Rhein-Neckar Löwen: Das Zauberwort heißt Konstanz
Von Daniel Hund
Skopje/Heidelberg. Tabellenführer. Drei Spiele, drei Siege. Und das in dieser Gruppe, in der Monster-Gruppe A der EHF Champions League. Ein Traumstart war’s, den die Handballer von Vardar Skopje da hingelegt haben. Am Samstag sollten sie nun aber endlich mal dran glauben, die Mazedonier.
Die Rhein-Neckar Löwen wollten es richten. Und die Gelben kamen mit Rückenwind, mit dem Selbstvertrauen, das die kürzliche Aufholjagd gegen Gummersbach freigesetzt hatte. Gemerkt hat man das sofort. Im Hexenkessel war Vollgas angesagt. Andy Schmid und Co. zauberten eine erste Halbzeit der Extraklasse auf die Platte, die zweite Hälfte war dann allerdings weniger gut. Macht unter dem Strich eine Niederlage: 27:29 (15:13) hieß es nach 60 nervenaufreibenden Minuten. "Wenn wir heute auch nach der Pause konzentrierter bleiben, haben wir eine Riesen-Chance, hier zwei Punkte mitzunehmen", grübelte Oliver Roggisch, der Sportliche Leiter der Löwen, "es ist sehr ärgerlich. Wir müssen aus diesen Fehlern jetzt schnell lernen." Ähnlich sah es auch Filip Taleski. Das mazedonische Talent im Löwen-Dress nach seinem Heimspiel: "Wir haben die Konzentration verloren. Es war mehr drin."
Letztlich hatte es etwas von einem Déjà-vu-Erlebnis. Denn auch bei der 32:35-Pleite in Kielce bewegten sich die Löwen auf Augenhöhe, um dann mit leeren Händen die stressige Heimreise anzutreten. Worte zu finden fällt da nicht leicht. Vor allem nicht direkt nach dem Spiel, dann wenn die Enttäuschung am größten ist. Der Kapitän probierte es trotzdem. Andy Schmid, der Frustrierte: "Wir haben wieder gut gespielt, waren mehr als nur auf Augenhöhe. Aber es wird eben auch mal Zeit, dass wir uns in diesen Spielen die Punkte holen."
Der Schweizer selbst ging erneut voran. Als Dirigent, als Torjäger, als Motivator. Vor allem das Zusammenspiel mit Jannik Kohlbacher, dem neuen Kreis-Brecher der Löwen, ist mittlerweile schon nahe an der Perfektion. Beide verstehen sich blind: Pass Schmid, Tor Kohlbacher. Für Vadar war es in der ersten Hälfte zum Haare raufen. Denn jeder in der Halle kannte den Plan, wusste, was kommt, verhindern konnte es trotzdem keiner.
Es war eine Handball-Demonstration des zweifachen deutschen Meisters, der mit 15:11 führte. Und das zeigte Wirkung. Mucksmäuschenstill war es zwischendurch im gefürchteten Handball-Tempel zu Skopje. Also genau dort, wo normalerweise die Luft brennt, man sein eigenes Wort nicht mehr versteht.
Und genau so kam es dann auch nach der Pause. Plötzlich kippte die Partie. Skopje traf und traf, drehte ein 13:15 blitzschnell in eine 16:15-Führung, profitierte dabei von der Strafzeit von Jesper Nielsen, dem Abwehr-Koloss der Löwen. Hinzu kamen zwei folgenschwere Fehlpässe - und schon ging es mit Karacho in die andere Richtung. Es war die Wende in einem umkämpften Spiel. Auch Jacobsen sah das so. Der Däne wirkte gar ein wenig ratlos: "Erklären kann ich das auch nicht. Aber uns fehlt nach wie vor einfach die nötige Konstanz über 60 Minuten."
Ihr Übriges taten die zwei serbischen Schiedsrichter, die den Löwen das Leben zusätzlich schwer machten. Mit Pfiffen und Entscheidungen, die teilweise nur sehr schwer nachvollziehbar waren.
Sei’s drum, die Gelben haben nun 4:4-Punkte auf dem Konto und wollen am Mittwoch ab 19 Uhr in der SAP Arena gegen den schwedischen Meister Kristianstad wieder auf die Erfolgsspur einbiegen.
Stenogramm: 3:5, 8:11, 11:15, 13:15 (Halbzeit), 16:16 , 20:21, 25:24, 29:27 (Endstand).
Skopje: Kristopans 3, Moraes 3, Karacic 4, Skube 3, Kalarash 1, Cupic 2/2, Dibirov 8/3, Shishkarev 1, Borozan 4.
Löwen: Schmid 5, Sigurdsson 6/1, Mensah 1, Fäth 1, Taleski 1, Petersson 7, Nielsen 1, Kohlbacher 5.

