Rhein-Neckar Löwen: Das erste Ausrufezeichen
Von Daniel Hund
Düsseldorf. Plötzlich war es dunkel. Musik ertönte. Blitzlichter zuckten. Es knisterte im Düsseldorfer ISS Dome. Und das alles für zwei Handball-Pokale! Erst wurde die Meisterschale feierlich präsentiert, dann der DHB-Pokal-Pott. Also die beiden Trophäen, die eigentlich schon den Rhein-Neckar Löwen gehörten, ehe die SG Flensburg-Handewitt im Endspurt der letzten Saison noch dazwischen grätschte und die Gelben von der Tabellenspitze verdrängte.
Das war hart, so hart, dass Löwen-Keeper Mikael Appelgren es noch immer nicht so ganz abgehakt hat: "Als ich die Schale da kurz vor Spielbeginn sah, habe ich mich wieder richtig geärgert. Wir hatten sie doch schon und dann wurde sie uns noch gestohlen." 60 Handball-Minuten später hatte sie Flensburg noch immer. Doch die Badener hatten dafür etwas anderes: Ihre Revanche, die richtige Antwort auf den verstolperten Titel.
Das 33:26 im Supercup über den Meister war ein Signal, eine Warnung an die Konkurrenz, dass trotz Umbruch wieder mit den Löwen gerechnet werden muss. Natürlich befindet sich auch Flensburg im Umbruch, doch der ist anders: So schickte Maik Machulla in den ersten 20 Minuten sechs Feldspieler auf die Platte, die auch im letzten Jahr schon zusammengespielt haben.
Bei den Löwen standen hingegen gleich drei Neue in der Start-Sieben: Abwehr-Ass Ilja Abutovic, Kreis-Europameister Jannik Kohlbacher und Rückkehrer Steffen Fäth. "Ja, man kann schon sagen, dass wir einen etwas anderen Umbruch zu lösen haben." Sagt Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen.
Zwar einen mit erfahrenen Spielern, dafür aber auch einen, der in taktischer Hinsicht eine Riesen-Herausforderung ist. Gerade im Innenblock, dem eigentlichen Prunkstück der Löwen, ist nichts mehr wie es war.
Und das merkte man in Düsseldorf: In der ersten Halbzeit ging nicht viel am eigenen Kreis. Bei Gedeon Guardiola, für den es der erste echte Härtetest nach seiner langen Verletzung war, und Abutovic fehlte die Abstimmung. Appelgren "saß" diesbezüglich in der ersten Reihe und hatte einen unverbaubaren Blick auf seine beiden Abwehrtürme. Kritik verkniff sich der Schwede aber.
Er lobte lieber: "Das Problem der ersten Halbzeit war, dass bei uns insgesamt die Aggressivität gefehlt hat. Danach lief es dafür umso besser", grinste "Apfel". Allerdings auch in einer anderen Besetzung: Neuzugang Jesper Nielsen machte nach der Pause den Guardiola. Vom Chef gab es dafür gleich mal ein Sonderlob. Jacobsen: "An der Seite von Ilja hat Jesper das sehr gut gelöst. Es ist super, dass es jetzt mehr Alternativen gibt."
Und noch mehr Pokale. Der Supercup-Coup war bereits sein sechster Streich als Löwen-Trainer: "Für mich bedeutet jeder Titel viel, ich nehme jeden, den wir kriegen können", lächelt er verschmitzt.
Ob in seinem letzten Löwen-Jahr noch einer dazu kommt? Die Chance ist da. Das Potenzial ist groß, die Zukunft rosig. Auch dank Nationalspieler Fäth. Im Rückraum ist er eine echte Granate. Einer, der auch Spielmacher Andy Schmid ersetzen kann, ihm die Verschnaufpausen geben kann, die er braucht, um permanent seine Weltklasse abrufen zu können.
Am Sonntag wollen beide Vollgas geben. Ab 13.30 Uhr kreuzt Lemgo in der SAP Arena auf. Appelgren, der Ehrgeizige: "Wir möchten ein Zeichen setzen, allen zeigen, dass bei uns nichts zu holen ist."

