Kronau/Östringen: Mit dem "FC Bayern des Handballs" sind alle ein bisschen Pokalsieger
Von Hans-Joachim Of
Kronau/Östringen. Über dem Eingangsbereich des Kronauer Rathauses hing am Dienstag ein großes, gelbes Transparent mit der Inschrift: "Wir grüßen unseren Deutschen Pokalsieger Rhein-Neckar-Löwen" und kündigte "den aktuellen FC Bayern des Handballs" an, wie Löwen-Anhänger Stefan Moch anmerkte.
Frank Burkard und Felix Geider, die Bürgermeister aus Kronau und Östringen, den ursprünglichen Gemeinden der Rhein-Neckar-Löwen, hatten "alle Fans, die ihre Sympathie zu Sportlern und Verein ausdrücken möchten", zu einem Empfang geladen.
Bekanntlich hatte die Mannschaft um Kapitän Andy Schmid kürzlich nach zehn vergeblichen Anläufen endlich den Pokalwettbewerb Final Four in Hamburg gewonnen und sich in den Geschichtsbüchern verewigt. Nun waren zahlreiche kleine und große Löwenfans gekommen, um ihre Stars hautnah zu erleben, den Pokal anzufassen, Autogramme abzuholen und natürlich auch ein Selfie zu schießen.
Christiane aus Kronau, eine von über 1500 nach Hamburg mitgereisten Fans, meinte: "Das haben sich die Jungs verdient. Was in der Hansestadt abging, war sensationell. Jetzt haben wir endlich den Pokal." Und Irina, die mit Sohn Lukas gekommen war, freute sich über "lauter nette, sympathische Sportler".
Dies betonten auch beide Rathauschefs bei ihren launigen, immer wieder von Beifall unterbrochenen Reden. "Ganz herzlichen Glückwunsch zu dieser großartigen Leistung gegen Magdeburg im Halbfinale und Hannover im Endspiel. Wir sind seit dem Finaltag am 5. Mai jetzt alle ein bisschen DHB-Pokalsieger geworden", so Frank Burkard lachend.
Die siegreiche Mannschaft - allesamt fantastische Persönlichkeiten mit tollem Charakter - habe vor Kraft und Selbstvertrauen gestrotzt. "Ihr seid durch eure Normalität und Nahbarkeit Vorbilder für unsere Kinder und für die Gesellschaft allgemein." Und weiter: "Die Fans in Kronau und Östringen, im Kraichgau und der Rhein-Neckar-Region lieben euch."
Auch Felix Geider, selbst früher aktiver Handballer, war stolz und voll des Lobes, auch wegen der mitgereisten Fans beim Finale, die in Hamburg mit einer beeindruckenden "Gelben Wand" aufwarteten. "Dieser Pokalerfolg ist etwas ganz Besonderes und nicht vergleichbar mit der Liga. Jetzt hoffen wir alle, dass die Mannschaft erstmals das Double holt."
Auch die jungen Anhänger Jil, Nadine und Paula aus Kronau ("Klar feuern wir unser Team bei allen Spielen in der Arena an") waren im Trikot bei der Löwenfeier mittendrin und genossen den hautnahen Kontakt mit ihren Lieblingen, die sich später auch im Goldenen Buch der jeweiligen Gemeinde verewigten. Der erstmalige Pokalerfolg hat allerdings auch gezeigt, dass er viel körperliche und mentale Energie kostete.
Während die Mannschaft in den Vorjahren durch ihre tadellose Einstellung zum Kampf bestach, war in der Liga jetzt ein Spannungsabfall spürbar. Zuletzt war der souveräne Tabellenführer der Handball-Bundesliga in Berlin und Nürnberg nicht in der Lage, sich gegen gut eingestellte und kampfstarke Heimteams durchzusetzen. Von vier Punkten Vorsprung ist am Ende nur noch einer übrig geblieben.
Um zum dritten Mal hintereinander Deutscher Meister zu werden, müssen die Löwen (die seit fast zwei Jahren kein Bundesliga-Heimspiel in der SAP-Arena mehr verloren haben) beim Saisonfinale die ausstehenden drei Heimpartien gegen Melsungen, Ludwigshafen und Leipzig gewinnen.
Löwen-Manager Oliver Roggisch, der ebenfalls von den Anhängern umlagert war: "Die Jungs waren zuletzt nicht mehr so frisch, doch jetzt gehen wir mit viel Rückenwind in die entscheidenden Spiele. Fans und Mannschaft werden 110 Prozent geben."
Auch die beiden Verwaltungschefs aus Kronau und Östringen fiebern mit und drücken "alle Daumen". Letztlich brachte es Uwe aus Östringen auf den Punkt und meinte: "Wir sind froh und stolz, dass wir mit den Handballern der Rhein-Neckar-Löwen und den Fußballern der TSG 1899 Hoffenheim zwei so überragende Mannschaften in der Region haben."

