spiel. Anders geht das auch nicht. Wir müssen sehen, dass wir gegen vermeintlich schwächere Teams keine Punkte lassen. Oh, da habe ich mich schon selbst erwischt: den Begriff "Schwächere Teams" dürfen wir gar nicht erst in unsere Köpfe bekommen, die gibt es nämlich nicht, in dieser Liga kann jeder jeden schlagen.

Das kann auch bedeuten, dass die Spielklasse schwach ist...

Pellegrini: Nein, natürlich nicht! Die dritte Liga hier im Norden Deutschlands ist schon stark, hier wird guter Handball gespielt.

Welche Bedeutung hat in einer gutklassigen Liga das Spiel der Torhüter?

Pellegrini: Die Torhüter sind ausgesprochen wichtig, ich würde sie bis zu 50 Prozent als spielentscheidend bezeichnen. Sie können das Spiel zwar nicht gewinnen, weil vorn die dafür nötigen Tore gemacht werden müssen. Aber sie können zusammen mit der Abwehr davor dafür sorgen, dass ihre Mannschaft möglichst wenig Tore fängt. 

Aber hängt der Erfolg bei einem Handball-Torwart nicht viel vom Zufall ab?

Pellegrini: Auf keinen Fall! Wir bereiten uns akribisch auf unsere Gegner vor, auf die Eigenheiten und Vorlieben der einzelnen Schützen. Das gilt natürlich auch für die Siebenmeter. Allerdings gibt es Spieler, die auf die ersten Ansätze einer Reaktion des Torwarts warten und dann etwas anderes, überraschendes tun. Aber diese Ausnahme-Handballer sind zum Glück nicht so reichlich gesät.

Hast du als Torwart ab und zu noch Angst da im Kasten?

Pellegrini: Nein. Außer wenn man - wie kürzlich im Training geschehen - mehrfach einen Kracher an den Kopf bekommt. Da muss man sich schon erst einmal wieder überwinden, nicht die Augen zuzukneifen und den Kopf wegzudrehen.

Du kommst aus der Schweiz. Wie läuft so eine sportliche Entwicklung für einen jungen Sportler in deinem Land?

Pellegrini: Nicht viel anders als hier. Man beginnt mit dem Sport in einem kleineren Verein, bei mir war es der TV Uster, bei dem schon meine Mutter Handball gespielt hat. Sie war dort dann auch Trainerin, da lag es nahe, dass ich ebenso wie mein zwei Jahre jüngerer Bruder Simon dort anfange. Auch mein Vater war Sportler, spielte Fußball, war dann ebenfalls Trainer, später sogar noch im Handball.

Uster. Ich muss zugeben, dass ich von diesem Ort noch nie gehört habe.

Pellegrini: Das ist ein kleines Städtchen ganz nahe bei Zürich mit rund 40000 Einwohnern. Fast vergleichbar mit Potsdam und Berlin: hier die Beschaulichkeit und dicht daneben der Großstadt-Moloch.

Wie kam es zur Verpflichtung hier in Potsdam?

Pellegrini: Ich spielte zunächst in Uster, dann in der Jugend bei Gelb-Schwarz Stäfa, einer ähnlichen kleinen Stadt, im Handball aber höherklassig, zeitweilig sogar Nationalliga A, unterwegs. Schließlich wollte ich mich weiter entwickeln, möglichst in Deutschland, wo der Handball einen anderen Stellenwert hat als in der Schweiz. Ich fragte bei einem Spielerberater an, und über den kam der Kontakt zum VfL Potsdam zustande, der gerade einen Torwart suchte und mich dann zum Probetraining einlud. Nun bin ich schon über ein Jahr hier und fühle mich sehr gut aufgehoben.

Du bist gerade 22 Jahre geworden, hat man da nicht noch Heimweh? Wo kannst du dich anlehnen, wenn das Gemüt mal einen Tiefpunkt hat?

Pellegrini: Klar, man braucht schon ab und an Jemanden. Ich stelle fest, dass mein Familiensinn ausgeprägter ist als ich früher dachte. Deshalb telefoniere ich oft mit Zuhause und freue mich jedes Mal sehr, wenn ich mal zurück fahren kann. Ansonsten kann ich mich über Zuspruch auch hier nicht beklagen. Die Jungs sind super und irgendeiner ist immer zum Reden für mich da, sollte es mal nötig werden.

Die Zuschauerränge waren zu den letzten Heimspielen nicht gerade übervölkert. Wie kann man wieder mehr Interesse wecken?  

Pellegrini: Es ist schwer, in einer Stadt mit einem so reichhaltigen Sportangebot immer die große Halle voll zu bekommen. Das geht nur mit Leistung. Aber ich kann den Freunden unseres Sports versichern, dass sie bei uns viel geboten bekommen. Wir liefern immer einen tollen, sehenswerten Kampf und werden dafür sorgen, dass wir am Ende mit zu den Spitzenteams gehören.

Das Gespräch führte Horst Sperfeld.

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