Rhein-Neckar Löwen: "So etwas habe ich noch nie erlebt"
Von Daniel Hund
Mannheim. Die Pause war lang. Rund sechs Wochen gab’s Löwen-Entzug. Auch EM-Pause genannt. Doch auf das europäische Gipfeltreffen in Kroatien hätte man verzichten können. Aus dem anvisierten Glücksfall wurde ein deutscher Reinfall. Am Donnerstag wollte sich die hiesige Handball-Gemeinde nun mal wieder freuen, feiern mit den Rhein-Neckar Löwen. Und wie sie das dann taten: Es war eine Mega-Sause, die sich da in der SAP Arena abgespielt hat. Mit 38:17 (23:4) schossen die Badener den Altmeister vor 7034 Zuschauern aus dem "Ufo". "So etwas wie in der ersten Halbzeit habe ich ehrlich gesagt noch nie erlebt", schmunzelte Löwen-Teammanager Oliver Roggisch, "ich könnte mir vorstellen, dass dies auch ein neuer Startrekord in der Bundesliga war."
Die Frage vorneweg war: Wie haben die Gelben die Pause überstanden? Kurze Antwort: bombastisch! Die längere Version: Der Meister war sofort hellwach, packte hinten knallhart zu und schwärmte blitzschnell aus. Lemgo kam da nicht mit, lag nach sechs Minuten schon mit 0:5 hinten. Ein Schützenfest deutete sich an. Florian Kehrmann, Weltmeister von 2007 und jetziger Trainer der Ostwestfalen, sah die Gefahr, mit hängenden Schultern bat er zur Auszeit, wirkte nach sechs Minuten bereits ratlos.
Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen machte ihm das Leben aber auch richtig schwer. Seinem Ruf als Taktikfuchs wurde er abermals gerecht. Ständig stellte der Däne den Gästen neue Aufgaben, schickte mitunter Hendrik Pekeler und Rafa Baena gleichzeitig auf die Platte, stürmte mit zwei Kreisläufern. Und Kehrmann? Der tat das, was man als Handball-Trainer nur ganz ungern tut: Bereits in der elften Minute donnerte er zum zweiten Mal die Grüne Karte auf den Zeitnehmertisch. Auszeit! Ein 9:0 leuchtete da vom XXL-Videowürfel.
Spätestens beim 10:0 (12.) kam dann Mitleid auf. Aber es ging so weiter - bis zur 17. Minute. Da durfte tatsächlich auch Lemgo mal jubeln: Oldie Christoph Theuerkauf erzielte das 14:1.
Herzerfrischend war’s, was Andy Schmid bot. Der Spielmacher kehrte mit rappelvollem Akku aus der EM-Pause zurück. Leichtfüßig führte der Schweizer Regie, umkurvte seine Gegenspieler wie Slalomstangen. Genau so wird man Welthandballer. Doch da war einer, der ihn diesmal noch in den Schatten stellte: Andreas Palicka, der schwedische Keeper der Löwen. Er machte genau dort weiter, wo er bei der EM aufgehört hatte. Lemgo verzweifelte an ihm. An seinen schnellen Armen, an seinem perfekten Stellungsspiel und ja, auch an seiner Torgefahr. Denn ganz nebenbei traf er bis zur Pause auch noch zweimal selbst. Kurze Zeit später war der TBV dann erst mal erlöst. Mit 23:4 (!) ging es in die Pause. Was eine Halbzeit, was eine Dominanz, was ein dickes Ausrufezeichen im Titelkampf.
In den zweiten 30 Minuten warf Jacobsen die Rotationsmaschine an. Die zweite Reihe durfte auch noch glänzen und zahlte das Vertrauen zurück. Ein wirklicher Bruch war nicht zu erkennen.
Stenogramm: 14:0, 14:1, 20:1, 20:2, 23:4 (Halbzeit), 25:5, 28:7, 30:9, 32:10, 34:13, 38:17 (Endstand).
Löwen: Palicka 2, Schmid 5/2, Sigurdsson 4, Radivojevic 1, Baena 4, Tollbring 3/1, Mensah Larsen 2, Pekeler 2, Groetzki 5, Reinkind 3, Taleski 4, Guardiola 1, Petersson 2.
Lemgo: Ebner 1, Theuerkauf 1, Hornke 3, Suton 2, Bartok 3, Klimek 1, Zieker 4, Kogut 1, Engelhardt 1.

