Rhein-Neckar Löwen: Machtkampf ohne Sieger
Von Daniel Hund
Mannheim. Es war die zweite Gala innerhalb von nur 48 Stunden, interessiert hat sie aber nur am Rande. Klingt paradox, aber so war’s. Es herrschte eine komische Stimmung am Mittwochabend in der SAP Arena. Soeben hatten die Handballer der Rhein-Neckar Löwen den Bundesliga-Konkurrenten Frisch Auf Göppingen mit 30:21 aus dem "Ufo" geschossen. Aber das Siegerlächeln fehlte. Beim Meister hingen die Köpfe, Andy Schmid und Co. war nicht nach Feiern zumute.
Schuld war das Terminchaos, dieser schlechte Witz des Europäischen-Handball-Verbands (EHF): Wie die RNZ bereits berichtete, müssen die Löwen das Kunststück fertig bringen, fast zeitgleich an zwei verschiedenen Orten auf der Platte zustehen. Am 24. März in der Champions League in Kielce (16 Uhr) und am selben Tag auch in der Bundesliga beim THW Kiel (18.30 Uhr). Während der Bundesliga-Termin schon lange fixiert war, legte die EHF das Königsklassen-Duell kurzfristig auf den gleichen Tag. Die Löwen-Lösung: In Kielce tritt die eigene Reserve an.
Ein Entschluss, der den Löwen nicht leicht gefallen ist. "Wir sind alle sehr enttäuscht, dass wir nicht die Chance bekommen, beide Spiele zu spielen", sagt Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen. Die Badener mussten sich zwischen beiden Wettbewerben entscheiden. Und die Bundesliga steht eben über allem. Wobei in der Königsklasse das Aus ohnehin absehbar war: Hätten die Löwen Kielce gepackt, wäre es im Viertelfinale wohl zum Kracher-Duell mit dem Scheich-Klub Paris Saint Germain gekommen. "Das wäre sehr schwer für uns geworden", erklärt Europameister Hendrik Pekeler: "Da muss man seine Chancen abwägen und die sind in der Bundesliga nun mal größer."
Das weiß auch Oliver Roggisch, der Sportliche Leiter der Löwen. Abgefunden hat der sich damit aber noch lange nicht. "Wir hatten den 25. März als Ausweichtermin vorgeschlagen. Man muss sich fragen, weshalb der abgelehnt wurde", grinste Roggisch vielsagend. Die Antwort kennen nur die EHF und Kielce selbst. Glücklich dürften aber auch die nicht mit der jetzigen Lösung sein.
Denn gegen die Löwen-Reserve wird es schwer werden, die eigene Halle zu füllen. Fakt ist: Das Ergebnis des Termin-Zwists ist ein Machtkampf ohne Sieger. Einer ließ sich vom Terminchaos aber trotzdem nicht die Laune vermiesen: Mikael Appelgren, der stets gut gelaunte Schwede im Löwen-Kasten. "Also ganz ehrlich, ich würde schon gerne probieren beide Spiele gleichzeitig zu spielen", lachte er. Galgenhumor nennt man das wohl.
Wie auch immer, es muss weitergehen. Und das tut es ganz entspannt. Das Wochenende ist frei. Beine hochlegen ist angesagt, ehe am Montag wieder an der Form gefeilt wird. Dann will Jacobsen den Grundstein für das nächste Ausrufezeichen im Bundesliga-Titelkampf legen. Am kommenden Donnerstag ab 19 Uhr kreuzt Gummersbach in der SAP Arena auf.

