Rhein-Neckar-Löwen: Jannik Kohlbacher will den nächsten Schritt als Löwe machen
Von Michael Wilkening
Neu-Ulm. Vor der Entscheidung von Bundestrainer Christian Prokop, mit welchen 16 Spielern er in die Handball-Europameisterschaft (12. bis 28. Januar) startet, gab es auch ein paar Stimmen, die Jannik Kohlbacher als einen möglichen Streichkandidaten einordneten. Die Mehrheit der Experten war aber der Meinung, dass der Kreisläufer der HSG Wetzlar beim Turnier in Kroatien dabei sein wird - und die wurden letztlich bestätigt. Der 22-Jährige wird am kommenden Samstag im ersten Vorrundenduell gegen Montenegro auf dem Feld stehen, weil er klug genug war, sich bei der HSG von Kai Wandschneider weiterentwickeln zu lassen. Kohlbacher ist auf dem Weg, ein kompletter Handballer zu werden, und wechselt deshalb im kommenden Sommer zum Deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen.
Jannik Kohlbacher, die deutschen Handballer haben die Testspiele gegen Island beide souverän gewonnen. Wo sehen Sie das Team ein paar Tage vor dem Start der Europameisterschaft?
Ich denke, das war schon gut, was wir gespielt haben. Im Angriff haben wir richtig gut agiert und in der Abwehr müssen wir noch an ein paar kleinen Stellschrauben drehen. Das war im zweiten Spiel gegen die Isländer aber schon deutlich besser. Ich denke wir können optimistisch sein.
Wie bewerten Sie Ihre Leistung?
Ich habe Einsatzzeiten bekommen und habe in der Abwehr und im Angriff solide gespielt. Mehr braucht man dazu zum jetzigen Zeitpunkt wohl nicht zu sagen.
Vor zwei Jahren, als Sie mit Deutschland Europameister wurden, gab es Jannik Kohlbacher eigentlich nur in der Offensive, für die Defensive waren Sie damals nicht gut genug. Wie kam es zu dieser Entwicklung?
Ich konnte mich in Wetzlar von Jahr zu Jahr weiterentwickeln. Bei der Nominierung für die Olympischen Spiele 2016 hat mir die Tatsache einen Strich durch die Rechnung gemacht, dass ich nicht im Innenblock decken kann, was wohl in erster Linie an meiner Körpergröße liegt.
Welche Rolle haben die HSG und ihr Trainer bei der Entwicklung von Ihnen gespielt?
Bei Kai durfte ich im Grunde jedes Spiel 60 Minuten durchspielen, wofür ich vom ersten Tag an immer noch super dankbar bin. Dadurch kann man sich natürlich entwickeln, wenn man gerade im ersten und zweiten Jahr den ein oder anderen Fehler mehr machen durfte. Ich denke, mittlerweile bin ich eine Stütze in der Abwehr und daher mache ich mir keine Sorgen, dass sich an meiner Rolle etwas ändert.
Nach der Saison steht der Schritt zu einem Spitzenklub an …
Ja, und darauf freue ich mich auch. Die HSG Wetzlar hat mir die Chance gegeben, mich so als Handballer zu entwickeln, dass ich im Sommer den nächsten Schritt machen kann. Im Moment ist das aber noch weit weg. Ich habe noch einige Ziele mit der HSG und jetzt steht erst einmal ein Turnier mit der Nationalmannschaft an, darauf liegt jetzt der Fokus.
Sie fahren mit der deutschen Mannschaft als Titelverteidiger nach Kroatien. Welche Ziele muss man sich setzen?
Das war vor zwei Jahren natürlich ein richtig geiles Erlebnis, das wir gerne wiederholen würden. Aber wir wissen, wie schwer die Vorrundengruppe wird in diesem Land. Das werden alles Auswärtsspiele für uns und deshalb ist es erst einmal das Ziel, mit einer guten Punktausbeute durch die Gruppenphase zu kommen.
Weiter darf man noch nicht schauen oder möchten Sie nicht schauen?
Für mich persönlich will ich noch nicht weiter gucken, weil wir gar nicht nach oben schauen brauchen, wenn wir diese Hürde nicht schaffen.
Ist der Grund für diese recht defensive Herangehensweise die Erfahrung aus dem Vorjahr, als die Deutschen im Achtelfinale der Weltmeisterschaft überraschend an Katar scheiterten?
Da wollten wir natürlich auch Weltmeister werden, waren aber vielleicht schon ein Spiel zu weit. Klar sitzt das in unseren Köpfen.

