MAZ: "Ich bin mir vorgekommen wie Forrest Gump"
Jan Piske, der Publikumsliebling des Handball-Drittligisten 1. VfL Potsdam, hat seine ereignisreiche Karriere-Ende vor wenigen Tagen beendet. Für den 30-Jährigen beginnt in Kürze ein ganz besonderes Abenteuer. Im Interview spricht er über das verlockendste Angebot und den skurrilsten Moment seiner Laufbahn.
Potsdam. Mit einem schillernden Schlussakt hat VfL-Publikumsliebling Jan Piske seine Laufbahn beim Potsdamer Handball-Drittligisten beendet: Neun Tore erzielte der Linkshänder beim 33:22-Heimsieg gegen Hannover-Burgwedel – bei der Saisonabschlussfeier wurde in seinen 30. Geburtstag hineingefeiert. Im Interview spricht der angehende Lehrer über eine Karriere-Entscheidung zum Vergessen, das verlockendste Angebot seiner Laufbahn, das er nicht annahm, und einen ganz besonderen Bundesliga-Moment im Trikot der Füchse Berlin.
Herr Piske, wenn man sich einen Abschied hätte konstruieren können, dann wäre er vermutlich ausgefallen wie Ihrer: Wie ist die Gemütslage ein paar Tage später? Hat sich schon Wehmut breit gemacht?
Jan Piske: Nein. In erster Linie fühle ich nach dem Abschied, der sehr, sehr schön war, Dankbarkeit. Für Wehmut wäre noch gar keine Zeit, dazu muss man das erst einmal alles sacken lassen.
Sie haben eine lange, ereignisreiche Laufbahn hinter sich. Was waren die Highlights?
Das waren die beiden Aufstiege mit dem VfL Potsdam in die zweite Bundesliga, in einer Saison blieben wir sogar ungeschlagen.
Der skurrilste Moment?
Eigentlich war es auch ein Höhepunkt, aber auch ein schräges Erlebnis: In meinem Jahr bei der Reserve der Füchse Berlin bin ich durch Verletzungen ins Bundesliga-Aufgebot für das Spiel beim HSV Hamburg gerutscht. Ich kam nicht zum Einsatz, aber das war schon aufregend, mit eigenem Trikot vor 10 000 Zuschauern dabei zu sein – aber ich bin mir ein bisschen vorgekommen wie Forrest Gump, weil es so eine verrückte Situation war.
Was war ein Moment, auf den man hätte verzichten können?
Schwierig war die Zeit des Wechsels zum damaligen Zweitligisten Schwerin. Ich hatte zwar mit Christian Prokoph – dem heutigen Bundestrainer – einen super Coach, aber es war ein blödes Gefühl, mit einem anderen Club zu verhandeln, während der VfL aus der zweiten Liga abstieg und in die Insolvenz ging.
Was war das verlockendste Angebot eines anderen Clubs, das sie nicht angenommen haben?
Ich hätte in die erste Schweizer Liga gehen können als Profi. Ich habe mich aber dagegen entschieden, weil ich dort mein Lehramtsstudium nicht hätte fortsetzen können und weit weg von der Familie gewesen wäre.
Sie gehen nach dem Ende ihres Referendariats in Kürze mit ihrer Frau und ihrem Kind für ein Jahr nach Südamerika. Wohin wollen Sie?
Das wissen wir noch nicht.
Sie haben kein konkretes Ziel?
Nein, wir haben bisher nur die Flüge gebucht, ich bin noch nicht dazu gekommen, genauere Planungen zu machen. Aber darum geht es auch: Wir werden zwar ein paar Freunde und Bekannte besuchen, aber sonst alles auf uns zukommen lassen.
Also das Gegenteil Ihres bisher auf die Minute getimten Tagesplanes?
Ja. Bisher hat der Tag um sechs begonnen, um 22 Uhr war er zu Ende – dazwischen lag mit Training und Job ein straffes Programm.
Wird es nach ihrer Rückkehr ein Comeback geben?
Ich sage nicht, dass ich nie wieder Handball spielen werde, aber wenn, dann vermutlich nicht mehr als Leistungssportler, sondern einfach nur aus Spaß am Sport.
Von Lars Sittig
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