Rhein-Neckar Löwen: Pflicht erfüllt und in Fürstenfeldbruck alles gewonnen
Von Tillmann Bauer
Fürstenfeldbruck. Die Nähe ist das, was den unverwechselbaren Reiz der Pokalspiele ausmacht. Wenn die Bundesliga-Profis, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, zum Greifen nah sind. Wenn die Zuschauer fast schon auf dem Spielfeld sitzen, weil die Ränge so dicht an der Seitenauslinie enden. Oder wenn Patrick Groetzki schon beim Warmwerfen kleinen Fans Autogramme geben muss. So geschah es auch am Sonntag in der Wittelsbacher-Halle des Handball-Drittligisten TuS Fürstenfeldbruck. Die Rhein-Neckar Löwen gastierten am Wochenende in Bayern, der amtierende DHB-Pokalsieger gab sich die Ehre. Man gewann viele Sympathien, zauberte in unzählige Kinderaugen ein Funkeln - eine sportliche Herausforderung war es für die Badener aber nicht. Die Löwen sicherten sich im Schongang den Turniersieg in der ersten Runde des DHB-Pokals.
Zuerst kam am Samstag Gastgeber Fürstenfeldbruck mit 43:19 unter die Räder, am Sonntag wurde dann Zweitliga-Absteiger TV Hüttenberg mit 38:29 aus der kleinen Halle geschossen. Und das bei tropischen Temperaturen. "Das war echt heiß heute", lachte Rechtsaußen Groetzki nach Abpfiff und fügte hinzu, dass man diese Luftfeuchtigkeit aber bereits aus den vergangenen Testspielen gewohnt sei. Als es dann um ein sportliches Fazit ging, antwortete der Nationalspieler pragmatisch: "Wir hatten zwei Spiele, die wir gewinnen wollten, das haben wir getan, deshalb sind wir zufrieden." Er hatte Recht, es war keine Herausforderung für das Spitzenteam aus Mannheim, eher ein lockeres Anschwitzen für den Supercup am Mittwoch gegen die SG Flensburg-Handewitt.
Doch auch beim Top-Favoriten klappte nicht direkt alles. Fehlende Absprache in der Abwehr führte dazu, dass der Außenseiter mithalten konnte. Nach dem zwischenzeitlichen 3:3 (5.) drehten die Löwen aber auf. Dass die Badener langsam aber sicher ihren Vorsprung ausbauten, das lag mehr daran, dass die Hessen zahlreiche gute Gelegenheiten ausließen. Entweder man scheiterte an Schlussmann Andreas Palicka oder verfehlte gänzlich das Tor. So führten die Gelbhemden nach 20 Minuten mit 11:7, obwohl man eigentlich nicht gut spielte. Auch Cheftrainer Nikolaj Jacobsen wirkte nicht zufrieden, sprang am Spielfeldrand auf und ab, rief kurz darauf seine Schützlinge zur Auszeit zusammen. Nun sollte es mit zwei Kreisläufern im Angriff besser klappen, er brachte Jannik Kohlbacher und Jesper Nielsen im Zusammenspiel, dazu Steffen Fäth im Rückraum. Die Neuzugänge sollten es richten.
Und das klappte. Nielsen traf, Kohlbacher legte nach und plötzlich stand es 15:7 (24.), die Begegnung war spätestens zu diesem Zeitpunkt entschieden. "Die zweite Halbzeit haben wir dann vielleicht nicht mehr so konzentriert gespielt, aber das ist leider normal, wenn man mit zehn Toren führt", gestand Torhüter Mikael Appelgren nach Schlusspfiff, "aber wir haben das dann ganz gut zu Ende gebracht, das war eine Pflichtaufgabe." Hüttenberg kämpfte sich zwar nochmal tapfer an die Löwen heran - das lag vor allem an einem glänzend aufgelegten Björn Zintel, der ein Traumtor nach dem anderen erzielte - enger als ein Fünf-Tore-Rückstand wurde es aber nicht mehr. Der Rest war Schaulaufen, Andy Schmid zauberte mit Traumpässen auf Gudjon Valur Sigurdsson und Kohlbacher, die knapp 1000 Zuschauer waren zufrieden. Auffällig war, dass das Zusammenspiel des genialen Schweizers mit den Kreisläufern immer besser klappt. Nun heißt der Abnehmer eben Kohlbacher oder Nielsen - und nicht Hendrik Pekeler.
Die ersten zwei Pflichtspiele sind also gewonnen, nichts anderes war zu erwarten. Sollte der dritte Sieg im dritten Spiel am Mittwoch folgen, könnte bereits der erste Titel der Saison gefeiert werden…
Löwen: Groetzki 6, Mensah Larsen 4, Schmid 7/2, Sigurdsson 8/1, Petersson 3, Kohlbacher 6, Nielsen 2, Taleski 2.

